Wo bleiben Freiraum und Vertrauen?

Kinderhandy «Fröschli»: Kein Grund zur Sorge?

tracker.com feiert mit «Fröschli» beträchtliche Erfolge. Foto: tracker.com

Mit der Lancierung und offensiver Bewerbung von Tracker.com machten sich aber auch schnell kritische Stimmen in den Medien laut. Ortungsgeräte seien ein grosser Einschnitt in den Freiraum der Kinder, protestierten Medienpädagogen und Kinderrechtler im Unisono. «Wichtiger wäre es, Vereinbarungen zu treffen und den Kindern so viel Freiraum zu lassen, wie sie imstande sind, zu nutzen», betonte Daniel Süss, Medienpsychologe der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gegenüber der Aargauer Zeitung. Es bestehe laut Süss zudem die Gefahr, dass Eltern in der Obhut nachsichtiger würden, wenn ein Ortungsgerät im Einsatz sei. Zugespitzt heisst das: Wieso auch aktiv nachschauen, ob das Kind noch in unmittelbarer Nähe ist, wenn es auch per Knopfdruck geht? Solche Fälle seien dem Mediensprecher von Tracker.com bisher jedoch nicht zu Ohren gekommen. «Das Fröschli bietet lediglich gewisse Möglichkeiten an, um die Sicherheit der Kinder zusätzlich zu erhöhen», so Barrosa.

Martin Hermida ist Medienexperte bei der Kinder- und Jugendhilfe Pro Juventute und drückte seinen Unmut über Tracking-Geräte ebenfalls im Gespräch mit der Aargauer Zeitung aus.: «Kinder sollen Kinder sein dürfen. Nicht kleine rote Punkte auf einem Computerbildschirm.» Darüber hinaus seien Tracking-Geräte wie «Fröschli» kein Sicherheitsgarant. Verliert das Kind nämlich das Gerät, oder wird es ihm gar abgenommen, nützt es nicht mehr viel. Er fordert ausserdem die Eltern auf, sich zu fragen, ob sie in ihrer Kindheit auch gerne geortet worden wären.

Pro Juventute kämpft in der Öffentlichkeit massiv gegen Geräte für Kinderortung. Im vergangenen November warnte die Stiftung anlässlich des Tages der Kinderrechte vor der Totalüberwachung : «Väter und Mütter, die ihre Kinder zu stark behüten, beeinträchtigen die Entwicklung ihres Kindes», so die Kinder- und Jugendstiftung.. Im Rahmen des Tages der Kinderrechte fand auch die Schweizer Kinderkonferenz statt. Einer der zentralsten Anliegen der teilnehmenden Kinder war der Wunsch nach mehr Freiraum. Freundschaften und Romanzen seien Privatsache. Das gehe auch Eltern nichts an. Kinderhandys mit Ortungsfunktion seien deshalb keine sinnvolle Lösung für die Sorgen der Eltern, liessen die Kinder in der abschliessenden Medienkonferenz wissen. 

«Kein elektronisches Gerät kann das Grundvertrauen ersetzen»

Mit der scharfen Kritik seitens Jugendlicher und Erwachsener geht der Sprecher von Tracker.com, Vladi Barrosa, gelassen um. «Kinder ab 12 Jahren haben sowieso oft schon ein eigenes Handy. Dann wollen sie bereits SMS schreiben und surfen. Ein Produkt wie Fröschli erfüllt seinen Zweck nicht mehr, deshalb ist für uns das Problem des Privatsphärenschutzes von Jugendlichen gar kein Thema.» Die Überwachung von jüngeren Kindern hingegen findet das Unternehmen scheinbar weniger problematisch. Auch wenn es Vladi Barrosa nicht Überwachung genannt wissen will: «Wir sprechen nicht gerne von Überwachung. Kein elektronisches Gerät kann das Grundvertrauen ersetzen, das zwischen Eltern und Kind besteht», beteuert Barrosa. In einem Punkt sei er ähnlicher Meinung wie die Teilnehmer der Kinderkonferenz: Ortungsgeräte seien keine abschliessende, umfassende Lösung für Elternsorgen. «Wenn Eltern überbehütend sind, dann hat das ganz andere Gründe, die auch ein Fröschli nicht beheben kann.»

Text: Sabrina Stallone im Januar 2012

 

 

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