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Rituale geben Kindern Sicherheit

Kinder, die in einem sozialen Umfeld mit überschaubaren Grenzen aufwachsen, haben erwiesermassen weniger Angst. Sie entwickeln mehr Vertrauen in sich und die Umwelt. Durch die Auseinandersetzung mit den Ritualen wie einer Gutenachtgeschichte immer zur gleichen Zeit verflüchtigt sich die Angst vor der Dunkelheit und die kindliche Phantasie ist mit einer guten Geschichte beschäftigt. Steht der Zahnwechsel an, wenn die Milchzähne den folgenden Platz machen, hilft die Geschichte von der Zahnfee gegen die Schmerzen. Wenn der Milchzahn unter das Kopfkissen gelegt wird, leuchtet bei der Zahnfee der Name des Kindes auf. Das Kind erhält dann ein kleines Geschenk.

Neben den kleinen Ritualen im Alltag gibt es auch die grossen: Geburtstage, Feiertagsfeste, Bräuche. Bräuche beispielweise sind keineswegs nur Relikte von gestern, die eine moderne Familie nicht mehr braucht. Sondern sie dienten von altersher dazu, dem Menschen einen Platz im Leben zu geben. Diese Kraft haben sie heute immer noch, wenn man ihnen die Wichtigkeit in eigenen Leben einräumt.

Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass es etwa 50 Wiederholungen braucht, bis eine neuronale Vernetzung im Gehirn entsteht.

Susanne Stöcklin-Meier

„Rituale machen Kinder stark", titelt denn auch ein Buch von Ingrid Biermann. Vertraute Abläufe, so die Autorin, vermitteln Verlässlichkeit und Geborgenheit im Leben und führen zu mehr Selbstvertrauen. Für Eltern und Erzieher sind Rituale deshalb wichtige Hilfestellungen bei der Kinderbetreuung im Alltag. Denn durch diese und durch die durch Rituale vermittelte Werte und Regeln des täglichen Lebens werden Kinder verankerter, selbstbewusster und letztlich auf eine gute Art und Weise konfliktfähig - also zu einem sozialen Menschen.

Rituale, auf die man sich verlassen kann

Auch wenn eine Fernseh-Sendung über Kindererziehung nicht über alle Zweifel erhaben ist, von der „Super-Nanny" lässt sich dennoch einiges lernen.

  1. Eine Familie brauche feste Regeln, Strukturen und Rituale. Dazu gehört ein möglichst genau festegelegter Tagesablauf.
  2. Es braucht vereinbarte Sanktionen, wenn Regeln verletzt werden. Diese können Ritualcharakter haben.
  3. Kinder brauchen Rituale, auf die sie sich verlassen können. Dazu gehören auch gemeinsame Mahlzeiten, die gemeinsam begonnen und beendet werden.
  4. Es braucht die gemeinsam verbrachte Zeit, damit auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden kann.
  5. Konflikte müssen ausgetragen werden, Eltern müssen die Situation kontrollieren und dabei ruhig bleiben und den Kindern die Konsequenzen ihres Tuns aufzeigen.
  6. Oft geschieht in einer Familie mit verhaltensauffälligen Kindern eine Umkehrung in der Hierarchie, weil die Eltern zu nachgiebig sind. Wer als Familie auf gemeinsame Rituale gesetzt hat und Regelbrüche konsequent mit Sanktionen bestraft, bleibt vor solchen Problemen eher verschont.

 

Wie entstehen Rituale?

Rituale können aus dem Brauchtum übernommen werden, aus der Familientradition weitergegeben oder einfach aus Zufall entstehen. Sie sollten zu der jeweiligen Familie und der Situation passen und die Werte optimal transportieren. Zudem sollten sie sich gut in den Alltag integrieren lassen. Wenn eine immer wiederkehrende Handlung der Familie gut tut, werden sie automatisch zum Ritual. Das müssen gar nicht immer grosse Dinge sein. Experten raten dazu, zwei bis drei einfache Rituale in den Tag zu integrieren, dazu ein paar Wochen- und Jahresrituale. Abweichungen sollen erlaubt sein. Rituale sollten niemals so starr sein, dass sie nicht variiert und angepasst werden können. Das Miteinander darf schliesslich niemals leblos, lieblos und zwanghaft werden. Auch nicht durch das beste Ritual.

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