Was machen Eltern im Umgang mit Geld falsch?

Damit sind wir bei „Papa Bank“. Welche sind die häufigsten Fehler, die im Umgang mit Geld gemacht werden?

Geld ist das grösste Tabu in unserer Gesellschaft. Am Familientisch und auch sonst redet man nicht über Geld. Die Kinder erhalten einen falschen Eindruck von dem Beschaffungsprozess der Dinge für ihren Alltag. Es ist immer alles da, aber sie haben keine Ahnung, wie und woher diese Dinge kommen. Kinder sollten in die Zusammenhänge zwischen Geldverdienen und Ausgeben eingeweiht werden. Der grösste Fehler, den Eltern hier machen ist, dass sie Angst davor haben, Transparenz herzustellen.

Ist es wirklich eine Angst der Eltern oder nicht eher ein Zeit- und Aufmerksamkeitsmangel?

Das spielt sicher auch eine Rolle. Hingegen wollen viele Eltern wirklich nicht zugeben, dass ihre Mittel knapp sind. Es gibt Eltern, die sich verschulden, nur um die kostspieleigen Markenkleider für die Kinder zu bezahlen. Aber auch Eltern, die nicht in finanziellen Zwängen stecken, sollten den Umgang mit Geld transparenter gestalten. Das Geld soll relativiert werden und klar als Mittel zum Zweck erkannt werden können.

Wie man lernt, über eine Strasse zu gehen oder wie man mit Werkzeug umgehen lernt, muss man den Umgang mit Geld auch lernen. Das Kind sollte deshalb von klein auf mit einem kleinen Betrag den eigenverantwortlichen Umgang lernen.

Was für Regeln gelten beim Taschengeld?

Auf Taschengeld gibt es keinen Vorschuss und es gibt auch keinen Kredit. Bezüglich Höhe und Häufigkeit des Taschengelds möchte ich auf die Ratgeber und Hinweise der Budgetberatungsstellen verweisen, die sehr gute Informationen für Eltern zusammengestellt haben.

Taschengeld muss unabhängig von Verhalten und unabhängig von Leistung ein fixer Betrag sein. Denn Sozialverhalten soll nicht über Geld geübt werden.

Surftipp:
Budgetberatung Schweiz für Kinder und Jugendliche
Mit Richtlinien ins Tipps zum Taschengeld und mehr.

Ist es denn korrekt, Leistung mit Geld zu belohnen?

Es ist ein schwerer Fehler. Man fördert bei den Kindern das Denken, dass man für eine Leistung immer Geld bekommen sollte. Das geht so weit, dass Kinder nach Bezahlung fragen, wenn sie um einen Gefallen gebeten werden.

Kinder sollten lernen, dass alle ohne Bezahlung ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen. Ausnahmen können Sonderleistungen bilden. Diese könne mit einem kleinen Geschenk belohnt werden oder mit einem Beitrag auf ein Sparziel. Aber dies wohlgemerkt nur für Sonderleistungen und nicht für normale Alltagsarbeit.

Auch Schulleistungen sollten nicht bezahlt werden. In Basel wurde ein Experiment gemacht, bei dem gute Leistungen in der Schule bezahlt wurden. Das Experiment wurde abgebrochen als sich zeigte, dass sich der anfängliche Anreiz sich mit der Zeit total verlor.

Was lernt ein Kind idealerweise im Umgang mit Geld?

Zum einen die Relativität des Geldes. Wieviel beispielsweise ein Franken wert ist – nämlich so viel auch wieder nicht. Und sie lernen zu sparen. Denn wenn sie alles ausgegeben haben, ist das Geld weg. Am Anfang wird das Geld oft wild ausgegeben, und das ist auch gut so. So lernen sie den Unterschied zwischen Haben und nicht Haben.

Ein Junge wünschte sich beispielsweise bestimmte Turnschuhe. Die Eltern gaben ihm den Betrag, den sie üblicherweise für seine Schuhe aufwendeten und sagten ihm, er solle die Differenz vom eigenen Geld bezahlen. Der Junge entschied sich für die billigeren Turnschuhe, weil es ihm reute, sein Erspartes dranzugeben.

Gibt es auch Negativbeispiele?

Der Konsumismus führt heute zu Extrembeispielen wie etwa zu Jugendlichen, die mit 90'000 Franken verschuldet sind. In der Schweiz sind 300'000 Kaufsüchtige bei den Sozialämtern gemeldet, die Dunkelziffer ist riesig und das Problem wächst.

Bei einer Umfrage unter Gewerbsschülern haben wir vor einige Jahren festgestellt, dass das Bewusstsein, was das Leben kostet, gleich Null ist. Um dem vorzubeugen sollten Eltern zusammen mit ihren Kindern über das Budget sprechen. Eine Möglichkeit ist das Budgetspiel. Zusammen wird auf einem Budgetbogen zusammengetragen, was man für Essen, die Miete, die Versicherungen, das Auto braucht.

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