Jugendliche und Medien: Eltern sollten positive Vorbilder sein

Jugendliche sind gern in Sozialen Netzwerken wie Facebook unterwegs und lieben ihr Handy. Was diese Ergebnisse der JAMES-Studie Eltern sagen sollten, erklärt Studienprojektleiter Daniel Süss im Interview. Der Professor für Medienpsychologie ist auch Vater zweier Töchter.

Vater und Tocher am Laptop

Eltern sollten ihren Kindern immer mal wieder über die Schuler schauen, wenn sie online unterwegs sind. (Bild: monkeybusinessimages/iStock, Thinkstock)

Wie bewegen sich Jugendliche in den Medien und sozialen Netzwerken? Mit diesem Thema beschäftigt sich die JAMES-Studie, die seit dem Jahr 2010 alle zwei Jahre veröffentlich wird. Der Name JAMES steht für Jugend, Aktivitäten und Medien-Erhebung Schweiz. In der aktuellsten Studie von 2016 wurden rund 1100 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in den drei grossen Sprachregionen in der Schweiz befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Snapchat und Instagram die neuen Aufsteiger sind und Facebook bei den Jugendlichen an Popularität eingebüsst hat.

Daniel Süss, Professor für Angewandte Psychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Autor der Studie, gilt in der Schweiz als führender Experte zum Thema Jugendliche und Mediennutzung. Kurz nach der Publikation der ersten JAMES-Studie führte Familienleben 2011 ein Interview mit ihm. Obwohl seither neue Studien erschienen sind, hat seine kompetente Meinung nicht an Gültigkeit verloren.

Gemäss der JAMES-Studie beschäftigen sich Jugendliche lieber mit Handy und Internet als mit dem Fernsehen oder einer Tageszeitung. Haben die alten Medien ausgedient?

Süss: Nein, das heisst es nicht, sondern es bedeutet, dass Handy und Internet sehr multifunktionale Medienumgebungen sind. Das Handy ist als mobiles Gerät sehr wichtig geworden, weil Jugendliche viel unterwegs sind. Das Internet bekommt einen hohen Stellenwert, weil die Jugendlichen sich sozial vernetzen und Plattformen wie Facebook nutzen. In 54 Prozent der Haushalte der Jugendlichen gibt es auch eine Abonnementzeitung. Wenn die verfügbar ist, wird sie auch von den Jugendlichen gelesen. Wenn sie in der Bahn unterwegs zur Schule sind, nutzen sie die Gratiszeitungen. Das heisst die verschiedenen Medien werden ergänzend konsumiert. Aber die höchste emotionale Bindung und stärkste regelmässige Nutzung liegt bei den neuen digitalen Medien.

Rangliste der Freizeitaktivitäten von Jugendlichen

  1. Handy nutzen
  2. Internet nutzen
  3. Freunde treffen
  4. Fernsehen
  5. Sport treiben
  6. Ausruhen/nichts tun
  7. Radio hören
  8. Digitale Fotos machen
  9. Videogames spielen
  10. Tageszeitung online lesen

Quelle: Süss, D. und Waller, G. (2016). JAMES: Jugend, Aktivitäten, Medien-Erhebung Schweiz. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Zürich.

Wenn Jugendliche Tageszeitungen nur lesen, wenn sie zuhause verfügbar sind, werden sie dann als Erwachsene auch keine abonnieren?

Nicht zwingend. Wir haben diese Phase des Übergangs letztes Jahr in einer anderen Studie auch anschauen können. Da ging es um die Mediennutzung künftiger Studierender. 40 Prozent sagten, sie werden während ihres Studiums in ihrer WG oder Wohnung eine Tageszeitung haben. Wir haben diese jungen Erwachsenen auch gefragt, ob sie in einem Café lieber eine Zeitung in Papierform oder auf dem Laptop lesen würden, wenn beides da wäre. Da haben 75 Prozent gesagt, am liebsten auf Papier. Es ist die Frage: Ist das Medium verfügbar? Wenn es verfügbar ist, wird es auch auf Papier genutzt. Wenn nicht, ist natürlich der Weg über die Onlineangebote naheliegender.

Weil es leichter zugänglich ist.

Ja, genau. Bei der Mediennutzungsfrage ist es immer eine Frage der Verhaltensökonomie. Für welchen Aufwand, sei es finanziell oder zeitlich, und mit welcher Flexibilität komme ich zu den Inhalten? Wenn sie über ein Onlinemedium einfacher verfügbar sind, werden sie auch genutzt. Aber trotzdem ist es nach wie vor bei den von uns befragten Jugendlichen so, dass sie viel häufiger Zeitungen auf Papier lesen, als am Bildschirm.

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