Das läuft! Kindervelos im Test

Das erste Velo ist oft auch die erste Freiheit. Gerade deshalb sollte es solide gebaut und sicher sein. Zusammen mit Experten machen wir den Kindervelo-Test.

Kindervelos im Test: Darauf sollten Eltern beim Kauf achten

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Etwa mit zwei Jahren und sobald die Füsse auf den Boden reichen ist ein Kind bereit, auf dem Laufrad oder Trottinett die ersten Fahrversuche zu machen. Und das ist auch unbedingt zu empfehlen. Denn wer fleissig übt, trainiert alle die Fähigkeiten, die es später zum Velofahren braucht.

Wenn es das Gleichgewicht gut halten gelernt und gleichzeitig schon Beine und Hände koordinieren kann, denken Sie zurecht an das erste, richtige Kindervelo. Wenn ihr Kind dabei noch Geschwindigkeiten und Abstände gut einschätzen kann und schnell zu reagieren weiss, ist es Zeit für das wahrscheinlich schönste Geschenk: das erste Velo.

Aber worauf sollten Eltern beim Kauf achten? Wir haben mit dem Verkehrsclub Schweiz (VCS) und Daniel Bachofner vom Verband Pro Velo Schweiz gesprochen. Wer das erste Kindervelo mit einer Grösse von 14 bis zu 20 Zoll kaufen will, sollte es diesem Kindervelo-Test unterziehen.

Kindervelo-Test: Das braucht ein gutes Kindervelo

Kindervelos im Test: Stützräder sind nicht empfehlenswert.

Stützräder fallen im Kindervelo-Test durch. Bild: iStock


1 Keine Stützräder

«Stützräder sind nicht empfehlenswert». Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) rät dringend von Kindervelos mit Stützrädern ab. Denn sie trainieren weder den Gleichgewichtssinn, noch sind sie immer eine sichere Stütze. Stützräder verhindern, dass das Kind in Kurve sein Gewicht verlagert – und führen so immer wieder zu Stürzen. Deshalb sagt der Verkehrsclub: «Lieber erst aufs Velo umsteigen, wenn das Kind in der Lage ist, das Gleichgewicht ohne Stützräder zu halten.

2 Leichtgewicht

Viele Kindervelos sind leider viel zu schwer. Je schwerer das Velo, umso mehr Kraft braucht das Kind um sein Velo fortzubewegen. Etwa sieben bis acht Kilogramm gelten als leicht. Tipp: Schauen Sie sich nach soliden Alurahmen um.

3 Rücktritt-Bremse

Daniel Bachofner von Pro Velo Schweiz empfiehlt aus zwei Gründen eine gute Rücktritt-Bremse für Kindervelos: Zum einen könnten Kinder die Rücktritt-Bremse leichter bedienen, zum anderen sei sie wirkungsvoll. «Bremsgriffe am Lenker für kleine Kinderhände oft unerreichbar».

4 Gute Sitzposition

Sattel und Lenker des Kindervelos müssen sich in der Höhe einstellen lassen, damit sie sich bestmöglich der Statur des Kindes anpassen. Wichtig ist auch, dass sich der Lenker nicht zu weit vorn befindet, damit das Kind sein Körpergewicht nicht zu stark auf dem Lenker abstützen muss. Ein Test hilft die richtige Lenkerposition zu bestimmen: «Nimmt das Kind eine Hand vom Lenker, ohne seine Sitzposition verlagern zu müssen, sitzt es gut», erklärt Daniel Bachofner von Pro Velo.
 

Kindervelo-Test: Diese Modelle überzeugen

Das sind die Testsieger im Kindervelo-Test.

Im Bild: 1 Mustang Pearl 18 Girl 2 Early Rider Belter 16 3 Puky Crusader Alu 4 Puky ZL 16-1

Early Rider «Belter 16» schnitt beim Kindervelo-Test des Magazins «Velojournal» besonders gut ab. Pluspunkte bekam das Kindervelo vor allem für sein geringes Gewicht, den wartungsarmen, sauberen Zahnriemenantrieb und die coole, sportliche Optik. Minuspunkte erhielt es für die nicht sehr kindergerechte Rahmenform, für ein etwas unruhiges Verhalten bei schneller Fahrt und die nur geringe Einstellbarkeit der Lenkerhöhe.
 
Auch das Puky «ZL16» erfreut die Tester. Die gute Rahmenform, die robuste Qualität und der hohe Verstellbereich von Lenker und Sattel fielen besonders positiv ins Gewicht. Allerdings ist das Velo mit 9,3 Kilos relativ schwer.

Auf die ersten Ränge gelangten auch Mustang «Trailchecker» und Puky «Crusader Alu light» bei einem Test von K-Tipp. Schade fanden die Tester allerdings, dass bei beiden Modellen die Lackierung anfällig und der Kettenschutz scharfkantig war.

5 Reflektoren

Kleine Kinder seien weder allein im Dunkeln noch auf der Strasse unterwegs. Deshalb benötige ein Lern- und Spielvelo eigentlich noch keine Velolampen, sagt Bachofner. Wichtig sei aber, dass das Kind auf dem Velo von anderen gut wahrgenommen werden kann. Reflektoren, aber auch Signalwesten an Kleidung und Radspeichen erfüllen genau diesen Zweck.

6 Klingel

Mit einer Veloklingel oder auch einer Veloglocke kann das Kind auf sich aufmerksam machen. Lustig für Kinder sind auch Lenkerhupen, in Form von Fröschen oder Kühen, die quaken und muhen. Klassische Drucklufthupen passieren den Kindervelo-Test dagegen nicht.

7 Kettenschutz nicht nötig

Ein geschlossener Kettenkasten oder ein gutes Schutzblech bewahrt zwar Hosenbeine und Schnürsenkel davor, sich zwischen Kette und Kettenblatt zu verfangen, sei aber auch anfällig. Sie brächen bei Stürzen schnell ab und machen schwierig eine abgesprungene Kette wieder aufzuziehen, findet Bachofner: «Vermutlich ist es einfacher, ein Schnappband für die Hose und Schuhe ohne Schnürsenkel zu verwenden.»

8 Schaltung überflüssig

Kindervelos brauchen keine Gangschaltung, denn noch legt das Kind keine langen Strecken zurück. Zudem muss es sich für den Anfang auf andere Dinge konzentrieren. Auf die Pedale treten, Lenken und Bremsen sind beim ersten Velo bereits Herausforderung genug.

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Welche Verkehrsregeln gelten für Kindervelos?

Kinder im Vorschulalter rollen und radeln am sichersten im Hof, auf dem Spielplatz oder im Park. «Vom Gesetz her gelten Kindervelos als «fahrzeugähnliche Geräte - genauso wie zum Beispiel Rollschuhe, Inline-Skates, Trottinet, Skateboard und Kickboard», erklärt Daniel Bachofner, Leiter Verkehrssicherheit und Dienste von Pro Velo Schweiz in Bern. Weil Kindervelos also Spielzeuge sind, dürfen Kinder mit ihnen auf dem Bürgersteig fahren.

«Kommen die Kinder ins Schulalter, so wird das Kindervelo zum Velo und es gelten die gleichen Bestimmungen wie für alle Velos», erklärt Daniel Bachofner. Dann sind sie Strassenfahrzeuge gemäss VTS.

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