Wie glücklich sind unsere Kinder?

Sind Kinder in der Schweiz glücklich? Zwar zeigen Umfragen, dass es den meisten gut geht, doch immer mehr Kinder quälen sich mit schweren persönlichen Sorgen und wenden sich an Pro Juventute.

Den meisten Kindern geht es gut in der Schweiz

Diese Kinder sind glücklich und zufrieden. Foto: SerrNovik, iStock, Thinkstock

Die Lebensbedingungen in der Schweiz gehören zu den besten Europas, so das Bundesamt für Statistik (BFS). Nicht nur die Wohlstandsschere ist etwas kleiner als im europäischen Durchschnitt. Auch der Anteil der Schweizer, die unter Armut leiden, ist mit zirka vier Prozent (2013) relativ gering. Der allgemeine Lebensstandart gilt also als gut, und drei Viertel der Bürger, die älter als 16 Jahren sind, geben an, mit ihrem Leben im Allgemeinen sehr zufrieden und glücklich zu sein. Die Voraussetzungen für Kinder und Jugendliche, in der Schweiz zufrieden aufwachsen, scheinen also gut zu sein.

Jugendliche sind optimistisch

Eine Befragung von 17-Jährigen in der Schweiz, in Auftrag gegeben von der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) und konzipiert von einem Forschungsteam der Universität Bern, zeugt tatsächlich von allgemeiner Zufriedenheit. Die meisten Teilnehmer der Umfrage geben an, in guten bis sehr guten Verhältnissen aufgewachsen zu sein. Und mehr als 90 Prozent der Befragten sind zuversichtlich, dass sie die Ausbildung erhalten werden, die ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht. «Die Befragung der 17-Jährigen vermittelt insgesamt das Bild einer Generation, die sich durch Nüchternheit, Pragmatismus und eine gewisse Berechenbarkeit auszeichnet. Diese jungen Menschen träumen weder von einer egalitären Gesellschaft noch vom grossen Umsturz», heisst es im Resümee der Umfrage. «Gleich wie ihre älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger sorgen sie sich stattdessen um die Einwanderung und sprechen Familie und Privatleben einen hohen Stellenwert zu».

Was macht Kinder glücklich

Entscheidend, um glücklich zu sein, sind aber nicht nur berufliche Perspektiven und materieller Wohlstand. Kinder brauchen auch Rückhalt in der Familie, Selbstsicherheit und Erfolgserlebnisse. Ein internationaler Vergleich im Rahmen der Children’s World Studie, finanziert von der Berner Jakobs Foundation, zeigt, wo Kinder besonders glücklich sind. Sehr zufrieden sind die befragten Zwölfjährigen in Rumänien, gefolgt von Kolumbien und Israel. Dagegen liegt Deutschland nur auf Platz zehn der 15 befragten Länder. Die Schweiz hatte an der Umfrage nicht teilgenommen, doch gibt es auch allgemeine interessante Ergebnisse: «Kinder in europäischen Ländern sind zufriedener mit ihren Freundschaften, während Kinder aus afrikanischen Ländern tendenziell glücklicher mit ihrem Schulleben sind», zeigt die Auswertung.

Immer mehr Kinder leiden unter persönlichen Problemen

Auch wenn die Children’s World Studie allgemein ein positives Bild zeichnet, so sind immer mehr Kinder und Jugendliche nicht glücklich. Mehr als 400 Kinder und Jugendliche melden sich pro Jahr bei der Pro Juventute-Beratung «+ Hilfe 147» – telefonisch, per SMS, E-Mail oder im Chat. Die quälenden Sorgen betreffen vor allem Sexualität, Familie und Liebe. Die Folgen sind gravierend. Sie reichen von Angstzuständen über Autoaggression und Ritzen, psychischen Erkrankungen oder Suizidgedanken. «2014 nahmen die Beratungen zu den Themen Angst (+10.6 Prozent), Autoaggression/Ritzen (+5.6 Prozent), psychischen Erkrankungen (+24 Prozent), depressiver Stimmung (+11.8 Prozent) und Suizidgedanken (+10.5 Prozent) gegenüber 2013 deutlich zu», teilt Pro Juventute mit.

Kinder suchen Hilfe bei Pro Juventute

2014 wandten sich im Durchschnitt täglich mindestens zwei verzweifelte Kinder mit ernsthaften Suizidabsichten an die Fachleute von Pro Juventute, die immer öfter unmittelbare Kriseninterventionen einleiten. Während sie 2007 nur sieben Mal Rettungskräfte losschicken mussten, gab es 2014 bereits 56 Kriseninterventionen durch Polizei, Ambulanz oder psychiatrischen Dienste.

«Seit einiger Zeit leide ich an Depressionen und Angstzuständen. Es ist so schlimm geworden, dass ich mir eigentlich professionelle Hilfe holen möchte. Kann ich aber nicht. Meine Familie weiss nichts davon. Vor ihnen tue ich immer so, als wäre alles in Ordnung. Ich habe Angst vor ihrer Reaktion und weiss nicht, wie ich mit ihnen darüber sprechen soll», solche Aussagen hören die Pro Juventute-Berater immer wieder. «Diese Kinder und Jugendliche können nicht auf die Unterstützung ihres nächsten Umfelds zählen. Oder sie trauen sich nicht, belastende und intime Themen, Ängste und Sorgen mit ihren Eltern, Geschwistern oder Freunden zu besprechen», so Pro Juventute.

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