Ein ganz normaler Familienalltag in der Tagesfamilie

«Kinder müssen sich gebraucht fühlen»

Um 6.30 Uhr beginnt der Arbeitsalltag von Fabienne Rogenmoser, Mutter eines elfjährigen Sohns und eines siebenjährigen Pflegesohns. Dann empfängt die 39jährige die ersten Tageskinder zwischen drei Monaten und zwölf Jahren im kleinen Dorf Alosen in Oberägeri im Kanton Zug. «Wir frühstücken in Ruhe zusammen, anschliessend putzen wir die Zähne», so beginnt sie, den Tagesverlauf der Tagesfamilie zu schildern. «Und sobald die Grossen in die Schule gehen, mache ich mich mit den Kleinen auf den Weg mit dem Hund über die Felder und in den Wald.» Anschliessend steht Gartenarbeit an. «Dabei holen wir aus dem Garten, was wir für das Mittagessen brauchen», berichtet die Tagesmutter. Wer keine Lust hat, im Garten zu helfen, vergnügt sich während dessen im Sandkasten, auf der Rutsche, der Schaukel oder einem der vielen Kinder-Fahrzeuge. Am Nachmittag geht es ein weiteres Mal mit dem Hund hinaus. Darüber hinaus steht für Fabienne Rogenmoser Hausaufgabenbetreuung an. «Das ist mich die anstrengendste Zeit am Tag. Aber es ist schön, manches Wissen wieder aufzufrischen», freut sie sich.

Helfen in der Küche gehört dazu

Der Verlauf des Tages zeigt, was Fabienne Rogenmoser bei ihrer Arbeit als Tagesmutter wichtig ist. «Die Kinder durchleben in unserer Tagesfamilie einen ganz normalen Familienalltag. Und während wir zusammen diesen Alltag leben, lernen sie ganz selbstverständlich dazu.» So setzen die Kinder im Garten Karotten und Salate und schnibbeln in der Küche Gurken und helfen so aktiv im Haushalt mit. «Kinder müssen sich gebraucht fühlen!», findet Fabienne Rogenmoser. «Dann fühlen sie sich wichtig und wohl.» Zum Wohlfühlen gehört ihrer Meinung nach auch, viel draussen zu sein. «Ich sage den Eltern immer, zieht euren Kindern Sachen an, die dreckig werden und kaputt gehen dürfen. Bei mir können sich Kinder auch mal in eine Pfütze setzen. Kinder sollen ihre Erfahrungen machen dürfen!»

Immer Spielkameraden zu Hause

Den Beruf hat sich Fabienne Rogenmoser vor zehn Jahren ausgesucht, weil er die Arbeit zu Hause ermöglicht. Nach einem Einführungskurs und einem Kindernothelferkurs wurde sie Tagesmutter bei der Kinderbetreuung Zug, kurz «Kibiz» genannt. «So kann ich bei meinen Kindern bleiben», sagt sie. Dass sie mit ihrer Arbeit eher wenig Geld verdient, stört sie nicht, denn der Sohn und der Pflegesohn freuen sich über die grosse Tagesfamilie. «Jedes halbe Jahr frage ich nach, ob meine Arbeit für sie noch stimmt.» Bislang ist das der Fall. Sie geniessen es, zum Mittagstisch nach Hause kommen zu können – und zu Hause immer Spielkameraden zu finden.

Gemeinsam spielen macht viel Spass. Streit gehört dazu. Fabienne Rogenmoser: «Da darf es von mir aus auch ruhig mal laut werden, das wird es bei uns Erwachsenen ja auch, wenn wir Konflikte austragen.» Wird ein Streit aber doch sehr gross, kennt die Tagesmutter ein gutes Rezept. «Dann machen wir einen zusätzlichen Spaziergang mit dem Hund. Der freut sich immer über Bewegung. Und wenn die Kinder sich draussen ausgetobt haben, ist der Streit längst wieder vergessen.»

Tagesfamilie - eine Entscheidung für Jahre

«Im ersten Gespräch mit den Eltern ist es wichtig, über gegenseitige Erwartungen zu sprechen», weiss die Tagesmutter. So lasse sich früh herausfinden, ob die Chemie stimmt. Ein weiteres Kind in die Tagesfamilie aufzunehmen, sei schliesslich oft eine Entscheidung für Jahre. Dennoch treten manchmal Reibungspunkte auf. Zum Beispiel, wenn es unter den Kindern Streit gab. «Meist sind Nachfragen der Eltern schnell geklärt», berichtet Fabienne Rogenmoser. «Und wenn es ausnahmsweise gilt, etwas Grundsätzlicheres zu besprechen, hilft die Vermittlerin vom Kibiz eine Lösung zu finden.»

«Die Eltern schätzen die private Betreuung. Ich kann auf jedes Kind individuell eingehen», berichtet Fabienne Rogenmoser. «Nur wenn alle Kinder in unserer Tagesfamilie sind, wie zum Beispiel in den Ferien, muss ich mal sagen: Moment, jetzt bin ich hier, gleich komm ich zu dir.»

Autor: Sigrid Schulze im Juli 2016

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