Feind im Jugendportal: Von Cybermobbing bis Grooming

Immer wieder erschüttern uns Medienberichte über Jugendliche, die auf Internetplattformen gemobbt oder von Pädophilen angemacht werden. Und trotzdem unterschätzen Teenager die Gefahren, die auf solchen Portalen lauern oder sind sich deren oft auch gar nicht bewusst. Ein Plädoyer für bessere Medienaufklärung.

Der Feind im Jugendportal: Von Cybermobbing bis Grooming

Chatrooms, Facebook und Co. können zu einer realen Gefahr für Jugendliche werden. Bild: Film «Trust - Blindes Vertrauen» (2010) von David Schwimmer, © Millennium Media

Der Fall von Amanda Todd ging 2012 um die ganze Welt: Das 15-jährige Mädchen wurde über Jahre hinweg im Internet und in der Schule gemobbt und verspottet, weil ein Unbekannter ein Bild von ihrem Busen im Internet verbreitete. Amanda verfiel in Depressionen, versuchte sich mehrmals umzubringen, ritzte sich um auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam zumachen. Ihr letzter Hilfeschrei bildete ein Youtube-Video, in dem sie ihre Leidensgeschichte erzählt. Einen Monat später war Amanda tot, denn helfen wollte ihr niemand. Und sie ist nicht die Einzige.

Die 14-jährige Hannah Smith wurde in diesem Jahr ebenfalls Opfer vom sogenannten Cybermobbing. Hannah postete auf dem Frage-und-Antwort-Portal «Ask.fm» eine Frage mit Bild zu einem Hautausschlag. Statt hilfreicher Tipps wurde sie von einer Welle hasserfüllter Antworten überrannt. Ein anonymer User schrieb ihr «Stirb, jeder wäre glücklich darüber.» Im August 2013 erhängte sich das junge Mädchen, wie n24.de am 7. August 2013 berichtete. Doch das Mobbing gegen sie wurde via Facebook und auf der Seite «4chan» fortgeführt.

Grooming, Sexting, Cybermobbing: Anonymität macht es einfach

Amanda und Hannah sind keine Einzelfälle. Die jungen Mädchen glaubten Hilfe, Bestätigung und Anerkennung im Internet finden zu können, stattdessen wurden sie von anonymen Usern verspottet, gedemütigt und schliesslich in den Suizid getrieben. Das Internet bildet eine ideale Plattform für Mobbing, Sexting und Grooming. Denn hier kann sich jeder überall mit einem falschen Profil anmelden, junge Menschen beleidigen, verbal zerstören oder sich das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen durch Versprechungen oder Komplimenten erschleichen.

Besondere Vorsicht in Kinderchats und Singlebörsen für Teenager

Im November 2013 waren Beiträge zu Schweizer Teenager-Singlebörsen wie ersteliebe.ch in aller Munde. Der Betreiber Stefan Gallati rühmte sich auf 20min.ch damit, den Bedarf der Jugendlichen an Liebesvermittlungen entdeckt und ermöglicht zu haben. Bis vor dem 15. November 2013 gab es bei ersteliebe.ch keine Altersbegrenzung, so dass sich bereits Kinder bei der Partnerbörse anmelden konnten. Seit dem 15. November gibt es auf der Seite zwar ein Mindestalter von 16 Jahren, doch auch das ist keine Garantie dafür, dass sich nicht doch jüngere geschweige denn deutlich ältere User anmelden können.

Wer sich die Teenager-Singlebörse ersteliebe.ch mal genau anschaut, wird schnell feststellen, wie unvorsichtig User und Betreiber mit persönlichen Daten umgehen. Die Jugendliche können alles angeben: Wohnort, Figur, Vorlieben (auch sexueller Art), den Typ, den sie suchen et cetera. «Jugendliche machen auf solchen Seiten sehr viele persönliche und intime Angaben. Es ist ihnen nicht bewusst, dass hier die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichkeit überschritten wird», erklärt Urs Kiener, Kinderpsychologe bei Pro Juventute Mitte des Monats gegenüber 20min.ch. Diese Daten sind bei ersteliebe.ch aber auch für Nicht-Angemeldete einsehbar. Und jeder, der ein Foto von sich hochlädt, kann von Usern und Nicht-Usern auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet werden.

Gerade in puncto Bewertung findet sich der nächste Kritikpunkt: Es ist fragwürdig, ob sich hierbei jemand Gedanken dazu gemacht hat, was eine schlechte Bewertung bei Teenagern bewirken kann. Besonders während der Pubertät sind Jugendliche verunsichert, was sie und ihr Äussers betrifft. Eine Bewertung der Person und ihres Aussehens kann Cybermobbing heraufbeschwören –  wir erinnern uns an Hannahs Fall.

Auch wenn dies ein Extremfall ist, sollten Teenager sich dennoch gut überlegen, wie sie sich auf dem Foto präsentieren. Bei ersteliebe.ch fällt auf, dass viele auch unter 18-Jährige in lasziven Posen und knapper Bekleidung zu sehen sind. Das reizt nicht nur Gleichaltrige, sondern auch Pädophile.

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