Mutterschaftsentschädigung in der Schweiz und Elternurlaub in anderen Ländern

Die Unterstützungsleistungen für Familien in der Schweiz sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr niedrig. Mit 1,3 Prozent des Bruttoinlandproduktes im Jahr 2005 liegen die Ausgaben unter dem europäischen Durchschnitt. Länder wie Dänemark oder Deutschland geben mehr als 3 Prozent aus. Das liegt unter anderem am anders geregelten Elternurlaub.

In der Schweiz gibt es erst seit 2005 eine Mutterschaftsentschädigung, die bei erwerbstätigen Frauen während 14 Wochen 80 Prozent des Erwerbseinkommens deckt. Es brauchte mehrere Anläufe bis die Mutterschaftsversicherung schliesslich im Jahr 2004 vom Schweizer Volk angenommen wurde. «Es musste erst ein Kompromiss gefunden werden und ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung stattfinden, damit dieser Vorschlag endlich durchkam», erklärt Jürg Krummenacher, Präsident der EKFF.

Auch in anderen europäischen Ländern gibt es einen Mutterschaftsurlaub. Im Gegensatz zur Schweiz kennen Länder wie Deutschland, Schweden oder Island zusätzlich einen gesetzlich geregelten Elternurlaub. Dieser sieht eine Elternzeit für Mütter und für Väter vor. In der EU soll diese ab 2012 von derzeit 3 auf 4 Monate erhöht werden. Mindestens einer der vier Monate ist nicht übertragbar. In der Schweiz gibt es bisher keinen gesetzlich geregelten Eltern- oder Vaterschaftsurlaub. Nur in einzelnen Unternehmen gewähren Arbeitgeber Vätern einige Tage Urlaub.

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt sich, dass die Schweiz beim Thema Elternzeit weit zurück liegt.

Elternzeit und Elterngeld in anderen europäischen Ländern

 

Deutschland

Seit 2007 gibt es in Deutschland das Elterngeld, das maximal für 14 Monate ausgezahlt wird. Anspruch haben beide Elternteile. Ein Elternteil muss mindestens zwei und kann höchstens 12 Monate Elterngeld beziehen. Das Elterngeld ist niedriger als in der Schweiz, denn es entspricht 67 Prozent des Erwerbseinkommens, höchstens 1800 Euro und mindestens 300 Euro. Zuerst erhalten Mütter noch Mutterschaftsgeld, das in etwa dem Nettoverdienst entspricht. Dieses wird von der Krankenkasse und dem Arbeitgeber in den sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt ausbezahlt. Das Mutterschaftsgeld wird vollständig auf das Elterngeld angerechnet.

Island

Im isländischen Modell bekommen Eltern während 9 Monaten Elterngeld. Dabei haben Mutter und Vater jeweils einen Anspruch von drei Monaten. Danach können entweder die Frau oder der Mann weitere drei Monate Elternzeit beziehen. Für die Elternzeit bekommt der Elternteil 80 Prozent seines Einkommens. In Island haben übrigens die meisten Väter die Elternzeit genutzt. Im Jahr 2004 bezogen 90 Prozent der Väter Elternzeit, im Durchschnitt etwa 97 Tage.

Frankreich

Im Anschluss an den Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen (4 Monate) können Eltern einen einjährigen Erziehungsurlaub nehmen. Dieser ist unbezahlt, garantiert dafür den Arbeitsplatz. Der Urlaub kann bis zum dritten Geburtstag zweimal erneuert werden, wodurch sich eine maximale Bezugsdauer von 36 Monaten ergibt.

Schweden

In Schweden beträgt die Elternzeit 480 Tage (etwa 1 Jahr und 4 Monate). Jeweils 60 Tage sind davon für die Mutter bzw. den Vater vorgesehen. In den ersten 390 Tagen erhält der Elternteil, der in Elternzeit geht, 80 Prozent des Bruttolohns, die restlichen 90 Tage etwa 60 Euro pro Tag.

Quelle: Eidg. Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) in «Elternzeit — Elterngeld Ein Modellvorschlag der EKFF für die Schweiz», Bern 2010

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