Therapie für Pflegekinder

Viele Pflegekinder sind traumatisiert.

Viele Pflegekinder haben Missbrauch oder Vernachlässigung erlebt und sind traumatisiert. Foto: © Eléonore H - Fotolia.com

Aber nicht nur die Pflegeeltern müssen sich Mühe geben. Auch die Experten sind gefordert. «Die Voraussetzung für die Überwindung einer Traumatisierung ist eine stabile Betreuungssituation und weil das nicht ausreicht, ist auch eine Psychotraumatherapie für Kinder nötig», erklärte der Fachpsychologe für Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychologie Ulrich Zingg aus Bolligen.  Zu einer Therapie gehört die psychische Stabilisierung der Kinder, die Beratung der Pflegeeltern und die Traumakonfrontation. Ohne gute Betreuung und fachgerechte Therapie sei die ganze Gesundheit des Kindes gefährdet, sagte Ulrich Zingg.

Der Psychiater Jörg Fegert formulierte zudem die Forderung, dass Profis, wie Ärzte und Therapeuten, die Lebensgeschichte der Kinder aufbereiten sollten. Nur so könnten Pflegekinder ihre eigene Biografie nachvollziehen. Das sei enorm wichtig.

Mehr Ressourcen für das Pflegkinderwesen

Die SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr sprach davon, dass sich auch die Politik mehr dem Thema Pflegekinder widmen sollte. Wichtig sei die Familienplatzierungsorganisation, welche die Pflegefamilien vermitteln, zu regeln, die Weiterbildung der zuweisenden Behörden zu gewährleisten, zusätzliche Plätze, insbesondere für Jugendliche, zu schaffen und die Traumaarbeit sowie die fachliche Begleitung der Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen. «Jeder Einzelfall verdient mehr Zeit», sagte Jacqueline Fehr. «Die Politik müsste vielmehr Ressourcen zur Verfügung stellen.»

Die Politikerin hatte bereits im Jahr 2002 in ihrem Postulat «Pflegekinderwesen in der Schweiz» eine Professionalisierung im Pflegekinderwesen angemahnt. Sie forderte auch, die Pflegkinder besser zu schützen. Eine Revision der Pflegekinderverordnung steht aber nach wie vor aus. Neu soll die Pflegekinderverordnung Kinderbetreuungsverordnung heissen und auch die familienergänzende Betreuung in Kitas regeln.

Weitere Details zum Stand der Kinderbetreuungsverordnung erhalten Sie unter www.ejpd.admin.ch

Mehr Informationen zum Thema Pflegekinder gibt es auf den Seiten der Pflegekinder-Aktion Schweiz unter pflegekinder.ch

Pflegekinder sind ein aktuelles Thema: Probleme mit privaten Vermittlern

Der «Beobachter» berichtete Ende November in einem Beitrag von unseriösen Pflegekinder-Vermittlungsfirmen. Eine private Organisation hatte eine Mutter und deren Kinder in eine Pflegefamilie einer evangelikalen Gemeinschaft platziert. Die Pflegeeltern zwangen die Kinder dazu, spezielle Kindergottesdienste zu besuchen und gaben den Kindern die Bibel der Zeugen Jehovas in die Hand. Mittlerweile gibt es rund 80 private Pflegekinder-Vermittler. Seriöse von unseriösen Organisationen zu unterscheiden, sei heute kaum möglich, sagte Andrea Keller vom Fachverband Integras der Zeitschrift. Bis heute gebe es keine gesamtschweizerisch verbindlichen Richtlinien, an denen Platzierungsorganisationen gemessen würden, sagte André Woodtli, Amtschef der Jugend- und Berufsberatung des Kantons Zürich. Das sei ein gravierender Missstand. SP-Politikern Jacqueline Fehr sagte dem «Beobachter»: «Es fehlt schlicht der politische Wille». Bei der ausserfamiliären Betreuung habe man vor denselben Probleme gestanden. Da war es aber möglich, eine Regelung zu finden. Heute brauchen Krippen und Horte eine Bewilligung. Wer die nicht erhält, bekommt keine öffentlichen Mittel.

 

Autor: Angela Zimmerling im Dezember 2011

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