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Killergames und Co: Medien und Gewalt

Gemäss der JAMES-Studie sind Sport, Action- und Rennspiele und nicht nur Killergames beliebt. Was bringt dann das von Stände- und Nationalrat geforderte Verbot von gefährlichen Computerspielen?

Ich halte so ein Verbot aus verschiedenen Gründen nicht für sinnvoll. Zum einen sind diese Shootergames nicht die absoluten Favoriten der Mehrheit der Kinder. Das andere ist, es ist schwierig Grenzen zu ziehen. Wann bezeichnet man ein Spiel als Killergame? Wann ist es ein Actiongame, in dem auch mal geschossen wird? Es ist in der Forschung auch nicht erwiesen, dass Shootergames am stärksten Probleme verursachen. Es sind andere Aspekte, die eine Rolle spielen. Es ist zum Beispiel viel entscheidender, ob ein Kind ausschliesslich gewaltorientierte Spiele spielt. Dann ist das Gefährdungspotential grösser, als wenn es mal ein Shootergame spielt, mal ein Rennspiel und mal ein Abenteuerspiel. Allerdings, wenn man sich die verschiedenen Spieltypen ansieht, sind die besonders gewalthaltigen Spiele meist Erwachsenenspiele. Also erst ab 18 Jahren freigegeben. Dort halte ich das Einhalten von Altersempfehlungen für wichtig. Das ist nicht nur Aufgabe der Eltern, sondern auch der Händler, die Spiele nicht an Jüngere verkaufen, so wie man das beim Alkohol durchsetzt.

Heisst das für Eltern, dass sie Killerspiele nicht verbieten sollten, sondern eher auf die Altersangaben achten sollten?

Genau. Die meisten stark gewalthaltigen Games sind eben erst ab 18 Jahren freigegeben und deshalb sollten Eltern ihren minderjährigen Kindern diese sowieso nicht zugänglich machen. Daneben gibt es die Positivprädikatisierung für Spiele bei www.bupp.at. Das sind Spiele, die pädagogisch und entwicklungspsychologisch sinnvoll sind für zum Beispiel Zwölfjährige. Ich halte es für den besten Weg, auf der einen Seite auf die Mindestlimiten zu schauen, aber auf der anderen Seite vor allem, was sind empfohlene Spiele für ein bestimmtes Alter.

22 Prozent der Jungen haben schon mal Porno- oder Gewaltfilme auf dem Handy erhalten. 15 Prozent haben sogar schon eine gestellte Schlägerei selbst gefilmt. Sollten Eltern ihren Kindern Handys verbieten?

Nein, das Handy zu verbieten halte ich nicht für die richtige Strategie. Sondern, man sollte darüber diskutieren. Es geht darum, eine Kultur des sinnvollen Umgangs mit den Medien zu pflegen. Die Mehrzahl der Jugendlichen nutzt das Handy in einer kreativen und auch friedlichen Art und Weise und nicht um Gewalt oder Pornografie herum zu schicken. Das Thema Gewalt und Pornografie ist ja zehnmal so stark bei Jungen ein Thema wie bei Mädchen. Das hat auch mit der Entwicklung von Rollenbildern, speziell von Männlichkeitsbildern zu tun. Wenn Jugendliche einander solche Bilder und Filme zeigen, dann wollen sie imponieren, ihre Männlichkeit zum Ausdruck bringen. Wenn Jugendliche positive Rollenvorbilder vorgelebt bekommen, wenn es einen offenen Umgang mit Sexualität gibt, dann sind sie weniger gefährdet in Bezug auf solche Inhalte in den Medien.

Es liegt also auch an den Eltern, die richtigen Vorbilder zu sein.

Rollenbilder sind sehr vielfältig in unserer Gesellschaft und was richtig und falsch ist, da wird man sich nicht so leicht einig werden. Eltern sollten sich bewusst sein, dass sie wichtige Vorbilder für Kinder sind. Je weniger etwas Thema ist und eine Auseinandersetzung im positiven Sinne vorhanden ist, desto stärker können Medien durch ihre Botschaften wirken. Für Eltern ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass sie durch ihr eigenes Medienverhalten als Vorbilder wirken. Man sieht das immer wieder in den Studien. Die Medienpräferenzen der Eltern spiegeln sich auch in den Medienpräferenzen der Kinder. Wenn man sich Sorgen um Themen wie Gewaltdarstellungen oder Pornografie macht, sollte man sich mit diesen Themen auseinandersetzen, bevor sie ein Problem werden. Eltern sollten mit ihren Kindern Themen wie Konfliktlösung, Fairness oder Gewalt diskutieren und Stellung beziehen. Berichte in Tageszeitungen wie «Jugendliche haben ein Happy-Slapping Video aufgenommen» oder «Jugendliche haben eine Gleichaltrige vergewaltigt» können als Ausgangspunkt dienen, sich kritisch damit auseinander zu setzen. Dann können die Jugendlichen auch Werthaltungen entwickeln. So haben Medien viel weniger Macht, sie negativ zu beeinflussen.

Daniel Süss ist Professor für Angewandte Psychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Daniel Süss ist Professor für Angewandte Psychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Professor am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich. Zu seinen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten gehören die Themen Kinder, Jugendliche und Medien sowie Gewalt und Medien.

Zusammen mit Isabel Willemse und Gregor Waller publizierte Daniel Süss im Jahr 2010 die JAMES-Studie (JAMES – Jugend, Aktivitäten, Medien-Erhebung Schweiz) zur Mediennutzung von Jugendlichen. Es ist die erste umfassende Studie dieser Art für die Schweiz und erscheint seit Beginn alle zwei Jahre.

Foto: Angela Zimmerling

Interview: Angela Zimmerling, März 2011

 

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