Kinder und das Internet: ein Graubereich

Viele Eltern stellen sich diese Frage: Ist es gut, wenn mein Kind so früh wie möglich lernt, souverän mit PC und Co. umzugehen? Oder soll man Kinder und Computer so lange wie möglich trennen? Studien und Experten zeigen: Das «Wie» ist vor allem ausschlaggebend.

Junge mit Handy

Wie bringe ich meinem Kind einen vernünftigen Umgang mit der digitalen Welt bei? (Bild: vejaa/iStock, Thinkstock)

«Kinder müssen den Gebrauch von Technologie lernen, damit Technologie sie nicht verbraucht» - das ist eines der fünf Credos, die der US-Psychologe Jim Taylor vertritt. Taylor ist Autor des viel beachteten Buches «Raising Generation Tech: Prepare Your Children for a Media-Fueled World». Er plädiert dafür, dass man die neuen Technologien weder verteufeln noch leichtfertig hinnehmen soll. In der heutigen Zeit sei es gar nicht mehr möglich, Kinder ohne den Einfluss der Medien aufwachsen zu lassen. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern beibringen, wie sie mit der Technologie umgehen sollen.

Das Internet kann nicht weggezaubert werden

Eines ist klar: Sie können Ihrem Kind den Umgang mit dem Internet nicht verbieten und auch nicht ständig überprüfen, auf welchen Seiten Ihr Kind im Internet surft. Es gibt zum Schutz der Kinder aber trotzdem einige Möglichkeiten. Man kann beispielsweise auf dem Smartphone oder Laptop Softwares zur Einschränkung der Benutzungszeit installieren oder Filterprogramme herunterladen, die den Zugriff auf problematische Inhalte einschränken. Eine deutschlandweite Untersuchung der KIM-Studie 2016 (Kindheit, Internet, Medien) zeigt aber, dass sich Eltern diese Schutzmassnahmen sehr beschränkt zu Nutze machen: Nur ein Viertel der befragten Eltern gaben an, eine Art von Jugendschutz-Software, -filter oder -App einzusetzen. Wenn Schutzfilter verwendet werden, dann noch am ehesten auf dem Computer oder Laptop. Auf Handys oder Tablets werden nur äusserst vereinzelt Massnahmen ergriffen.

Bei Jugendlichen ist es im Unterschied zu noch jüngeren Kindern eher kontraproduktiv, solche Filterprogramme zu installieren. Einerseits können sie trotz Einschränkungen gewisse Inhalte beispielsweise bei Freunden ansehen. Andererseits ermutigt ein Verbot Jugendliche nicht gerade dazu, mit ihren Eltern über eventuelle Vorfälle im Chat oder auf Facebook zu sprechen. Wenn Sie sich an dieser Stelle fragen, wie man Jugendliche dennoch vor schlechten Einflüssen – oder manchmal auch sich selbst – schüten kann, hier die Antwort: über Aufklärung. Weisen Sie auf Gefahren im Internet hin und machen Sie Ihrem Kind in einem vernünftigen Gespräch klar, dass geteilte Inhalte auf sozialen Netzwerken Konsequenzen haben. Das funktioniert natürlich nur, wenn auch Sie als Eltern sich genügend mit dem Thema auskennen und sich informieren.

Auch die Kommunikation ist digital

Das Gespräch mit Jugendlichen ist insbesondere darum wichtig, weil bei der Internetnutzung in diesem Alter verstärkt kommunikative Aspekte über soziale Netzwerke eine Rolle spielen. Die aktuelle KIM-Studie zeigt, dass 29% der älteren Kinder ihren Freunden fast täglich WhatsApp-Nachrichten schicken, die auch für die Kommunikation innerhalb einer Schulklasse oder im Verein Relevanz haben. Kinder ab zehn Jahren nutzen dann auch Facebook zur Kommunikation mit Freunden. Die Anonymität des Internets macht es möglich, dass Teenager mit dieser Art der Kommunikation von ihren Mitschülern auch gemobbt oder in Chatrooms von fremden Personen angeschrieben werden können.

Die Befragung der rund 1300 Kinder ergab zudem, dass im Alltag das Fernsehen an erster Stelle der regelmässig ausgeübten Aktivitäten steht (96%), dicht gefolgt von Treffen mit Freunden (94%), den Hausaufgaben (93%) und dem Spielen drinnen oder draussen (93%). Somit ergeben sich auch die täglichen Konsumzeiten der Medien: An einem durchschnittlichen Tag sehen die 6- bis 13-Jährigen 88 Minuten fern, nutzen 39 Minuten das Internet und spielen 32 Minuten an PC/Konsole oder online. Auch nicht-digitale Freizeitaktivitäten kommen zum Zug; so unternehmen vier von fünf Kindern einmal in der Woche etwas mit ihren Eltern und lesen täglich 22 Minuten in Büchern.

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