Die Hälfte der Schweizer bewegt sich zu wenig

Es ist erschreckend: Nur etwa die Hälfte der Schweizer Erwachsenen bewegt sich gemäss den Resultaten der Schweizer Gesundheitsbefragung 2008 genügend. Trainiert und fit sind noch weniger. Immerhin bringen 40 Prozent ihren Körper mehr als drei Mal in der Woche bewegt zum Schwitzen. Drei Mal Schwitzen pro Woche ist nötigt, um den Körper geschmeidig zu halten und den besten Effekt auf die Gesundheit zu erzielen. Sechs Prozent der Erwachsenen erreichen noch die Mindestempfehlung: Sie bewegen sich mindestens 30 Minuten täglich aktiv mit beschleunigter Atmung.

Die andere Hälfte der Bevölkerung bewegt sich zu wenig, so das Fazit der Experten. Zum Teil massiv zu wenig. Fast zehn Prozent der in der Schweiz lebenden Erwachsenen schaffen nicht einmal eine halbe Stunde pro Woche Bewegung. Zwischen Auto, Bürostuhl und Sofa gehen diese Menschen den Weg des geringsten Widerstandes. Sie gehen gar nicht. Ohne Bewegung aber mutiert die Menschheit zu einer sitzenden Gesellschaft: Vor dem Computer, dem Fernseher, im Auto, im Tram, draussen und im Flugzeug.

Sterben die Fussgänger aus?

Und dann noch das. Fussgänger sind in unserer Gesellschaft, die sich Mobilität und Flexibilität auf die Fahne geschrieben hat, am Aussterben. Immer weniger Bewegung im Alltag wird zu Fuss zurückgelegt. 1997 gaben noch 55 Prozent an, die täglichen Wegstrecken zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit manchmal zu Fuss zu gehen. 2002 waren es noch 50 Prozent. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht. Wir entwickeln uns zu einer Gesellschaft, in der körperliche Bewegung zunehmend aus dem Alltag verschwindet. Zudem wird unsere Gesellschaft immer älter. Und die älteren Menschen bewegen sich noch weniger.

Faustregeln für die Fitness

  • Niemand muss zum Spitzensportler werden, um gesünder zu leben. Für Erwachsene reichen 30 Minuten Bewegung pro Tag zu Einheiten ab 10 Minuten.
  • Kinder und Jugendliche sollten sich mehr als eine Stunde täglich intensiv bewegen – das ist wichtig für das Knochenwachstum, die Geschicklichkeit und die Entwicklung des Gehirns.
  • Wer sich täglich bewegt, senkt nicht nur das Risiko für diverse Krankheiten, sondern bremst auch den biologischen Alterungsprozess.
  • Forscher gehen heute davon aus, dass sich mit regelmässiger Bewegung die Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre verlängern lässt.
  • Die positiven Effekte der regelmässigen Bewegung setzen ein, sobald man damit anfängt. Es spielt keine Rolle, wie alt man ist.

Wer sich bewegt, ist nicht allein

Über 22'500 Sportvereine haben in der Schweiz über 1.5 Millionen Mitglieder. Erstaunlich, dass sich dennoch die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer trotzdem zu wenig bewegen. Viele von ihnen wissen nicht einmal, dass sie betroffen sind. Denn die Selbsteinschätzung des Bewegungsniveaus stimmt oft mit der Realität nicht überein. Wer mit dem Plan losmarschiert, sich eine halbe Stunde zu bewegen, dann auf einen Bekannten trifft und zum Plaudern stehen bleibt, hat sich nach Gefühl trotzdem eine halbe Stunde bewegt. Aber eben, nur nach Gefühl.

Bei der Bewegung ist nicht der gute Vorsatz entscheidend, sondern das, was man effektiv getan hat. Die Dauer ist dabei kein verlässliches Kriterium. Dann schon eher die Intensität. Nur dann, wenn die Muskulatur ins Spiel kommt, der Kreislauf sich beschleunigt, Puls und Atem steigen, hat Bewegung auch die gewünschte positive Wirkung. Eine Wirkung, die oft mehr Gutes tun kann als jede Pille.

Text: Kathrin Fischer

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