Wenn Beziehungsschwierigkeiten zu Fütterproblemen führen

Mütterhilfe.ch

So auch im Fall Susanne S. mit ihrer Tochter Lea. Nach der Kontaktaufnahme durch die Hebamme konnte die mütterhilfe innerhalb von zwei Tagen einen Termin mit der Mutter vereinbaren. Was die Psychotherapeutin bei diesem Erstgespräch zu sehen bekam: eine 22-jährige Mutter, die mit ihrem fünf Wochen alten Baby alleine lebte und der es psychisch sehr schlecht ging. Der Grund für ihre depressive Stimmungslage: Sie wurde während der Schwangerschaft vom Vater des Kindes verlassen. So war sie nicht in der Lage, sich auf ihr Baby Lea feinfühlig einzulassen. Die junge Mutter nahm kaum Blickkontakt mit Lea auf und behandelte die Kleine wie ein Stück Holz. Lea schien traurig und liess den lieblosen Umgang mit sich mehr oder weniger geschehen. Wenn die kleine Lea Hungersignale zeigte, meinte die Mutter, das könne nicht sein, die Kleine sei nicht hungrig. Es fiel ihr sehr schwer, die Äusserungen ihrer Tochter richtig wahrzunehmen und darauf adäquat zu reagieren. Das Baby bekam zu wenig Nahrung und Zuwendung. Die Konsequenz: Gedeihstörungen beim Kind und starke Fütterprobleme.

Schaut man sich das Verhalten von Susanne S. an, waren die Schwierigkeiten nicht weiter erstaunlich: Hungeranzeichen wurden negiert und der Aufbau der emotionalen Mutter-Kind-Bindung war erschwert. Bei solch komplexen Situationen genügt eine Beratung auf der Verhaltensebene meistens nicht, denn es spielen biografische oder psychische Belastungen der Eltern mit hinein. Deshalb ist oft eine längerfristige therapeutische Begleitung nötig. Und genau hier lag die Herausforderung für den Sozialtherapeutischen Familieneinsatz der Stiftung Mütterhilfe.

In Gesprächen mit Susanne S. zeigte sich eine tiefe Verletzung, da sie während der Schwangerschaft vom Vater des Kindes verlassen wurde. Ein Verlust, den die junge Mutter nicht alleine verarbeiten konnte, und eine Problematik, die sich auf die Beziehung zu Lea auswirkte. Diese schwierige Situation und diese emotionale Blockade galt es zu bearbeiten.

Thematisieren, intervenieren und die persönlichen Blockaden bearbeiten

Zwei Schwerpunkte standen in den nächsten Wochen im Mittelpunkt: Zum einen wurden die schwierigen Erfahrungen mit dem Kindsvater verarbeitet. Zum anderen dienten gezielte Interventionstechniken dazu, die Mutter für die Bedürfnisse ihres Babys zu sensibilisieren. Vor allem die Video-Interventionstherapie war dabei sehr hilfreich. Einerseits wurden bei Susanne S. hier Verhaltensweisen ersichtlich, die bisher ausserhalb der Wahrnehmung der jungen Mutter standen. Anderseits konnten ihre mütterlichen Kompetenzen gestärkt werden.

Die gemeinsame Arbeit zeigte schon bald erste Fortschritte: Die Mutter fing an, die kleine Lea besser wahrzunehmen und das Verhältnis zwischen Susanne S. und ihrer Tochter wurde zunehmend zärtlicher. Diese sicheren Bindungserfahrungen sind für das Kind besonders wichtig, denn sie sind ein wichtiger Schutzfaktor für die weitere Entwicklung.

Ebenso stellten sich erste Erfolge bei der Ernährung ein, sodass Lea laufend an Gewicht zunahm – was wiederum die Mutter mit grossem Stolz erfüllte. Susanne S. begann langsam wieder ihren eigenen Ressourcen zu vertrauen. Nicht zuletzt aufgrund dieses neuen Selbstvertrauens war Susanne S. nach einem halben Jahr in der Lage, den Vater in die Betreuung mit einzubeziehen. So hat der kompetente und engagierte Familieneinsatz der mütterhilfe zu einem positiven Ergebnis geführt – für die Mutter, für den Vater und vor allem für die jetzt neun Monate alte Tochter Lea.

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