Apps für Kinder: «Bauklötze sind jeder App überlegen»

Schon Kleinkinder sind fasziniert vom bunten Bildschirm des iPhones und haben Freude daran ihre Fingerabdrücke darauf zu hinterlassen. Sind Smartphones und die dazugehörigen Apps für Kinder geeignet? Was Eltern wissen sollten, erklärt Michael In Albon, Jugendendmedienschutz-Beauftragter der Swisscom.

Für Kinder gibt es viele Apps für das Smartphone.

Eltern sollten im Auge behalten, welche App ihr Kind auf dem Smartphone nutzt. Foto: iStock, gillian08, Thinkstock

Eine amerikanische Studie zeigte, dass schon rund 30 Prozent aller iPhone Nutzer sogenannte iphone Mums sind, die das Handy von ihrem Kind benutzen lassen oder Apps und Spiele für ihr Kind downloaden. Hat klassisches Spielzeug wie Holzklötze oder Memory ausgedient?

Michael In Albon: Digitale Medien, so stark sie unser Leben auch beeinflussen, reproduzieren nur eindimensional. Eine App riecht nicht, sie ist nicht räumlich, geht nicht kaputt, hat keine Temperatur. Eine App wird nicht Realität. Ich bin nicht Entwicklungspsychologe, würde aber behaupten, dass Bauklötze jeder App überlegen sind, was das sinnliche Erfahren und das Lernpotenzial angeht.

Gehören moderne Handys wie die Smartphones überhaupt schon in die Hände von Ein- oder Zweijährigen?

Ja und nein. Ich erkenne es bei meinen Söhnen, die beide noch Kleinkinder sind: Der Reiz des passiveren Konsumierens ist da und manchmal mögen sie sich nicht mit sich auseinandersetzen und konsumieren lieber eine App. «Sehr selten» ist hier wohl das richtige Mass.

Michael In Albon

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Michael In Albon ist seit 2009 Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Der Historiker und Linguist möchte Eltern klarmachen, dass neue Medien nicht gefahrlos für Kinder sind. Er will Eltern aber auch die Angst vor der digitalen Welt nehmen. Den Satz: «Ich habe keinen Zugang zu diesen modernen Medien, meine Tochter weiss da viel mehr» lässt er nicht gelten. «Kompetenter Umgang mit den digitalen Medien ist eine Erziehungsaufgabe der Eltern, und die Eltern sollen sich nicht vor dieser Aufgabe drücken, nur weil ihr Kind Smartphone und Computer schneller bedienen kann», sagt er.

Der Medienexperte nutzt privat ebenso Apps, allerdings nur einige wenige. Seine Erfahrung ist, dass sich auf den Smartphones sehr schnell App-Friedhöfe bilden. Man lade eine App herunter, finde sie ein-, zweimal spannend oder unterhaltsam, und öffne sie dann nie mehr, so In Albon.

Foto: Swisscom

Für unterwegs ist das Smartphone praktisch. Da müssen Eltern nicht mehr Stifte, Malblock und anderes Spielzeug mitnehmen. Manche Eltern nutzen das Smartphone aber, um ihr Kind ruhig zu stellen. Kann das gefährlich werden?

Ja, aber das hat nichts mit den neuen Medien zu tun. Dieses Phänomen stellen wir auch beim Fernsehen fest. Der Konsum-Modus verlangt dem Kind weniger ab und es ist «gemütlicher». Dem Kind tut man damit keinen Gefallen. Ich bin überzeugt, dass kreative Spiele nachhaltig spannender sind für Kinder.

Sollten Eltern das Spielen auf dem Smartphone ganz verbieten, wenn sie merken, dass ihr Kind süchtig danach wird?

Strategien können unterschiedlich aussehen. Ein rigides Verbot erhöht den Willen, es zu umgehen. Es empfiehlt sich, Regeln aufzustellen und den Konsum so zeitlich und zusätzlich bezüglich Inhalt zu beschränken. Fakt ist, dass Kleinkinder nichts verpassen, wenn sie nicht mit dem Smartphone spielen.

Sie haben von Regeln aufstellen gesprochen. Wie sollten Eltern den App-Konsum ihrer Kinder noch begleiten?

Eltern müssen auf jeden Fall wissen, was wie lange konsumiert wird. Ein Smartphone gehört ebenso wenig unbeaufsichtigt in Kleinkinderhand, wie ein Laptop oder Tablet in die Hände Acht-, Neun- oder Zehnjähriger. Damit wird auch klar: Ein solches Gerät darf nicht zum «Kindermädchen» werden.

Sind die Kinder älter, besitzen viele selbst ein Smartphone. Auf was sollten sie achten?

Auch hier bleibt die Nutzungszeit eine grosse Herausforderung. Hinzu kommen Inhalte aus dem Netz, die für Kinder ungeeignet und teilweise verboten sind wie Pornographie oder Gewaltdarstellungen. Technische Mittel können den grössten Teil solcher Inhalte unterdrücken.

Welche Sicherheitseinstellungen sollten Sie und Ihre Kinder am Smartphone vornehmen?

Zunächst: Kein freier Zugriff auf den Shop. Alles andere kann Überraschungen zeitigen, wenn die nächste Kreditkartenabrechnung im Briefkasten liegt. Auch sollen Eltern in jedem einzelnen Fall abschätzen, ob der Inhalt dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes angemessen ist. Ein Blanko-Check ist unverantwortlich. Es gibt auch Filter-Programme für das Smartphone, die man installieren kann. Smartphones werden seit Kurzem zum Ziel von Viren und Hacker-Angriffen. Auch diese kann man mit geeigneten Programmen weitgehend abwehren.

Welche Apps sind nicht für Kinder geeignet?

Einige Apps preisen sich zwar als altersgerecht an, sind es aber bei näherem Hinschauen nicht. Für einen Vierjährigen mag «I here you» spannend sein, wenn es dort die Geräusche verschiedener Tiere oder Fahrzeuge hören kann. Die Talking Friends Kollektion zum Beispiel «Talking Tom» oder «Talking Larry» ist im ersten Moment lustig, wenn man mit einer Katze oder einem Hund interagieren kann, wie streicheln, füttern und kitzeln. Nachdenklich stimmt aber, dass man den Kater auch so lange schlagen kann, bis er umkippt  und drei Sekunden später wieder aufsteht. Man muss also sehr genau darauf achten, welche Werte und Verhaltensweise in solchen Apps vermittelt werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die besten Smartphone Apps für Kinder?

Bei Apps darf man sich nicht darauf verlassen, dass das, was kostenlos ist, auch nichts wert ist. Und umgekehrt. Es gibt sehr viele pädagogisch wertvolle Apps wie zum Beispiel «Lerne Englisch» oder «Lerne Französisch» von «Busuu». Empfehlenswert ist auch «LEO», ein Übersetzungs-Werkzeug, das es auch online unter www.leo.org gibt. Grundsätzlich gilt: Beachten Sie die Bewertungen, die die Nutzer erstellen. Sie lassen eine gute Einschätzung zu, wie wertvoll oder sinnvoll eine App ist. Spiele auf dem iPhone sind wenig sinnvoll. Es gibt zwar durchaus clevere Umsetzungen für den kleinen Bildschirm eines Smartphones, aber gerade Activity-Spiele machen für mich persönlich wenig Sinn. Quizes oder Rätsel-Spiele sind da schon besser und haben einen zusätzlichen pädagogischen Wert.

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