Die Alternative: logische Folgen

Wenn ihr Kind beim Essen trödelt, wäre die Logische Folge eine Eieruhr.

Wenn ein Kind beim Essen trödelt und immer zu spät kommt, können Sie ihm eine Eieruhr hinstellen, damit es sieht, wieviel Zeit noch bleibt. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Selbstverständlich ist eine Friede-Freude-Pustekuchen-wir-haben-uns-alle-suuuuper-lieb- Erziehung undenkbar! Zu einem Alltag mit Kindern gehören Auseinandersetzungen, heftige Gefühle, Grenzüberschreitungen und Tränen ganz normal dazu. 

Logische Folgen sind der Schlüssel, um erzieherische Herausforderungen auf positive und ermutigende Art zu meistern:

  1. Logische Folgen sind logisch, einleuchtend, sofort verständlich.
  2. Logische Folgen sind immer logisch mit dem Fehlverhalten verknüpft.
  3. Logische Folgen befassen sich nur mit dem, was gerade jetzt geschieht.
  4. Logische Folgen enthalten kein Element moralischen Urteils.
  5. Logische Folgen haben nichts mit Macht zu tun.
  6. Logische Folgen sind sachlich und beruhigen den Sturm der Emotionen.
  7. Logische Folgen verbessern die Beziehung.

Fünf Beispiele für logische Folgen aus dem Erziehungsalltag

Morgens ist Simon (9) im Schneckentempo unterwegs, mit dem Resultat, dass er immer ermahnt werden muss, damit er nicht zu spät kommt. Logische Folge: Auf dem Frühstück steht eine Eieruhr, die die Zeit anzeigt, die ihm noch bleibt. Er ist selbst verantwortlich für sein Pünktlichsein. Da die Lehrerin bestimmt etwas zu sagen hat, wird er höchstens ein- bis dreimal zu spät kommen.

Mehmet (5) verlegt dauernd seine Sachen. Die ganze Familie muss ihm beim Suchen helfen. So hält er alle auf Trab. Logische Folge: Mehmet ist wie jedes Familienmitglied selbst verantwortlich für seine Sachen. Hilft man ihm nicht mehr mit Suchen, wird er sich früher oder später dazu entscheiden sich die Plätze, an denen er seine Sachen hinlegt, zu merken und sie so wieder finden.

Leonie (7) hat keine Lust ihre Hausaufgaben zu machen (genau genommen ein Teil ihres Schülerinnen-Jobs). Logische Folge: Der Vater bereitet kein Zvieri für Leonie zu, weil er auch keine Lust hat (obwohl das Teil seines Papa-Jobs ist). Sind die Hausaufgaben gemacht, dann kann man gemeinsam das Zvieri geniessen.

Wenn Emma (14) nach Hause kommt, schmeisst sie ihre Jacke, Mütze, den Pullover einfach im Entrée auf den Boden, anstatt sie aufzuhängen. Logische Folge: Ihr die Kleider vor die Zimmertüre legen. Da sind sie ihr selber im Weg und nicht der ganzen Familie. Bald wird sie sich selbst über den Haufen auf ihrer Schwelle nerven und die Kleider in der Garderobe aufhängen.

Nuria (4) will ihre Zähne nicht putzen. Jeden Morgen und jeden Abend das gleiche Drama! Logische Folge: Nuria muss die Zähne ab sofort nicht mehr putzen. Da aber alle Arten von Süssigkeiten und Milchprodukte schlecht sind für die Zähne, muss sie darauf verzichten. Es wird wohl höchstens ein paar Tage dauern, bis sie ihre Zähne gerne wieder putzt.

Hier können Sie mehr zum Thema Erziehung ohne Strafen und Logische Folgen erfahren

  • Buchtipp: «Kinderkram – Kindererziehung fängt mit Selbsterziehung an» von Claudia und Holger Przybyla. Ein praktisches Buch mit vielen Beispielen, wie man ohne Strafen erziehen kann.

Text: Martina Wieland

Martina Wieland ist psychologische Beraterin.Martina Wieland ist seit 2006 als Individualpsychologische Beraterin tätig. Sie ist Mitglied der SGIPA (Schweizerischen Gesellschaft für Individualpsychologie nach Alfred Adler) und der SGfB (Schweizerische Gesellschaft für Beratung). Im Zürcher Seefeld bietet sie unter anderem Erziehungsberatungen und Beratungen bei Burnout an. Zuvor arbeitete sie als Mittelstufenklassenlehrerin in Zürich und im Kanton Aargau.

Mehr über Martina Wieland erfahren Sie auf ihrer Webseite unter www.wieweiter.com

 

Wie gelingt es Ihnen, Ihre Kinder ohne Strafen zu erziehen? Schreiben Sie uns. Hier geht es zum Kommentarbereich. Und hier zum Forum Gewalt in der Erziehung.

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