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Eltern sollten Nein sagen können

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Kaufen Sie nicht alles, was sich Ihr Kind wünscht.

NEIN ist ein starkes Wort. Es markiert den Standpunkt: bis hierhin und nicht weiter. Dem Kind seine Grenzen aufzuzeigen erfordert einen langen Atmen und kostet Kraft. Wie auch Petra, 39 erfahren musste: «Tagtäglich kam meine zwölfjährige Tochter mit dem Wunsch nach einem Handy an. Ich sah keine Veranlassung ihr ein Mobiltelefon zu kaufen, da wir Zuhause ein schnurloses Telefon haben und per Flatrate in das Festnetz und alle Netze telefonieren können. So kann sie geheime Gespräche in ihrem Zimmer führen. Nach einigen Wochen war ich es leid, nach einem harten Arbeitstag rumzustreiten und habe ihr eines gekauft.»

Ein Handy, eine neue Puppe oder ein simpler Schokoriegel an der Kasse – Eltern können sich so Ruhe erkaufen. Der Nachwuchs ist kurzzeitig befriedigt, man selbst hat seine Ruhe. Sie können versuchen den pubertierenden Sohn vom Computerspiel wegzuzitieren, damit er den Tisch deckt oder diesen schnell selbst decken. Wer sich von dieser Bequemlichkeit leiten lässt und die Erziehungsarbeit aussitzt, tut dem Kind keinen grossen Gefallen.

Kinder nicht unnötig klein halten

Kinder brauchen Erfolgserlebnisse. Das dreijährige Mädchen soll sich jeden Morgen vor dem Kindergarten in die Winterstiefel quälen, wenn es partout nicht weiterkommt, darf die Mama nachhelfen. Irgendwann wird sie aber eine eigene Methode gefunden haben, wie sie sich am besten in die Stiefel quetscht. Dann ist sie unabhängig und fühlt sich gross, denn die Schuhe kann sie nun ohne die Mama anziehen. Eltern, die jede Unannehmlichkeit von ihren Kindern fernhalten, halten diese absichtlich klein. So kann sich kein Selbstbewusstsein entwickeln. Die Kinder erfahren: Ich kann nicht viel, ohne die Hilfe meiner Eltern bin ich verloren.

Tipps

  • Finden Sie einen gesunden Mittelweg. Betrachten Sie Ihre Erziehungsarbeit bildlich: Ihr Kind läuft eine Strasse entlang. Es macht seine eigenen Schritte, gibt das Tempo vor. Sie gehen einen Schritt hinter ihm. Sie stärken es durch Ihre Anwesenheit und können bei Gefahr eingreifen.
  • Es ist nie zu spät, um die Erziehung zu verändern. Sie können in jedem Alter Dinge, die ihnen nicht gefallen, ansprechen und verändern.
  • Fordern Sie von Ihren Kindern auch etwas ein. So erfahren Kinder, dass eine Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn sich jeder daran beteiligt. Wenn Sie den Sohn am Samstagmittag zum Kino fahren und ihn wieder abholen, kann dieser doch am Sonntag das Frühstück machen.

 

Das sagen Eltern

«Manchmal zweifle ich an meinen Qualitäten als Mutter und habe ein schlechtes Gewissen meiner fünfjährigen Tochter gegenüber. Es sind die Momente, in denen ich als Mutter konsequent reagiere, wenn sie nicht mit ins Schwimmbad darf, weil ich allein meine Bahnen ziehen möchte. Wenn ich ein neues Gericht aus meiner Kochzeitschrift zubereite, es ihr nicht schmeckt und ich ihr keine Alternative anbiete. Dann verlässt sie schon mal hungrig den Mittagstisch.

Insgeheim weiss ich natürlich, dass es so richtig ist. Ich möchte mir von einem kleinen Menschen nicht auf der Nase herumtanzen lassen und deshalb gibt es diese Regeln bei uns. Dennoch zweifle ich an mir. Es sind diese Momente, an denen die Kindergartenfreundin meiner Tochter zu Besuch ist. Diese mag kein Fleisch, kein Gemüse, keine Eier, fast kein Obst. Die Eltern haben ihren Speiseplan an das Kind angepasst, es gibt hauptsächlich Nudeln und Kartoffeln. Ich gehe nicht so auf mein Kind ein.

Auch weigere ich mich den ganzen Aktionismus mitzumachen. Meine Kleine geht zum Turnen. Mehr nicht. Andere in ihrem Alter gehen in den Schwimmverein, lernen schon ein Instrument, machen Karate. Diese Mütter sagen dann: «Wir möchten unser Kind bestmöglich fördern!» Diese Möglichkeiten hat mein Kind nicht. Ich gehe arbeiten und möchte in meiner Freizeit nicht nur mein Kind von einer Aktion zur nächsten fahren. Bin ich deshalb eine schlechte Mutter

Viele Frauen kennen Sabrinas Gefühle aus eigener Erfahrung. Es ist eine Art Wunschvorstellung, dem Kind eine perfekte, schöne, heile Kindheit zu bieten, bevor es alleine in die grosse, «böse» Welt hinaus zieht. Bevor es soweit ist, soll es dem Kind an nichts mangeln, es soll nur das Beste bekommen. Diese Mutterliebe ist enorm wichtig für die Entwicklung des Kindes, nur so kann sich das Urvertrauen entwickeln. Es ist aber ein Irrglaube, dass Eltern ihren Nachwuchs in Watte packen müssen und sich selbst dafür aufgeben müssen.

Buch-Tipps

  • Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit von Michael Winterhoff
  • Die Droge Verwöhnung: Beispiele, Folgen, Alternativen von Jürg Frick

 

Text: Natascha Mahle

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