Kinderschutz im Internet: Anonymität schützt Täter

Kinderschutz im Internet: Im Chat haben Adresse und Geburtsdatum nichts verloren

Chat kommt vom Englischen chatten und heisst plaudern – genau das sollte es auch sein. Beim Chat in einem öffentlichen Portal sollte nur das gesagt werden, was Sie auch dem Sitznachbarn im Zug erzählen würden. Telefonnummern, Adressen, Geburtsdaten und persönliche Bilder haben im Chat nichts zu suchen, weil Sie nie genau wissen, wer sich hinter dem Chat-Partner verbirgt. Der 15-jährige Mike aus der Parallelklasse kann genauso gut ein 60-jähriger Busfahrer mit Cyber Grooming Absichten sein. Cyber Grooming bedeutet, jemanden im Internet kennen zu lernen, um eine sexuelle Beziehung aufzubauen. Es gilt als eine Form der sexuellen Belästigung.

Foren: Anonymität schützt die User, aber auch die Täter

Normalerweise müssen Sie sich für ein Forum registrieren. Hier ist es wichtig, als Benutzernamen nicht den richtigen Namen, sondern ein Pseudonym zu verwenden. Angaben zu Alter und Geschlecht sind für Forenbeiträge nicht relevant. Bei der Registrierung ist die E-Mailadresse ausreichend. Die Wohnadresse sowie Geburtsdatum und Telefonnummer sollten besser nicht eingegeben werden. Anonymität ist ein Kinderschutz in Internet – ermöglicht aber auch, andere Identitäten vorzugaukeln und schützt damit ebenfalls Täter.

Eigene Webpage oder Blog: den Benutzerkreis eingrenzen schützt

Auch hier ist mit persönlichen Daten Vorsicht geboten. Je mehr Kinder und Jugendliche über sich preisgeben, desto einfacher werden sie zur Zielscheibe. Wichtig ist, dass man unterscheidet, welche Informationen für wen preisgegeben werden sollen. Gibt es einen bestimmten Benutzerkreis? Grundsätzlich gilt,  je grösser der Benutzerkreis, desto weniger persönliche Daten sollten preisgegeben werden. Wenn zum Beispiel ein Austauschschüler seine Familie über sein Auslandjahr auf dem Laufenden halten möchte, kann er einen Blog oder eine Webpage für die Familie mit Passwortschutz einrichten. Sind die Plattformen ausschliesslich für diesen engen Nutzerkreis, die Familie, gedacht, darf grundsätzlich mehr persönliche Information preisgegeben werden.

Social Networks sind auch die ideale Plattform für Cybermobbing

Social Networks bieten zahlreiche Möglichkeiten, mit Freunden zu kommunizieren und zu teilen, was man gerade erlebt. Wenn aus Freunden aber Feinde werden, sind Facebook, Myspace und Co ebenfalls eine gute Plattform, um Beleidigungen zu platzieren. Kinderschutz im Internet ist gerade bei Sozialen Netzwerken zentral, weil sie häufig für Cybermobbing missbraucht werden. Dem können Kinder vorbeugen, in dem sie die Freunde z.B. in unterschiedliche Gruppen einteilen und die Privatsphäre-Einstellungen entsprechend vornehmen. So können zum Beispiel nur «enge Freunde» an die Pinnwand posten, «Bekannte» aber nicht. Mit einer solchen Spezifizierung verringern sie die Gefahr, online gemobbt zu werden. Sollten Kinder doch Nachrichten mit sexuell motiviertem, rassistischem oder beleidigendem Inhalt zugesendet bekommen, sollten sie den Absender sofort blockieren. Benachrichtigen Sie ausserdem den Seitenbetreiber und kobik.ch, die schweizerische Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität.

Grundsätzlich sollten nur «echte» Freunde geadded werden, Leute mit denen Kinder auch im realen Leben befreundet sind. Zur Überprüfung der Einstellungen hilft Ego-Googeln. Wie viel von meinem Profil ist für Jedermann sichtbar?

Kinderschutz im Internet: mit technischen Massnahmen Pornographie sperren

Für kleinere Kinder empfiehlt es sich, einen Kinderschutz auf den Computer zu laden, Swisscom bietet entsprechende Schutzpakete an. Pornographie ist für Kinder unter 16 Jahren verboten. Nichtsdestotrotz kommen Jugendliche häufig schon früher mit pornographischen Inhalten in Kontakt. Eltern wird empfohlen, mit Jugendlichen ein offenes Gespräch zum Thema zu führen. Einzelne Inhalte können mit der entsprechenden Software für den PC oder das Natel gesperrt werden.

Das Thema Medienkompetenz ist heute ein fester Bestandteil der Kindererziehung. Für viele Eltern ist es schwierig, dieses Thema zu integrieren, weil sie in der eigenen Kindheit und Jugend nicht damit in Berührung gekommen sind. Verschiedene Elternkurse und Leitfäden können dabei helfen. Wir haben in der Box nützliche Links für Sie zusammengestellt.

Text: Anita Stalder im Dezember 2012

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