Autoritäre Erziehung: Mitentscheiden und Verantwortung übernehmen

Ist autoritäre Erziehung angemessen?

Darf man Kinder bestrafen? Foto: iStock, Thinkstock

Kinder, die nicht alleine entscheiden, aber mitentscheiden, übernehmen Mit-Verantwortung. Zum Beispiel im Geschäft, wenn sie sich ein Kleidungsstück aussuchen. Nein, sie dürfen nicht alles in den Einkaufswagen legen, was sie wollen. Aber sie dürfen sich zum Beispiel innerhalb eines bestimmten Preisrahmens selbst aussuchen, was gekauft wird.

Weniger Trotz hätte Nellys Mutter geerntet, wenn Nelly an einen demokratischen Führungsstil gewöhnt wäre. In diesem Fall hätte die Mutter gesagt: «Nelly, schau, heute ist es kalt draussen. Du kannst diese Hose anziehen oder aber dein Lieblingskleid mit einer warmen Leggins.». Und im Fall der verwüsteten Kleiderschranks: «Du kannst den Schrank heute Nachmittag aufräumen – dann habe ich auch Zeit, dir dabei zu helfen. Oder du machst es heute Abend, dann aber allein. Sag mir Bescheid, wie du dich entscheidest.»

Ohne Regeln geht es nicht

Dennoch - ohne Regeln geht es nicht, auch wenn Kinder Regeln als Zumutung empfinden, die sie einschränkt. «Solche notwendigen Zumutungen können nur ausgehalten werden, wenn die Eltern-Kind-Beziehung intakt und somit belastbar ist», betont Jan-Uwe Rogge. «Deshalb ist es wichtig, Konflikte offen und möglichst auf Augenhöhe zu besprechen und sie auf diese Weise zu lösen.» Autoritäre Ansagen nach dem Motto: «Was getan wird, bestimmt ich» helfen jedenfalls überhaupt nicht weiter. Jesper Juul: «Kinder brauchen kein Nein, damit sie Grenzen erfahren. Kinder brauchen ein Nein, das aus innerer Überzeugung kommt!»

Regeln einzuhalten, lernen Kinder weitaus besser durch logische Konsequenzen als durch Strafe. «Daher ist es wichtig, dass ein Kind von vornherein weiss, welche sinnvolle Konsequenz es gibt, wenn es eine Absprache nicht einhält oder eine Regel bricht», so Jan-Uwe Rogge. Fernsehverbot und Hausarrest hat selten einen sinnvollen Bezug zu einem Fehlverhalten. Wer Situationen durchdenkt, kommt leicht zum Schluss. Weigert sich das Kind, den Fahrradhelm aufzuziehen, bleibt das Fahrrad eben in der Garage. Oder positiv ausgedrückt: «Klar darfst du Fahrradfahren, wenn du Deinen Helm aufgesetzt hast!»

 

Autor: Sigrid Schulze

 

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