Cyber Mobbing: Der Selbstmord von Amanda Todd sollte uns wachrütteln

Kommentar - Die schockierende Geschichte der Amanda Todd macht betroffen. Das 15-jährige Mädchen aus Kanada nahm sich das Leben, weil sie monatelang im Internet gehänselt wurde. Ihr Hilferuf, ein YouTube-Video, wird zum Symbol gegen Cyber Mobbing. Darüber sollten wir reden!

Amanda Todd war ein Cybermobbing-Opfer.

Amanda Todd, Ofper von Cybermobbing, bat im Internet um Hilfe, bevor sie Selbstmord beging. Foto: Screenshot YouTube

Was Amanda Todd in ihrer Video-Botschaft auf handgrosse weisse Zettel schrieb, ist erschütternd: «Ich verlor alle meine Freunde», «Jeden Tag überlege ich, wieso bin ich noch hier?» «Ich fühlte mich wie ein Witz auf dieser Welt». Im Video, das die 15-jährige Amanda vor über einem Monat ins Internet stellte, erzählt sie mithilfe dieser Zettel ihre Leidensgeschichte.

Mit 12 Jahren will sie neue Leute im Internet kennen lernen. Sie zeigt sich mithilfe ihrer Videokamera, wird als wunderschön und perfekt bezeichnet. Für einen Mann entblösst sie ihre Brüste. Er macht ein Foto. Ein Jahr später bekommt sie von ihm auf Facebook eine Nachricht: «Wenn du keine Show für mich machst, werde ich deine Brüste veröffentlichen». Sie weigert sich. Er schickt das Foto an Freunde und Familie. Später stellt er sogar eine Facebook-Seite mit dem Foto online.

«Ich hoffe, sie ist gestorben»

Von da an beginnt eine jahrelange Mobbing-Attacke gegen Amanda. Auf dem Schulhof wird sie verspottet: «Schau dich um, keiner kann dich leiden», sagt eine. Sie wird zu Boden geworfen und mehrmals geschlagen. Jemand filmt das. Auf Facebook schreiben manche: «Sie hat es verdient» und «Ich hoffe, sie ist gestorben». Amanda bekommt Angst, Depressionen und Panikattacken. Sie nimmt Drogen und Bleichmittel, fängt an sich selbst zu verletzen.

Mehrere Schulwechsel ändern nichts an der Situation. Das Foto ist immer schon da. Im Internetzeitalter verschwinden Fotos nicht einfach so. Das Video ist ein Hilfeaufruf. «Ich habe niemanden, ich brauche jemanden. Mein Name ist Amanda Todd». Das sind die letzten beiden Zettel, die sie in die Kamera hält. Am 10. Oktober begeht sie Selbstmord.

Was macht Cyber Mobbing gefährlich?

Der Fall von Amanda wirft Fragen auf: Hätte Amanda geholfen werden können? Was treibt Kinder und Jugendliche dazu, jemanden so sehr zu demütigen? Was macht Cyber Mobbing so gefährlich? Wieso werden solche Hasstiraden auf Internetportalen nicht gestoppt? Der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Alvaro, fordert laut Medienberichten eine Ethik-Kommission für Internetfirmen. Die Kommission aus Datenschützern, Psychologen und Netzaktivisten solle etwa kontrollieren, ob Google innerhalb von 24 Stunden Seiten mit Persönlichkeitsrechtsverletzungen aus dem Index löscht, heisst es bei stern.de.

Das wäre sicherlich ein guter Schritt. Viel entscheidender aber ist, dass Eltern, Lehrer, Kinder und die Öffentlichkeit über Cyber Mobbing und Mobbing reden, damit es erst gar nicht so weit kommt. Jeder sollte darauf sensibilisiert werden, um versteckte Hilferufe rechtzeitig zu erkennen. Aber nur die Hälfte der Schweizer wissen überhaupt, was Cyber Mobbing ist. Zwei Drittel wissen nicht, wo sie Hilfe finden können. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der Kinder- und Jugendstiftung Pro Juventute. Deshalb ist es so wichtig, dass die Stiftung jetzt in einer Kampagne auf das Thema aufmerksam macht.

Reden Sie über Cyber Mobbing!

Informieren auch Sie sich! Reden Sie darüber! In unseren Beiträgen «Phänomen Cybermobbing: Wie Sie helfen können» und «Mobbing in der Schule: So können Sie Ihrem Kind helfen» erhalten Sie einen ersten Überblick über das Thema Mobbing. Im Forum können Sie über Cyber Mobbing reden.

Das Video von Amanda Todd

Veröffentlicht am 07.09.2012 von TheSomebodytoknow auf YouTube

 

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