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Was kostet das Leben?

Ab wann kann man denn das Kind ins Budget einweihen?

Sicher von der Mittelstufe an sollte mit dem Kind zusammen aufgelistet werden, was das Leben so kostet. Das kann einmalig sein, sollte aber stattfinden. Denn nur so kann das Bewusstsein der Jugendlichen geweckt werden, dass das Leben seinen Preis hat.

Können Eltern so ihre Kinder vor Schulden bewahren?

Leider nein. Aber das Risiko ist viel kleiner, da das Bewusstsein für den Umgang mit Geld entwickelt wurde, und die Jugendlichen gelernt haben, Preise zu vergleichen.

Wie sollte der Abnabelungsprozess von Zuhause denn im Idealfall verlaufen?

Eltern sollten die Verantwortung schrittweise abgeben und da wo es möglich ist, Freiräume geben. Das bedingt, dass sich Väter und Mütter täglich oder wöchentlich fragen: „Wo bin ich verantwortlich - und wo fühle ich mich verantwortlich?“ Und wenn nötig ihr Verhalten anpassen und ändern, auch wenn es schwer fällt.

Zum Beispiel beklagte sich eine Mutter eines Zwölfjährigen, dass sie ihn jeden Morgen fünf Mal wecken müsse. Sie bekam den Rat, das System zu wechseln und den Jungen eigenverantwortlich aufstehen zu lassen. Diese Verantwortung wurde ganz bewusst übergeben, sie sagte ihm, er solle sich ab nächster Woche von seinem eigenen Wecker wecken lassen. Sie informierte den Lehrer, weil der Junge sicher zwei oder drei Mal zu spät kommen würde. Morgens ging sie zur Weckzeit mit dem Hund spazieren. Der Junge liess es natürlich drauf ankommen. Drei Mal hat er verschlafen, vom vierten Tag an klappte es. Es ist wichtig, bei solchen Veränderungen hart zu bleiben und nicht nach einem Mal schon einzulenken. Denn die Kinder sind schlau.

Das Ziel von der Erziehung ist Selbstverantwortung. Diese setzt sich zusammen aus Selbstvertrauen und Selbstdisziplin. Selbstvertrauen kann ein Kind nur aufbauen, wenn Vertrauen auch geschenkt wird. Und Verantwortung kann ein Kind nur dann übernehmen, wenn dies auch zugelassen und gefördert wird.

Herr Kneringer, herzlichen Dank für das Gespräch.


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Kurt Kneringer ist Heilpädagoge und Lehrer und seit 30 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig.

Veranstaltungen mit Kurt Kneringer zu Hotel Mama - Papa Bank, den vergessenen Humor in der Erziehung und anderen zentralen  Themen finden Eltern per Ankündigung ihrer Gemeinde.

Interview: Kathrin Fischer

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