Auf Regelverstösse reagieren

Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm, wenn es sich an Regeln gehalten hat

Wenn ein Kind seine Pflichten erfüllt hat, sollten Eltern das zum Beispiel mit einer Umarmung anerkennen.

Jedes Kind braucht Aufmerksamkeit und Beachtung. Wenn wir immer erst auf Forderungen, schlechtes Benehmen und Ungezogenheit reagieren, geben wir den Kindern eine falsche Aufmerksamkeit. Sie kommt in gewissem Sinne zu spät. Wir reagieren nur aus der Defensive heraus und wie in einem Spiel haben wir schon halb verloren. Wir können uns aber auch offensiv verhalten: Wenn wir mit Kindern nämlich gemeinsam etwas tun oder sie in unsere Arbeit mit einbeziehen. Oder wenn wir ihnen im Alltag, also bei der Pflege, Aufgabenhilfe und bei den gemeinsamen Mahlzeiten positiv begegnen. Oder eben gerade dann, wenn sie es gar nicht erwarten, sie umarmen oder unsere Freude ausdrücken, dass sie unsere Kinder sind! Durch unsere Aufmerksamkeit fühlen sie sich gestärkt eigenen Tätigkeiten nach zu gehen und müssen nicht ständig um Beachtung kämpfen.

Trotzdem wird es zu Reibungen und Konflikten kommen, denn Kinder wissen nicht von alleine, was in unserer Gesellschaft gilt und welche Regeln oder Werte ihren Eltern wichtig sind. Wie sollen wir bei Regelverstössen reagieren, ohne Kinder zu entmutigen oder gar zu demütigen?

Das Wiederholen von Aufforderungen führt dazu, dass das Kind «muttertaub» bzw. «vatertaub» wird, das heisst, gar nicht mehr hinhört, wenn die Mutter oder der Vater etwas sagt. Kindern müssen wir in der Regel nur einmal sagen, was wichtig ist. Jedes weitere Reden lehrt sie nur, das Unrichtige fortzusetzen mit dem Wissen, dass es ihm ja doch noch mehrmals gesagt wird.

1. Klartext sprechen

Wenn wir es wirklich ernst meinen, sollten dies die Kinder erkennen können. Dafür brauchen sie von uns eindeutige Signale:

1.1. Klare Anweisungen geben:

Wir sagen dem Kind ganz genau, was es unserer Meinung nach tun soll. Dabei drücken wir uns klar, knapp und verständlich aus.

Zum Beispiel sagen wir: «Du bringst die Kleider in die Waschküche!» statt: «Wie sieht es denn in deinem Zimmer aus!» oder «Lukas, du ziehst jetzt deine Schuhe an!» statt: «Du hast ja deine Schuhe immer noch nicht angezogen!»

Aufforderungen wie «Benimm dich!» – «Sei lieb!» sind zu ungenau. Sogar «Räum das Zimmer auf!» oder «Zieh dich an!» kann zu ungenau sein: Je kleiner das Kind ist, desto klarer und überschaubarer muss die Aufforderung sein.

Wichtig ist, eine Aufforderung immer positiv statt negativ auszudrücken: «Achte auf die Stufe!» statt «Fall nicht!» oder «Psst! Sprich ganz leise!» statt «Schrei nicht so laut!». Positive Anweisungen zu befolgen, fällt Kindern einfacher, weil sie genau wissen, was von ihnen verlangt wird.

1.2. Stimme und Körpersprache kontrollieren:

Die Anweisung geben wir mit ruhiger, freundlicher, aber fester Stimme.

Denn mindestens so wichtig wie die Wortwahl ist auch der Klang unserer Stimme. Eine leise, weinerliche, bittende Stimme hat für das Kind kaum Aufforderungscharakter. Wenn wir hingegen die Kinder anschreien, werden sie vielleicht eingeschüchtert, stellen ihre Ohren auf «Durchzug» oder schreien zurück. Auf jeden Fall haben sie bemerkt: Der Erziehende hat die Kontrolle verloren.

Wir unterstreichen unsere Anweisung mit unserer Körpersprache.

Statt dem Kind aus einem anderen Zimmer etwas zu zurufen, gehen wir ganz nah zu ihm, bevor wir mit Reden beginnen. Zudem gehen wir bei kleinen Kindern in die Hocke oder auf die Knie hinunter, damit wir auf Augenhöhe sind. Wir können es je nachdem auch an der Hand halten oder seine Schulter berühren.

Zusammenfassend gesagt: Wenn wir dem Kind klare Anweisungen geben, merkt es, dass wir es ernst meinen. Dabei reden wir mit ruhiger und fester Stimme. Wir gehen ganz nah zum Kind, schauen ihm, wenn möglich, in die Augen und berühren es.

2. Wahl

Das Kind soll, wenn immer möglich, die Wahl haben: «Du darfst schreien, dann geh aber in ein anderes Zimmer. Wenn du ruhig sein willst, dann kannst du bei uns am Tisch bleiben.» Die Haltung des Erziehenden spielt dabei eine wesentliche Rolle, ob er wirklich die Wahl gibt oder versteckt droht: «Wenn du jetzt nicht ruhig bist, musst du in dein Zimmer.»

Indem wir dem Kind die Wahl geben, hat es innerhalb klarer Grenzen einen Freiraum, in dem es selber entscheiden kann: «Heute musst du lange Hosen anziehen, möchtest du lieber die blauen oder die gelben?»

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