Mediennutzung ist auch bei den Kleinsten selbstverständlich

Die ersten Handgriffe muss die Erzieherin erklären.

Gemeinsam erlernen die Kinder die wichtigsten Handgriffe auf dem iPad.

«Kinder treten auch schon vor dem Vorschulalter in Kontakt mit digitalen Medien. Die Eltern besitzen Smartphones, Laptops, zuletzt auch iPads oder Tablets. Wenn Eltern neue Medien benutzen, wollen die Kinder sofort mitmachen. Es ist ganz natürlich, dass die Schulen da mitreden. Medienbildung ist heute ein Auftrag der Schule, genauso wie es Deutsch und Musik sind», sagt Claudia Fischer. Tatsächlich erzählt Kindergärtnerin Barbara Baumann von 5-Jährigen, die die wichtigsten Handgriffe am iPad bereits bei Projektstart von zuhause kannten. Der aufgeweckte Nick* bestätigt dies mit seinem Einwurf: «Meine Eltern telefonieren beide mit einem iPhone. Mein Vater hat sogar selber ein iPad!» Die Frage, ob es bei ihm zuhause auch einen Computer gäbe, beantwortet Nick* mit grossen, erstaunten Augen und einem selbstverständlichen «Ja, sicher.»

Wird Barbara Baumann daraufhin gefragt, wie die Eltern der «Hündli»-Kinder auf den iPad-Plan reagierten, erwidert sie mit einer ähnlich selbstverständlichen Art: «Alle Eltern nahmen das Projekt extrem offen auf. Noch nie habe ich von Eltern negative oder misstrauische Anregungen dazu erhalten.» Wichtig sei der jungen Frau aber das richtige Mass. Ihre Klasse solle lernen, wie man sich mit neuen Medien befasst – aber auch wie man sich davon wieder loslöst, um sich anderen Aktivitäten zu widmen.

Das iPad ist im «Hündli» sehr beliebt

Seit dem Ende der Herbstferien dürfen die Kinder, die in diesem Schuljahr in den Kindergarten gekommen sind, das iPad benutzen. «Zuerst sollten sie den Kindergarten ohne iPad kennenlernen – es gibt auch so in den ersten Wochen schon genug zu entdecken», so Baumann. Die Kinder dürfen immer zu zweit für 20 Minuten das iPad benutzen. Die Zeit wird mit einer Sanduhr gemessen. Es werde vor allem gespielt, die älteren Kinder können aber auch mit «Lern-Apps» das Schreiben von Buchstaben oder das Zählen üben. «Es passiert ab und zu, dass die Sanduhr aufs Mal quer liegt und der «Countdown» stillsteht, wenn ich kurz wegschaue. Ob das reiner Zufall ist?», sagt die junge Kindergärtnerin lachend. Maria* und Nathalie* machen aber nach abgelaufener Spielzeit keine Schwierigkeiten. Sie übergeben das iPad an Anna* und Nick* und besprechen gemeinsam, was sie als nächstes unternehmen werden. Sie gehen zum Maltisch.

Kinder müssen Rücksicht auf einander nehmen.Kinder müssen Rücksicht auf einander nehmen.

Nicht alle Kinder sind gleich schnell auf dem iPad - sie müssen auf einander Rücksicht nehmen.

Kaum sind die Mädchen verschwunden, geht Nick*, der das iPad schon von zuhause kennt, eifrig ans Spielen und kommt viel schneller zurecht als seine Partnerin Anna*. Barbara Baumann macht den aktiven Jungen darauf aufmerksam, dass er auf Anna* Rücksicht nehmen muss. Nick* behält den Blick auf den Bildschirm, scheint seiner Erzieherin nicht richtig zugehört zu haben, schiebt den Bildschirm aber trotzdem etwas zu Anna* herüber. Sie darf nach wenigen Minuten das nächste Spiel aussuchen. Ob es bei der iPad-Nutzung im Kindergarten auch Nachteile gäbe? «Man muss das iPad richtig nutzen. Das heisst nur im begrenzten Zeitrahmen und wenn genug Abwechslung ins Spiel kommt. Wenn wir in den Wald gehen oder in die Turnhalle, haben wir kaum Zeit für das iPad – und das ist auch gut so. Wenn man ein gesundes Mass beibehält, sehe ich bei der Nutzung von digitalen Medien im Kindergarten keine Nachteile», antwortet Barbara Baumann.

Wird das iPad im Kindergarten bald schon zum Alltag gehören? Claudia Fischer von der FHNW sagt: «Vor zehn Jahren hätte auch keiner gedacht, dass Laptops in Klassenzimmern zum Alltag gehören würden. Das Tablet wird die gleiche Entwicklung durchlaufen und schon in ein paar Jahren als selbstverständliches Lehr- und Lernwerkzeug genutzt werden. Persönlich denke ich aber, dass beispielsweise Buntstifte, Bücher und kleine Brettspiele nie vom Kindergartenalltag verschwinden werden. Die kleinen Oasen, in die Kinder abtauchen und ein Bilderbuch betrachten, werden kaum durch ein digitales Medium ersetzt werden können.»

*Namen von der Redaktion geändert.

Weiterführende Links zum Thema iPad im Kindergarten

  • Das Projekt von Claudia Fischer der FHNW lernen Sie hier kennen: my-pad.ch
  • Den Blog von René Kappeler, IT-Verantwortlicher Adliswils, lesen Sie hier: edu-ict.zh
  • Den Medienratgeber für Eltern von Swisscom finden Sie unter diesem Link: swisscom.ch

 

Text und Fotos: Sabrina Stallone im November 2011

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