Wie Scheidungskinder glücklich werden

Trennen sich Eltern, haben Scheidungskinder häufig Schuldgefühle. Weil Eltern bei einer Trennung häufig mit sich selbst beschäftigt sind, können die Bedürfnisse der Kinder schnell vergessen gehen. Wie Kinder trotz getrennter Elternschaft glücklich werden.

Scheidungskinder können glücklich werden.

Aus Scheidungskindern können glückliche Kinder werden, wenn Eltern auf ihre Bedürfnisse achten. (Bild: mihailomilovanovic/iStock, Thinkstock)

Eltern bleiben Eltern. Ob sie zusammen wohnen oder nicht, ändert nichts an diesem Grundsatz, hat jedoch Einfluss auf die Gestaltung des Familienlebens. Bei der Alltagsorganisation wird am meisten spürbar, ob die Eltern in einem gemeinsamen Haushalt leben oder eben nicht. Beim Umgang mit den Kindern und bei der Qualität der elterlichen Zusammenarbeit hingegen fällt der Unterschied zwischen «Multilokalität» und gemeinsamem Haushalt deutlich weniger ins Gewicht.

So gelingt getrennte Elternschaft zum Wohl der Scheidungskinder

Die eigene Einstellung überdenken

Werden Scheidung und Trennung als Scheitern aufgefasst, kann dies der kindgerechten Gestaltung der getrennten Elternschaft im Weg stehen. Es lohnt, sich darüber Gedanken zu machen und gezielt auch die Chancen ins Auge zu fassen.

Getrennte Elternschaft bewusst gestalten

Der Versuch, nach einer Trennung weiter so zu funktionieren, als ob man noch zusammen wäre, taugt oft nicht, vor allem wenn die Bedürfnisse der Kinder den elterlichen Anstrengungen, die alte Normalität zu bewahren, untergeordnet werden.

In Zwei- wie in Einelternfamilien leiden Kinder unter anhaltenden Konflikten. Und sie leiden, wenn eine Elternperson oder beide sie schlecht behandelt. Positiv gesagt: Die Kinder einbeziehen und eine elterliche Zusammenarbeit, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und die Erwachsenen nicht stresst, erleichtert sowohl die gemeinsame wie die getrennte Elternschaft und macht die Kinder glücklich.

Scheidungskinder einbeziehen

Schon von klein auf wollen Kinder ihren Alltag mitgestalten und ihre Ideen, Ängste und Wünsche einbringen. Bei Umbrüchen in ihrem Leben wollen sie das ganz besonders.

  • Wenn die Eltern von Anfang an gewohnt sind, immer auch die Perspektive ihrer Kinder einzunehmen, gelingt dies auch bei einer Trennung viel leichter. Es ist aber nie zu spät, damit zu beginnen!
  • «Wo werde ich wohnen?» «Schule wechseln will ich nicht!» … – Die Vorschläge und Überlegungen der Kinder mit ihnen besprechen, erklären was geht und sich bewusst sein, dass auch in Zweielternfamilien nicht alles machbar ist: All das ist wichtig, damit die Scheidungskinder mitreden und mitgestalten können.
  • Abmachungen müssen gut überlegt sein und verlässlich eingehalten werden, um den Kindern die nötige Sicherheit zu geben.

Der Wechsel von der gemeinsamen zur getrennten Elternschaft ist ein Entwicklungsprozess

Wichtig ist, sich die nötige Zeit und den Freiraum zu geben, um die Umstellungen zu verarbeiten und immer wieder mit den Augen der Kinder zu betrachten.

  • Sich überlegen, wie die individuellen Bedürfnisse die Kinder am besten erfüllt werden können.
  • Gespräche sorgfältig planen und in ruhigem, ungestörtem Rahmen durchführen

Das bringt bessere Resultate als der ständige Austausch in gestresster Atmosphäre. Bei schweren Konflikten ist es angemessen, Distanz zu schaffen und den Kontakt zur andern Elternperson restriktiv zu handhaben, bis sich die Situation entspannt hat.

Kinderbelange verbindlich regeln

Mit den nötigen behördlichen Genehmigungen oder Gerichtsurteilen versehene Verträge sind eine wichtige Grundlage für die elterliche Zusammenarbeit. Sie helfen besonders bei getrennter Elternschaft, den Alltag zu organisieren und den Koordinationsaufwand zu verringern.

Die finanzielle Lebensgrundlage der Scheidungskinder zu sichern, ist zentral für das Wohl des Kindes, da dessen Zukunftschancen direkt davon abhängen. Unterhaltsvertrag, Unterhaltsurteil, Scheidungsurteil betreffen die Kinder ganz direkt.

Wichtig ist es deshalb, sich rasch an das Eheschutzgericht zu wenden oder einen Unterhaltsvertrag für das Kind von der Kindesschutzbehörde genehmigen zu lassen bzw. eine Unterhaltsklage einzureichen.

Obhut, persönlicher Verkehr, Betreuung sind für das Kind besonders wichtig, denn sie prägen seinen Alltag und wirken sich direkt auf die Eltern-Kind-Beziehung aus. Jedes Kind hat das Recht auf bestmögliche Betreuung, die seinen individuellen Bedürfnissen entspricht.

  • Aus praktischen Gründen bleibt die Obhut meist bei jener Elternperson – meist der Mutter – die den Hauptanteil der Betreuung übernimmt. Modelle der gemeinsamen Obhut sind anspruchsvoll für alle und erfordern viel Anpassung von den Scheidungskindern. Auch hier gilt: Es kommt auf die Umstände an, ob sie zum Wohl des Kindes gelingt!
  • Eine rasche und klare Regelung des Kontakts der Kinder zur andern Elternperson erleichtert die Umstellung und gibt den Kindern Sicherheit.

Elterliche Sorge ist die gesetzliche Befugnis der Eltern, für das minderjährige Kind die Entscheidungen zu treffen, für die es noch zu klein ist. Um die Ausübung im Alltag mit getrennten Haushalten zu erleichtern, lohnt es sich, diejenigen Entscheide festzulegen, die auf jeden Fall gemeinsam getroffen werden (gemeinsame elterliche Sorge) oder über welche die andere Elternperson zu informieren ist (alleinige Sorge).

Wo die elterliche Zusammenarbeit an ihre Grenzen stösst

  • Eine Elternperson misshandelt oder vernachlässigt das Kind, aus welchem Grund auch immer: Keine gemeinsame elterliche Sorge und kein persönlicher Verkehr.
  • Eine Elternperson ist gegenüber der anderen gewalttätig: Keine gemeinsame Sorge, kein häufiger persönlicher Verkehr.
  • Die Eltern haben so unterschiedliche Vorstellungen, dass sie sich in Kinderfragen nicht einigen können: keine gemeinsame Sorge.
  • Die alleinige Sorge hat in diesen Fällen eine wichtige Schutzfunktion für die Kinder.
  • Behördliche Massnahmen müssen verhältnismässig sein; die Rechte von Kindern und Eltern im Verfahren müssen gewahrt werden.

Dieser Artikel ist erstmals in der Zeitschrift EinElternForum(EEF) Nr. 2/2014 vom Juni «Getrennte Eltern – glückliche Kinder» erschienen. Das EEF wird herausgegeben vom Schweizerischen Verband alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV, den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn Bereich Sozial-Diakonie und von Caritas Bern. Es informiert über die Lebenslage alleinerziehender Mütter, Väter und ihrer Kinder und sensibilisiert für die Anliegen der Einelternfamilien. Auf der Website www.einelternfamilie.ch finden Sie weitere Informationen, zum Beispiel das neue Informationsblatt des SVAMV über die gesetzlichen Regelungen vom 1. Juli 2014 zur gemeinsamen elterlichen Sorge.

 

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Foto: kloromanam, Thinkstock

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