Kinder brauchen genügend Schlaf

Wenn Kinder nicht einschlafen

Überdrehte Kinder haben Mühe mit dem Einschlafen. Bild: Purestock, Thinkstock

Was ist Ihrer Meinung nach der hilfreichste Tipp, Kinder liebevoll in den Schlaf zu befördern?

Gelassenheit! Eltern dürfen wissen: Zubettgeh-Probleme sind etwas ganz Natürliches. Sie verschwinden von selbst wieder, wenn die Zeit gekommen ist. Bis dahin gilt es, mit ihnen möglichst gut zurechtzukommen. Zur Gelassenheit trägt bei, sich nicht vom Fernsehprogramm mit seinen starren Anfangszeiten unter Druck setzen zu lassen.

Viele Eltern haben Sorge, ihr Kind könne zu wenig Schlaf bekommen und am nächsten Tag unausgeschlafen sein, wenn es später als gewünscht einschläft.

Tatsächlich haben Schlafprobleme sehr häufig mit falschen Einschätzungen zu tun, wie viel Schlaf eigentlich nötig ist. Eltern meinen fast immer, dass ihre Kinder zu wenig schlafen. Lässt man sie einmal notieren, wie viele Stunden ihr Kind tatsächlich schläft, kommt meist mehr heraus, als sie erwartet haben. Eltern vergessen oft, dass das Kind auch einen Mittagsschlaf oder im Auto noch ein Nickerchen macht. Wenn die Zubettgeh-Zeit zu früh gewählt ist, ist das Kind einfach noch nicht müde. Das ist bei kleinen Kindern allerdings selten der Fall. Eine zu frühe Bettgehzeit kommt eher bei älteren Primarschulkindern vor, deren Schlafbedarf sich irgendwann stark verringert, ohne dass die Eltern das merken.

Kommt es auch vor, dass Kinder tatsächlich zu spät ins Bett kommen?

Das ist ein häufiges Problem! Deshalb ist es wichtig, wahrzunehmen, wann das Kind abends Anzeichen von Müdigkeit wie Gähnen, Augen reiben und Quengeln zeigt - und es dann ins Bett zu bringen. Eltern, deren Kind das Ins-Bett-Gehen herauszögert, machen oft den Fehler, dass sie es noch spielen lassen. Sie denken, dass es später «richtig platt» ist und besser einschläft. Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Übermüdete und überdrehte Kinder machen viel mehr Probleme als Kinder und können oft nicht einschlafen.

Kinder haben einen individuellen Schlafbedarf. Wie lässt sich herausfinden, wie viel Schlaf das eigene Kind braucht?

Dabei hilft ein Schlafprotokoll. Man notiert an mehreren Abenden die Einschlafzeit und lässt das Kind dann schlafen, bis es von selbst aufwacht. Angenommen, das Kind schläft um 21 Uhr ein und wacht von selbst um 8 Uhr auf, so liegt sein Bedarf bei 11 Stunden. Muss das Kind aber jeden Morgen um 7 Uhr aufstehen, so zeigt sich, dass es spätestens um 20 Uhr im Bett sein sollte. Geht ein Kind dagegen abends um 19 Uhr ins Bett und wacht bereits morgens um 5 Uhr auf, dann liegt sein Schlafbedarf bei nur 10 Stunden. In diesem Fall sollten Eltern ausprobieren, das Kind später ins Bett zu bringen. Ist die Zubettgeh-Zeit dann sinnvoll gewählt, sollte darauf geachtet werden, dass sie eingehalten wird. Rechtzeitig mit dem Zubettgeh-Ritual zu beginnen ist von Vorteil, damit keine Hektik auftritt!

Zur Person:

Wenn Kinder nicht einschlafen

Sabine Friedrich, Foto: privat

Die Diplom-Psychologin Sabine Friedrich bietet in der Psychologischen Beratungsstelle Horb im Schwarzwald zwei Mal im Monat eine kostenlose telefonische Schlafsprechstunde für Eltern von Kleinkindern an. Sie ist Co-Autorin des Ratgebers «Einschlafen, Durchschlafen und Ausschlafen».

 

Weiterführende Informationen zum Einschlafen

  • Buchtipp: Einschlafen, Durchschlafen und Ausschlafen: Kindern mit Liedern, Geschichten und Ritualen helfen. Von Sabine Friedrich und Volker Friebel. Beltz Verlag.
  • Ein Schlafprotokoll zum Ausdrucken finden Eltern auf: entspannung-plus.de

Interview: Sigrid Schulze im Februar 2013

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