Klimawandel: Das können Kinder und Eltern für den Klimaschutz tun

Der Klimawandel bedroht unsere Zukunft. Es steht fest: Politik und Wirtschaft müssen handeln. Doch auch Familien können einiges tun, um das Klima zu schützen.

Kinder, die viel draussen spielen, entwickeln ein Verständnis und Gefühl für die Natur.

Mit Naturmaterialien basteln oder Früchte selbst pflücken gehen - Es gibt viele Möglichkeiten, wie Eltern das Interesse ihrer Kinder an der Natur fördern können. Foto: STUDIO HIGH QUEST, iStock, Thinkstock.

Es wird immer wärmer. Schon jetzt hat sich die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 1.5 Grad Celsius erhöht. Ursache dafür ist die Konzentration verschiedener Treibhausgase, vor allem des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und Kohlenmonoxid (CO), die bei der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas entstehen. Eine erhebliche Rolle beim Klimawandel spielt auch Methan. Es bildet sich, wenn sich organische Stoffe zersetzen, zum Beispiel in Rindermägen während der Verdauung.

Klimawandel: Erhebliche Folgen für die Schweiz

Angenommen, es gelänge nicht, den Ausstoss von Treibhausgasen einschneidend zu verringern, dann wäre laut Klimabericht «CH2014-Impacts» das Schweizer Gletschereis bis zum Ende des Jahrhunderts vollständig geschmolzen. Auch andere Folgen der Erwärmung sind bekannt. Der Klimawandel bedroht mit Hochwasser im Winter, Wassermangel im Sommer, Hitzewellen, Starkregenfällen, steigenden Meeresspiegeln und starken Stürmen unser Leben.

Ein Klimawandel, den niemand will

Wie schön wäre es, wenn unsere Kinder in eine intakte Umwelt hineinwachsen könnten – ohne wesentliche Klimaveränderungen, ohne Müllberge, mit sauberen Ozeanen und reiner Luft. Bei diesem frommen Wunsch soll es nicht bleiben. Politiker und Wirtschaft sind gefordert. Doch auch Familien können viel tun.

Familienrat zum Klimawandel

Eltern, die den Klimawandel nicht mehr durch eigenes Verhalten beschleunigen wollen, können einen Familienrat zum Thema Klimawandel einberufen. Dann lässt sich fragen: «Was meint ihr, was können wir konkret gegen den Klimawandel tun?» Es gibt viele Möglichkeiten, gemeinsam aktiv zu werden – oder das Klima dadurch zu entlasten, dass schädliche Gewohnheiten abgelegt werden. Jeder entscheidet selbst, was er tun oder worauf er verzichten will. Eine Woche oder einen Monat später wird die Nachbesprechung spannend: Welche Ideen liessen sich gut umsetzen? Und welche nicht?

Klimawandel: Diskussionsstoff für Familien

Viele unwichtige Dinge oder wenige wichtige Dinge?

Konsum nach westlichem Muster ist der Klimakiller Nummer eins, wie bereits 2010 das unabhängige Worldwatch Institute im Bericht «Zur Lage der Welt» erklärte. Denn bei der Produktion von Waren, Verpackungen und Maschinen werden Öl, Kohle und Gas verbrannt. Die Folge: Treibhausgase entstehen.
Doch wird alles, was gekauft wird, auch wirklich benötigt? Viele Dinge landen in der Ecke, weil der Besitzerstolz schnell abklingt. «Weniger ist mehr!» ist daher ein Satz, der oft Sinn macht. Vor allem bei Spielzeug, lohnt es sich, in pädagogisch wertvolles und umweltschonend hergestelltes Spielzeug zu investieren, statt für viel billiges Spielzeug Geld auszugeben. Hilfreich gegen den Klimawandel ist es auch, Möbel, Spielzeug oder Kleidungsstücke regional gebraucht zu kaufen.

Zu Fuss oder mit dem Auto?

Der weltweite Verkehr hat mit 14 Prozent einen grossen Anteil am Klimawandel. «In der Schweiz ist der Verkehr Klimasünder Nr. 1. – 30 Prozent der CO2-Emissionen entstehen im Strassenverkehr», informiert die Schweizer Stiftung WWF Schweiz.
Das Auto möglichst stehen zu lassen, ist also effektiver Widerstand gegen den Klimawandel. Statt mit dem Elterntaxi können Kinder zu Fuss, mit dem Rad oder dem Bus zur Schule gelangen. Bei welchen Anlässen können Eltern bewusst ihr Auto stehen lassen? Vielleicht hilft eine Faustformel: Alles unter zehn Kilometern wird mit dem Rad erledigt. Möglicherweise lässt sich das eigene Auto sogar ganz abschaffen, um stattdessen Verkehrsmittel wie Rad, Bus, Bahn und Leihauto zu kombinieren.

Urlaub in der Ferne oder um die Ecke?

Autofahren verursacht also Treibhausgase. Doch noch viel stärker sind die Treibhausgase, die Flugzeuge erzeugen. «Ein einziger Urlaubsflug kann so viel CO2 verursachen wie ein Jahr lang Auto fahren», so WWF Schweiz.
Wer den Klimawandel nicht weiter vorantreiben will, kann im Familienrat diskutieren, ob auf den Urlaubsflug nicht verzichtet werden kann. Sicher lässt sich in der Schweiz oder im benachbarten Ausland ebenso fröhlich Urlaub machen.

Fleisch aus Massentierhaltung oder Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren?

Klimaschutz kann einfach sein. Weniger Fleisch zu essen und nicht mehr Milch als für die Gesundheit notwendig zu trinken, hilft der Umwelt. Die Massentierhaltung ist ein wesentlicher Faktor des Klimawandels. Der Anbau von Tierfutter verbraucht weit mehr Flächen als benötigt würden, wenn Menschen nicht für Tiere, sondern für sich selbst Lebensmittel anbauten. Für diese grossen Tierfutter-Anbauflächen brauchen Landwirte entsprechend viel Dünger, der Treibhausgase frei setzt. Wiederkäuer wie Kühe produzieren darüber hinaus beim Verdauen selbst klimaschädliche Methangase.
Die Umweltorganisation Greenpeace Schweiz rät daher dringend, den Fleischanteil in der Ernährung zu reduzieren. «Wenn Sie sich ausgewogen und fleischreduziert ernähren oder sogar Vegetarier werden, ersparen Sie dem Weltklima rund 0.4 Tonnen CO2 im Jahr.» Wer nur noch gelegentlich Fleisch essen möchte, kann sich hochwertigeres Fleisch leisten – Biofleisch aus artgerechter Tierhaltung zum Beispiel.

Erdbeeren aus Ägypten oder Äpfel von der Selbstpflück-Anlage?

Müssen Erdbeeren im Winter auf den Tisch? Sicher, Bananen, Ananas und Mangos schmecken fein, aber gehören sie selbstverständlich auf den Obstteller? Auch die Schweiz kann mit schmackhaftem Gemüse und süssem Obst punkten. «Eine Mahlzeit von 100 Gramm Spargel aus Chile verursacht allein durch den Transport 1.7 Kilogramm CO2-Ausstoss. Aus der eigenen Region zur Spargelzeit nur 60 Gramm», informiert Greenpeace.
Wer einen Erntekalender in der Küche aufhängt, weiss immer, welches regionale Obst und Gemüse wann reif ist. Es lohnt sich allerdings, nicht nur regional, sondern auch hin und wieder «bio» zu kaufen. «Beim Bio-Anbau wird nur etwa die Hälfte an Energie benötigt», hat Greenpeace recherchiert. Ein Erlebnis für Kinder ist es, Obst auf Selbstpflück-Plantagen selbst zu ernten.

 

Kinder zu «Naturkindern» machen

Kinder, die viel draussen spielen, entwickeln am besten ein Verständnis und Gefühl für die Welt der Natur. Eltern und Kinder können auf vielerlei Art in der Natur gemeinsam Spass haben. Im Naturfreundehaus preiswert Urlaub machen, im Herbst Kastanien, Tannenzapfen, Eicheln, Ahornfrüchte oder knorrige Äste sammeln, einen Laubhaufen für Igel anlegen mit Naturmaterialien basteln, Köstlichkeiten aus Brennnesseln und Löwenzahn kochen, mal eine Nachtwanderung machen und am Lagerfeuer sitzen, vielleicht sogar ein Baumhaus bauen sind wenige Beispiele für viele Möglichkeiten. Kinder, die draussen nach Herzenslust matschen, klettern und rennen können, werden «Naturkinder», die gern die Natur schonen und fördern und sich gegen den Klimawandel engagieren. Wenn Kinder gemeinsam mit ihren Eltern eine Schmetterlings-Beobachtungs-Station bauen und ohne Müllberge organisieren wachsen sie ganz natürlich in den Umweltschutz hinein.
 


 

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