Taschengeld: So lernen Kinder, mit Geld umzugehen

Klar, Kinder brauchen regelmässig Taschengeld, um den verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu erlernen. Doch damit allein ist es nicht getan. Wir haben sieben Tipps für Eltern zusammengestellt, die ihr Kind vor dem Konsumrausch und den Verlockungen der Werbewelt schützen wollen.

Mit Taschengeld lernen fürs Leben

Früh übt sich! Tipps wie Sie Ihrem Kind den Umgang mit Geld lehren. Foto: iStock, ipag, Thinkstock

Eigentlich wünscht sich Sven ein Skateboard, doch sparen fällt schwer. Schliesslich kommt Sven jeden Morgen auf dem Weg zur Schule an einem Kiosk vorbei. Da gibt es tolle Sammelbilder, Süssigkeiten und Zeitschriften, denen das Taschengeld oft zum Opfer fällt. Sven ärgert sich, dass er seinem Sparziel seit drei Wochen keinen Schritt näher gekommen ist!

«Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr», dieser Spruch zeigt vor allem im Umgang mit Geld immer wieder seine Weisheit. «Ein Fünftel der Jugendlichen in der Schweiz macht heute Schulden», informiert die Stiftung «Pro Juventute» in Zürich. «80 Prozent der Überschuldeten haben ihre Schulden vor dem 25. Lebensjahr gemacht.»

Mit Geld umzugehen, ist nicht leicht. Was können Eltern tun, damit Kinder lernen, gut mit Geld umzugehen? Sieben Tipps helfen.

Tipp 1: Über Geld sprechen

Warum nicht einfach übers Geld reden? «Schon die Kleinsten interessieren sich für Geld», so Kirstin Wulf, Geschäftsführerin des Beratungsbüros «bricklebrit» in Berlin, in einem Interview mit der Tageszeitung «Die Welt». «Kinder gehen mit den Eltern zum Einkaufen, sie spielen Kaufmannsladen, all das lädt doch dazu ein, sich mit Kindern zum Thema Geld auseinanderzusetzen.»

Wichtig für Kinder ist zu wissen, dass Eltern ein monatliches Budget zur Verfügung haben, das es einzuteilen gilt. Welche Posten müssen bezahlt werden? Darüber können Eltern mit Kindern ruhig sprechen. Auch Alltagsentscheidungen gilt es offen zu legen. «Ich kaufe dieses Brot, weil es uns schmeckt, weil es vollwertig ist und weil es preiswerter ist als das andere im Regal», können Eltern ihren Kindern im Supermarkt erklären. Zu Hause lässt sich diskutieren: «Was meint Ihr: Wollen wir dieses Jahr in den Vergnügungspark fahren oder sparen wir lieber für ein grosses Planschbecken im Garten?» Wulf: «Kaufentscheidungen der Eltern müssten transparent für die Kinder werden!»

Tipp 2: Taschengeld gut beziffern und so lassen

Wichtig ist, dass Kinder eine angemessene Summe Taschengeld erhalten, mit der sie theoretisch so haushalten können, dass sie sich wichtige Wünsche ersparen können. Zusätzliches Geld sollten Eltern nicht locker machen. Nur wenn es dem Kind gelingt zu sparen und sich auf diese Weise seinen Wunsch selbst zu erfüllen, wird es am Ende stolz auf seinen sinnvollen Umgang mit Geld sein.

Tipp 3: Keine Spontankäufe

Taschengeld gehört den Kindern. Damit sie eigene Kauf-Erfahrungen machen und aus ihnen lernen können, sollten sie sich in der Regel davon kaufen dürfen, was sie möchten. Doch eine Regel ist dennoch sinnvoll: Spontankäufe sind nicht erlaubt. Nur, wenn am nächsten Tag immer noch der Wunsch unter dem Nagel brennt, darf gekauft werden, wonach das Kind gestern plötzlich verlangte.

Tipp 4: Prioritätenliste der Wünsche erstellen

Hat ein Kind viele Wünsche, die es mit Hilfe seines Taschengelds nicht erfüllen kann, macht es Sinn, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen. Auf einen Zettel schreibt oder malt das Kind ganz oben, was es sich am meisten wünscht. Daneben kommt der Preis. Nun ordnet das Kind seine anderen Wünsche auf dem Zettel nach ihrer Dringlichkeit von oben nach unten. Wie lange muss es sparen, um seinen grössten Wunsch ganz oben auf dem Zettel zu verwirklichen. Ist der Wunsch ihm diesen Preis wert?

Tipp 5: Preiswerte Möglichkeiten erkunden

Mancher Wunsch lässt sich bei guter Recherche preisgünstiger erfüllen. Kinder staunen, wenn sie mit Hilfe der Eltern Preisvergleiche, zum Beispiel im Internet, anstellen. Sinnvoll ist es auch zu überlegen, ob sich das gewünschte Spielzeug gebraucht erwerben lässt. Trödelmärkte und Gebrauchtwaren-Börsen im Internet bieten ausreichend Gelegenheit zum Stöbern.

Tipp 6: Geld verdienen

Geld zu verdienen ist eine wunderbare Möglichkeit, das Taschengeld aufzubessern. Warum sollen Teenager nicht mit Babysitten oder dem Austeilen von Werbeprospekte ihr Taschengeld aufbessern? «Eltern können schon einem jüngeren Kind Jobs anbieten – zum Beispiel: Altglas entsorgen oder Laub fegen», so Dr. Hermann Liebenow, Erziehungsberater in Münsingen und Gelderziehungs-Experte. Die unentgeltliche Mithilfe bei üblichen Aufgaben im Haushalt wie Tisch decken und abräumen, Spülmaschine ausräumen und Staubsaugen soll seiner Meinung nach dagegen weiterhin selbstverständlich bleiben.

Sich selbst anzustrengen, lernen Teenager auch mit Hilfe von Grundbeträgen, die Eltern zahlen, und Zulagen, für die sie selbst verantwortlich sind. «Für die neue Jeans gebe ich dir den Grundbetrag 30 Franken, den Designer-Preis darüber hinaus musst Du halt selbst aufbringen!» Eine solche Ansage motiviert einerseits, für die eigenen Wünsche zu arbeiten, führt andererseits auch zu Selbstständigkeit.

Tipp 7: Vorbild sein

Kinder lernen von ihren Eltern. Wer selbst zu Spontankäufen neigt, weist seinem Nachwuchs nicht den Weg durch den Konsumdschungel. Um mit Geld umzugehen, brauchen Kinder Eltern, die Geld einteilen und damit auskommen können, die sich weder mit Ratenkäufen verschulden noch unsinnige Versicherungsverträge abschliessen.

Gutes Vorbild lässt sich im Rahmen eines Familienprojektes sein. Vielleicht wollen Sie sich gemeinsam etwas besonders Schönes leisten: einen renommierten Zirkus besuchen, einen Wochenendausflug planen oder einen Basketballkorb für den Garten kaufen? Sparen Sie gemeinsam – jeder nach seinen Möglichkeiten. Am Ende werden alle stolz auf das Erreichte sein.

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