Elternzeit und Elterngeld: Modellvorschlag der EKFF für die Schweiz

Für Väter gibt es in der Schweiz keinen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub zur Betreuung des Babys.

Nach dem Modell der EKFF sollen auch die Väter einen Teil der Kinderbetreuung wahrnehmen und bezahlten Elternurlaub bekommen.

Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) hat auf diesen grossen Unterschied zwischen der Mutterschaftsversicherung in der Schweiz und der Elternzeit in anderen Ländern aufmerksam gemacht. Im Oktober 2010 stellte sie einen umfassenden Bericht zur Elternzeit vor. Die Mutterschaftsversicherung und der in einzelnen Firmen gewährte Vaterschaftsurlaub ist aus familienpolitischer Sicht nach Ansicht der EKFF völlig ungenügend, um das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu lösen.

Denn viele Mütter bleiben in der Schweiz nach der Geburt ihres Kindes länger als 3,5 Monate zu Hause oder sie reduzieren ihre Arbeit. Um bei ihren Kindern zu bleiben, nehmen sie Einkommensverluste in Kauf, verzichten auf Karriere oder die Arbeitsplatzgarantie. Väter, die gern mehr sein wollen als Freizeitväter, verzichten mangels gesetzlicher Regelung eines Vaterschaftsurlaubs auf die Betreuung ihrer Kinder. Viele arbeiten sogar nach der Geburt ihres Sohnes oder der Tochter mehr, um Einkommensverluste, die durch das Zuhausebleiben der Mutter entstehen, auszugleichen. Für beide Partner kann das eine sehr unbefriedigende Situation sein.

Modell: Elternzeit von 24 Wochen

Das sind unter anderem Gründe, weshalb die EKFF eine gesetzliche Regelung für die Einführung einer Elternzeit und eines Elterngeldes auch in der Schweiz fordert. In ihrem im Oktober 2010 vorgestellten Bericht «Elternzeit — Elterngeld. Ein Modellvorschlag der EKFF für die Schweiz» schlägt sie vor, eine Elternzeit von 24 Wochen einzuführen, die zusätzlich zur Mutterschaftsentschädigung gewährt wird. Je vier Wochen sind davon für Mutter und Vater vorgesehen. Sie können also nur von dieser Person bezogen werden. Eine Mutter könnte so bis zu achteinhalb Monate zu Hause bleiben. Ein Vater maximal fünf Monate.

Die EKFF geht nicht davon aus, dass Väter plötzlich die Hälfte der Babybetreuung übernehmen. Im Modellvorschlag heisst es: «Dennoch kann die Elternzeit auch bei geringem Männeranteil ein allmähliches Umdenken begünstigen und längerfristig zu einer egalitären Rollenverteilung beitragen. Sie stärkt die Verhandlungsposition der Väter als Arbeitnehmende mit familiären Verpflichtungen.»

Das Elterngeld soll 80 Prozent des Einkommens entsprechen. Eltern haben die Möglichkeit dieses Elterngeld nach der Geburt oder später bis spätestens zur Einschulung des Kindes zu nehmen.

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