Strafen und Gewalt sind tabu

3. Logische und natürliche Folgen

Wenn wir auf Grenzüberschreitungen reagieren oder Grenzen geben, ist es sinnvoll, natürliche beziehungsweise logische Konsequenzen oder Folgen anzuwenden. Konsequenzen, so verstanden, sollen nichts mit Bestrafung zu tun haben: Denn viele Strafen sind ihrerseits wieder Grenzverletzungen, da die körperlichen, psychischen und seelischen Grenzen des Anderen nicht respektiert werden. Auch Eltern müssen sich in der Erziehung an Grenzen halten. Alle Formen von Gewalt sind tabu.

Konsequenzen bauen im Gegensatz zu Strafen auf der Mitarbeit des Kindes und gegenseitigem Respekt auf. Das Kind soll lernen, für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen. Hört es nicht zu, so muss es die Folgen seines Verhaltens tragen. So bieten wir eine ehrliche und wirkliche Lernsituation – das Kind wird aus Schaden klug.

Natürliche Folgen ergeben sich aus der Situation, z.B. werde ich hungrig, wenn ich nichts gegessen habe. Oder wenn ich zu spät aufstehe, dann komme ich zu spät in die Schule. Logische Folgen werden durch jemanden gesteuert. Dabei handelt es sich um eine sinnvolle Konsequenz, die mit der vorangehenden Tat in einem logischen Zusammenhang steht.

Viele natürliche Folgen können wir als Erziehende natürlich nicht zulassen. Bevor ein Kind über die befahrene Strasse springt, wenden wir eine logische Konsequenz an: Wir nehmen es beispielsweise an der Hand. Wenn sich bei Regen das kleine Kind sträubt, den Regenschutz anzuziehen, muss es vielleicht drinnen weiter spielen. Oder wir gehen zu ihm hin, nehmen es auf die Knie und ziehen ihm die Jacke über. Grössere Kinder können wir die Folge des Nasswerdens spüren lassen. Da sie wie Erwachsene die unangenehme Erfahrung nass zu werden, vermeiden wollen, werden sie in Zukunft meistens von selber zu Schirm und Schutz greifen.

Vielleicht gelingt es auch nicht in jeder Situation, die entsprechende Folge zu finden oder wirken zu lassen. Denn manchmal brauchen wir Zeit zum Überlegen oder sind zuwenig erfinderisch. Jedoch schon einzelne Anwendungen können uns von dieser Art, Grenzen zu setzen, überzeugen.

Beispiel: Das Kind vergisst sein Znünibrot. Es wird sich vielleicht ärgern, aber die Mutter könnte ruhig antworten: «Tut mir leid, dass du es vergessen hast.» Dabei lässt sie die Sache bewenden, denn sie will dem Kind zeigen, dass es in seiner Macht steht, das bestehende Problem zu lösen und die Verantwortung dafür zu tragen.

Auch Kinder erkennen sehr rasch die Gerechtigkeit der logischen Folgen und akzeptieren sie gewöhnlich bereitwillig ohne schlechte Gefühle. Durch Strafen hingegen wird ein Verhalten unterdrückt, das Nebenwirkungen wie Angst, Rachegefühl oder der Verlust des Selbstvertrauens zur Folge haben kann. Die Beziehung zum Kind leidet darunter und das Kind straft vielleicht auch Schwächere. Häufig wird das gewünschte Verhalten kurzfristig auch eintreten oder so lange befolgt, wie es auch kontrolliert wird. Fällt die Kontrolle weg, kann sich wieder das alte Verhalten zeigen. Oder Kinder machen vielleicht auch im Versteckten weiter oder lügen die Erziehenden an.

4. Belohnungen bewusst einsetzen

Belohnungen können in gewissen Fällen sinnvoll sein. Aber häufig eingesetzt machen sie möglicherweise das richtige Verhalten vom «Belohner» abhängig. Fällt die Belohnung weg, kann wieder das vorherige Verhalten auftreten. Das Kind hat das Gefühl, seine Bemühungen verschwendet zu haben. Auf Bitten von andern kann dann beispielsweise ein «und, was krieg ich dafür?» folgen. Häufig fühlen sich Kinder auch beinahe «erpresst», im Sinne von: «Wenn du jetzt das machst, was ich verlange, dann erhältst du...» Belohnung gibt einem Kind nicht das Gefühl des Dazugehörens. In einer Familie helfen zum Beispiel alle im Haushalt mit. Jeder ist für sein «Ämtli» verantwortlich, nicht weil er dafür eine besondere Belohnung erhält, sondern weil er zu dieser Familie gehört, da lebt, isst, Schmutz macht usw.

5. Gespräche und Abmachungen

Nicht nur bei einem eigenwilligen Zweijährigen, sondern auch gegenüber älteren Kindern ist es wichtig, in Konflikten klar die eigene Position und Meinung zu vertreten.

Bei älteren Kindern können in einem ruhigen Moment Konfliktpunkte noch einmal angesprochen werden. Beide Seiten erzählen, was sie beim Thema bewegt und hören einander zu. Haben Eltern eine klare Haltung und bringen respektvoll ihre Ansicht oder Ängste an, können sich die Kinder daran orientieren, indem sie zustimmen oder sich klar davon abgrenzen. Die Folgen sollen sie soweit wie möglich selber tragen.

Gemeinsam können Abmachungen getroffen werden, die man je nachdem auch schriftlich festhält. Sie enthalten Angaben wie betreffende Personen, bis wann die Abmachung erfüllt sein muss oder gilt, Konsequenzen bei Nichterfüllung etc.

Text: Eva Maurer, Quelle: SVEO Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen

Mehr Informationen zum Thema Erziehung finden Sie auf den Seiten der SVEO Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen unter www.sveo.ch

 

Buch-Tipps zum Thema Grenzen setzen

  • Dreikurs Rudolf / Soltz Vicki: Kinder fordern uns heraus. Wie erziehen wir sie zeitgemäss? Klett Cotta Verlag, 2006
  • Kast-Zahn Annette: Jedes Kind kann Regeln lernen. Vom Baby bis zum Schulkind: Wie Eltern Grenzen setzen und Verhaltensregeln vermitteln können. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2002
  • Rogge Jan-Uwe: Kinder brauchen Grenzen. Rowohlt Taschenbuch Verlag; Hamburg 1993

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter