Einmischung in die Erziehung: wie gehe ich mit Familie und Freunden um?

Auf die Ratschläge der Freunde reagieren

«Oft verstecken sich hinter Kritik ganz andere Botschaften als wir vordergründig heraushören», darauf weist Nicole Bauhofer-Sennrich hin. Ausgerechnet Freunde, von denen wir doch Verständnis erwarten, können oft überhaupt nicht erfassen, was es bedeutet, Verantwortung für ein Kind zu haben. Wer keine Kinder hat, stellt sich das Projekt «Familie» oft viel leichter vor. Manchmal fühlen sich Freunde von der Eltern-Kind-Beziehung gestört. So kann hinter der Aussage einer Freundin wie «Merkst du nicht, dass dein Kind dich ständig um den Finger wickelt?» oder «Dein Kind muss doch nicht ständig an dir kleben» durchaus eine Spur Eifersucht stecken. «In diesem Fall liegt das Problem bei dem Freund oder der Freundin», erklärt Nicole Bauhofer-Sennrich. Aktives Zuhören kann Licht in versteckte Botschaften bringen. Aktiv zuzuhören bedeutet, zu versuchen, sich in den Gesprächspartner einzufühlen, beim Gespräch mitzudenken und dem Gesprächspartner Aufmerksamkeit und Interesse entgegenzubringen.

Wichtige Techniken des Aktiven Zuhörens:

  • Die Aussage wird mit eigenen Worten wiederholt.
  • Die Gefühle des Gegenübers werden gespiegelt, z.B. «Das hat dich ganz schön geärgert.»
  • Bei Unklarheiten wird nachgefragt.
  • Der Inhalt dessen, was das Gegenüber gesagt hat, wird in wenigen Worten zusammengefasst.

 

Nicole Bauhofer-Sennrich entwickelt, wie ein solches Gespräch zwischen einer Mutter und ihrer Freundin verlaufen könnte.

Freundin: «Wie es hier im Wohnzimmer aussieht – als hätte ein Bombe eingeschlagen! Dein Kind muss doch nicht ständig an dir kleben.»

Mutter: «Du würdest Jan jetzt in sein Zimmer sperren?»

Freundin: «Nein, ich meine nur, dass du zu viel Zeit mit deinen Kindern verbringst. Schau dich mal an, du siehst aus als hättest du dich heute nicht mal gebürstet und früher warst du immer perfekt gestylt.»

Mutter: «Hmm, du trauerst unseren alten Zeiten hinterher.»

Freundin: «Ja, weisst du, wie gerne ich wieder mit dir in Ruhe etwas Essen gehen würde…»
 

Geschickt mit den Grosseltern des Babys umgehen

Grosseltern sind Eltern – und Eltern geben ihren Kindern nun einmal Tipps. Das war schon immer so. Ausgerechnet dann aus dieser «Leitungsrolle» herauszutreten, wenn ein so faszinierender Mensch wie das eigene Enkelkind ins Leben tritt, fällt ihnen besonders schwer.

«Meistens meinen sie es ja nur gut und wollen helfen», sagt Nicole Bauhofer-Sennrich. Grosseltern wissen, wie schwer es ist, ein Kind zu begleiten. Sie haben selbst als Mutter oder Vater Lösungswege für bestimmte Probleme gefunden, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben. Klar, dass sie diese gerne und offenen Herzens weitergeben möchten!

Dennoch können ständige Ratschläge der eigenen Eltern oder Schwiegereltern ganz schön an die Nieren gehen. «Es liegt an demjenigen, der ein Problem hat, das Problem zu lösen», erklärt Nicole Bauhofer-Sennrich. Und das ist in diesem Fall die genervte Mutter oder der genervte Vater.

Doch wie lässt sich das Problem lösen? Nicole Bauhofer-Sennrich: «In diesem Fall gilt es, die Grosseltern mit einer «Ich-Botschaft» zu konfrontieren.» Eine Ich-Botschaft ist eine Äusserung, die die eigene Meinung oder die eigenen Gefühle mitteilt. Das kann zum Beispiel so klingen: «Ich fühle mich bevormundet, wenn du meine erzieherischen Fähigkeiten in Frage stellst.» Die Kommunikationstrainerin weiss: «Natürlich ist niemand erfreut, so etwas zu hören. Nun aber liegt das Problem beim Gegenüber. Die Mutter – oder der Vater – müssen nun wieder auf das «Aktive Zuhören» umschalten.»

Keine Erziehung ohne Einmischung

Auch wenn wir es uns oft anders wünschen: Erziehung ohne Einmischung gibt es nicht. Nicht nur Grosseltern mischen sich ein, auch Kindergarten und Schule mischen bei der Erziehung kräftig mit. Oft erweitern andere Blickwinkel den eigenen Horizont. Kinder sind kein Besitz der Eltern, wenn sie auch die Hauptverantwortung tragen. Dieser Gedanke kann auch entlastend sein. «Manchmal sehen wir das Wesentliche nicht mehr und sind froh über einen Input von aussen. Durch die Erfahrung von anderen Menschen/Familien können wir auch vieles lernen», so Nicole Bauhofer-Sennrich.

Weiterführende Links:

  • Website der Kommunikationstrainerin Nicole Bauhofer-Sennrich

Text: Sigrid Schulze

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