Neuanfang mit einem neuen Partner

Wann ist eine Verwitwete bereit für den neuen Mann?

Verwitwet? Wann ist man bereit für die neue Liebe? Foto: altrendo images, Stockbyte, Thinkstock

Ist ein neuer Partner ein Thema für Sie?

Ja, ich habe relativ rasch wieder einen neuen Partner gefunden. Wir haben uns beruflich kennengelernt. Er ist seit sieben Jahren verwitwet, hat ebenfalls drei, allerdings erwachsene, Kinder. Und weil wir Ähnliches erlebt haben, gab es von Beginn weg eine emotionale Verbindung. Wir haben viel miteinander gesprochen. Er sagt, dass die Trauer – sogenannte «emotionale Löcher» –  vorbeigehen werde, dass die Abstände immer grösser werden. Er ist mir voraus. Er hat ein grosses Verständnis.

Der Unterschied ist, dass ich immer wieder an meine Grenzen stosse. Das Pensum, das ich zu absolvieren habe, ist manchmal schon für zwei Elternteile zu viel. Und nun muss ich das alleine stemmen. Und ich kann es nicht verneinen, dass mir mein Ehemann immer wieder fehlt. 

Wohin geht jetzt meine Liebe? Das war ein starkes Gefühl nach dem Tod meines Mannes. Es ist wichtig, ein Gegenüber zu finden. Das ist ein riesiges Glück.

Wie reagieren Ihre Kinder auf Ihren neuen Partner?

Ich hatte eigentlich Angst vor der ersten Begegnung. Aber die Begegnung verlief recht unkompliziert, es scheint, dass sie ihn akzeptieren. Inzwischen haben wir eine gute Form gefunden, d.h. er nimmt auch etwas Platz in unserer Familie ein.

Sie besuchen die Selbsthilfegruppe «Aurora» (siehe Kästchen)?

Ich gehe nicht regelmässig an die Treffen dieser Gruppe. Aber der Verein organisiert jährlich eine Ferienwoche für Betroffene – dieses Jahr in Adelboden. Vor allem mein Sohn Louis will unbedingt teilnehmen; ich werde mit meinen drei Söhnen gehen.

Was macht dieses Angebot für Ihren Sohn Louis so interessant? Ist es der Ferienort Adelboden oder der Kontakt mit Kindern von Alleinerziehenden?

Louis ist sehr interessiert an Kindern, die nur noch ein Elternteil haben. Er hat mich auch schon gefragt, ob es in der Schule noch andere Kinder habe, die keinen Vater mehr haben.

Was ist Ihre grösste Herausforderung seit dem Tod Ihres Mannes?

Die alleinige Verantwortung zu tragen für die Familie, für alles. Ich habe Angst, unter dieser Last zu versinken. Diese Verantwortung kann ich nicht delegierten, die bleibt immer.

Was raten Sie einer Frau, einem Mann in einer ähnlichen Situation wie Ihrer?

Lernen, sich einzugestehen, dass man nicht alles alleine machen kann. Und das heisst konkret: Hilfe annehmen, nicht alles selber machen wollen. Nicht erwarten, dass die Hilfe von einer einzigen Person kommt, sondern von verschiedenen Menschen. Das eröffnet neue Chancen. Ein zweiter Rat ist, die Hilfe präventiv aufzugleisen und nicht erst dann, wenn die Krise da ist.

Verein AURORA: Kontakt- und Informationsstelle für Verwitwete mit Kindern

Ziel des Vereins ist es, Menschen zu unterstützen, beraten und auf ihrem schweren Weg zu begleiten. Wer von seinem Lebenspartner oder seiner Lebenspartnerin unerwartet verlassen wird, sei es durch Unfall, Krankheit oder Suizid, steht vor einer Flut von Problemen. Diese Anliegen greift AURORA auf. Besonders schmerzhaft sind die Erfahrungen, wenn Verwandte, Freunde und Nachbarn sich zudem schwer tun, auf sie zuzugehen. Der Verein AURORA bietet den Betroffenen Hilfe an. Hier haben sich Verwitwete mit minderjährigen Kindern zusammengeschlossen. Für die Kinder ist es sehr wichtig die Erfahrung zu machen, dass es noch andere gibt, bei denen der Papi oder das Mami gestorben ist. Die gemeinsamen Ferien sind ein wichtiges Ereignis. Kinder helfen und stützen sich gegenseitig, tauschen sich aus...    Der Verein versteht sich als Lobby für verwitwete Mütter und Väter und ihre minderjährigen Kinder. Er will das Verständnis in der Gesellschaft für die Probleme und Anliegen dieser Menschen fördern.

Kontakt: Fliederweg 21, 4303 Kaiseraugst, Tel. 055 440 85 70, www.verein-aurora.ch

Es gibt verschiedene Regionalgruppen in der ganzen Schweiz.

 

Autor: Esther Kälin Plézer, Quelle: Erschienen in EinElternForum 2/2012, herausgegeben von: Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV, Caritas Bern, Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Verein frabina Beratungsstelle für Frauen und binationale Paare. www.einelternforum.ch

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