UNO missfällt körperliche Bestrafung von Kindern in der Schweiz

Die Kinderrechtskonvention der UNO, welche die Schweiz 1979 unterzeichnet hat, lässt sich nicht mehr mit dem Schweizer Gesetz vereinbaren. Die UNO empfiehlt der Schweiz, körperliche Bestrafung von Kindern in Zukunft zu ahnden und dies gesetzlich zu verankern. Bereits mit einer Ohrfeige würde man das Gesetz missachten.

Körperliche Bestrafung von Kindern soll strafbar werden.

Die UNO empfiehlt, zukünftig auf körperliche Bestrafung zu verzichten. Foto: iStock, monkeybusinessimages, Thinkstock

In der Schweiz gibt es bisher kein explizites Verbot gegen körperliche Bestrafung von Kindern. Nachdem 2004 eine Untersuchung ergab, dass rund jedes zweite Kind körperlich bestraft wird, versuchte die Alt-Nationalrätin Ruth Gaby Vermot-Mangold dem 2007 mit einer parlamentarischen Initiative Einhalt zu gebieten. Die Mehrheit sprach sich damals jedoch gegen das sogenannte Ohrfeigen-Verbot aus, wie 20-Minuten gestern berichtete.

Körperliche Bestrafung: Der UNO-Kinderrechtskonvention ein Dorn im Auge

Die UNO gibt der Schweiz nun Empfehlungen zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention. Im engeren Sinn bedeutet dies, auf körperliche Bestrafung zu verzichten, weniger Psychopharmaka an Kinder zu verabreichen, Ausgangssperren für Kinder und Jugendliche zu streichen und Babyfenster zu verbieten.

Körperliche Bestrafung: Meinungen gehen auseinander

Am 18. Oktober 2013 berichtete die NZZ von einem Gerichtsfall im Tessin: Die Mutter eines zehnjährigen Jungen kam wegen Körperverletzung vor Gericht. Sie habe ihm bei einem Streit eine Ohrfeige gegeben, zudem sei dies kein Einzelfall körperlicher Bestrafung gewesen. Der getrennt lebende Vater zeigte sie schliesslich an – vergebens. Laut Gericht sei der Schmerz beim Buben zu gering gewesen und man könne deshalb nicht von Körperverletzung reden.

Für SVP-Nationalrat Hans Fehr steht fest: «In der Schweiz werden Kinder sehr gut behandelt.» Eine Ohrfeige im Ausnahmefall könne erzieherisch mehr nützen als fünf Psychologen. Für Urs Kiener von Pro Juventute ist das Ohrfeigen-Verbot auch nicht gerade zielführend, aber er begrüsse die Empfehlungen der UNO grundsätzlich, berichtete er gegenüber dem Pendlermagazin 20-Minuten.

Die Meinungen darüber, ob die Ohrfeige als Bagatelle oder als Delikt angesehen werden kann, teilen sich. Wie die Schweiz auf die Empfehlung der UNO reagiert, wird sich zeigen.


 

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