Skifahren mit Kindern: Schnee von gestern?

Wehmütig erinnern sich Eltern an ihre eigene Kindheit auf verschneiten Skipisten und zugefrorenen Seen, wenn die Medien wieder einmal die Krise im Schneesport verlauten. Weshalb immer weniger Kinder Skifahren und wie man sie trotzdem zum Schneesport motivieren kann, erfahren Sie hier.

Skifahren mit Kindern: Schnee von gestern?

Skier an und los geht's in die weisse Schneelandschaft! Foto: iStock, hopsalka, Thinkstock

Während Zürich in diesem Jahr schon Temperaturen von 15° Celsius verzeichnen konnte, war es im Skigebiet Brunni Ende Februar noch immer kalt. Der Schnee im nahegelegenen Einsiedeln schmolz langsam weg, doch hier fühlte man sich in unmittelbarer Nähe des Mythens fast ein wenig in ein idyllisches Winterwunderland versetzt – wäre da nicht die streitende Familie auf dem Parkplatz gewesen. «Ich will nie mehr Skifahren», weinten zwei kleine blonde Mädchen im Einklang. In klobigen Skischuhen stampften sie den Weg zum Auto, den frustrierten Vater im Schlepptau. Sie hätten doch so schöne Skisachen zu Weihnachten bekommen und alle anderen Kinder würden auch Skifahren, versuchte er es. Vergeblich, denn die Töchter stritten dieses Argument ab und wollten schlicht und einfach nicht. Man hätte dem Vater beim Argumentieren gerne beigestanden, doch auch den Töchtern muss man recht geben: Es fahren längst nicht mehr alle Mädchen und Jungen im Einschulungsalter Ski oder Snowboard. Im Gegensatz zu diesen Mädchen liegt die sinkende Zahl der jungen Skifahrer und Skifahrerinnen meist nicht an mangelndem Interesse, sondern am fehlenden Zugang.

Skifahren mit Kindern: Immer weniger Junge auf den Pisten

Dass der Schneesport in einer Krise steckt, würde man bei der Begeisterung um die Winterolympiade 2014 gar nicht denken – sogar zwölf neue Disziplinen wurden in diesem Jahr ausgetragen. Und trotzdem ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen auf Skipisten zwischen 2001 und 2011 laut der NZZ gesunken: Bei den 14- bis 19-Jährigen um drei Prozent, bei den 20- bis 29-Jährigen gar um acht Prozent.

Dieser Rückgang hat mehrere Gründe. Zum einen scheint die Beliebtheit der Winterferien im Schnee im Hinblick auf die steigende Anzahl an Alternativen abgenommen zu haben. Oft geniessen Familien ihre Winterferien nicht mehr in eingeschneiten Skihütten im Wallis oder in Graubünden, sondern bevorzugen die immer günstigeren Flüge ins Ausland. Sonne und Palmen am Strand sind für viele verlockender als Nässe bei Minustemperaturen. Auch die Kosten eines Skiurlaubs mögen Familien abschrecken, denn Halbtageskarten sind vielerorts nicht mehr üblich und auch nach Rabatt für Studenten und Lehrlinge sucht man in einigen Skigebieten vergebens. Der Mittagsklassiker Älplermagronen, Apfelmus und Rivella kann schnell einmal 25 Franken kosten und wer keine Ausrüstung besitzt und diese noch mieten muss, greift noch tiefer in die Tasche. Doch nicht nur Familien sind seltener auf den Skipisten zu sehen, sondern auch Schulklassen. Zu wenige Kinder haben im Elternhaus Skifahren gelernt, zu sehr scheuen sich Lehrer vor der grossen Verantwortung und Verletzungsgefahr. Im vergangenen Jahr berichtete 20 Minuten, dass nur noch zehn von 110 Stadtzürcher Schulen ins Skilager fahren, wohingegen es im Vorjahr noch 20 waren. Auch der Kanton Schwyz – eigentlich von Bergen umgeben – musste im letzten Jahr bekannt geben, dass sich die Zahl der Skilager in den letzten 15 Jahren um zwei Drittel verringert hat. Lediglich noch zehn Lager fanden in der Saison 2012/2013 statt, wie der Bote der Urschweiz berichtete.

Skifahren mit Kindern: So bringt fit4future kleine Sportler auf die Piste

Dass immer weniger Kinder Ski oder Snowboard fahren, liegt meist nicht daran, dass die Kinder nicht fahren wollen. Was fehlt, ist der Zugang zum Schneesport. «Viele Eltern können es sich nicht leisten, mit ihren Kindern Skifahren zu gehen oder sie in die Skischule zu schicken. Oder sie haben selber keinen Bezug zum Schneesport, was oft bei Migranten der Fall ist», erklärt Gary Furrer, Direktor Breitensport Swiss-Ski. An dieser Stelle setzt die Cleven-Stiftung an, welche in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit Swiss-Ski erstmals ein «fit4future» Snowcamp organisieren konnte. Während der Sportferien nahmen 64 Kinder im Primarschulalter am dreitägigen Camp teil und versuchten sich im Langlaufen, Skifahren oder Snowboarden. Dabei sein durften alle Sportinteressierten – egal ob mit viel, wenig oder gar keiner Erfahrung. Erfolge waren schnell sichtbar; schon am dritten Tag kurven die Anfänger gekonnt die Skipiste hinunter. «Baby-Lift adé», hörte man sie schreien.

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Kinderskifahren: Das macht Laune

Mit guter Laune starten die Kids ins Winterabenteuer!

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Im Vordergrund der drei Camptage im Schnee stand jedoch nicht nur das Herantasten an eine Sportart, sondern auch der Teamgeist und die positiven Erfahrungen, welche in der Gruppe gemacht wurden: «Ich habe noch nie von einem Kind gehört, das enttäuscht aus einem Skilager zurückgekommen ist», erzählt Markus Jäger, stellv. Geschäftsführer der Cleven Stiftung. «Zu den sportlichen Erfolgen kommt auch der Spass hinzu, den man abseits der Pisten hat: Die Kinder essen miteinander, machen Spiele und teilen ihre Freude über die neuen Fähigkeiten». Dass es der Cleven-Stiftung gelungen ist, die Freude auf und neben der Piste weiterzugeben, sah man schon daran, dass die Kinder nach Campende bereits nach dem nächsten Sportlager fragten.

Kinder auf die Ski mit «Snow for free»

Kinder müssen sich viel bewegen – auch im Winter! Um Bewegungsmangel vorzubeugen und damit Kinder den Bezug zur Natur und zum Wintersport nicht verlieren, hat der ehemalige Weltcupfahrer und Weltmeister Bernhard Russi 2005 «Snow for free» ins Leben gerufen. Das Projekt der Cleven Stiftung ermöglicht es Kindern zwischen neun und 13 Jahren, an jedem schulfreien Mittwochnachmittag kostenlos Wintersport zu erleben. Dazu gehört nicht nur die Skischule, sondern auch die Ausrüstung, der Transport von der Stadt ins Skigebiet und eine Zwischenverpflegung. Mehr dazu erfahren Sie hier.


 

Tipps für Eltern: So motivieren Sie Ihre Kinder fürs Skifahren und andere Wintersportarten

  • Lassen Sie Ihre Kinder verschiedene Pistensportarten ausprobieren: Vielleicht fahren sie lieber Snowboard als Ski, vielleicht entscheiden sie sich aber auch für Snowblades. In den meisten Skiregionen kann man Ausrüstung direkt mieten und für einen Tag ausprobieren.
  • Mieten Sie Ausrüstung bei den ersten paar Ausflügen auf die Skipiste, bevor sie teure Skier kaufen. Dies macht nämlich nur Sinn, wenn Ihr Kind auch Freude am Fahren hat.
  • Kaufen Sie Skiausrüstung am besten nach der Saison, denn im Frühling ist sie um einiges günstiger.
  • Gruppenerfahrungen sind beim Skifahren entscheidend. Laden Sie auch den besten Freund oder die beste Freundin Ihres Kindes ein oder schliessen Sie sich mit den Eltern zusammen. Auch Erfahrungen abseits der Piste sorgen dafür, dass der Skitag in guter Erinnerung bleibt.
  • Skifahren ist auch eine Kostenfrage. Die günstigsten Skigebiete finden Sie hier.
  • Es muss nicht immer Skifahren oder Snowboarden sein: Auch Alternativen wie Langlaufen, Schneeschuhlaufen oder Skitouren werden bei Kindern immer beliebter. Wollen Ihre Kinder etwas Aussergewöhnliches ausprobieren? Snow Tubing verspricht Adrenalinschübe.


Wintersport für Kinder: Wie geht es weiter?

Mitte der 90er Jahre begann das Snowboard den Skiern den Rang abzulaufen und löste einen regelrechten Boom aus. Dieser scheint sich mittlerweile gelegt zu haben – immer mehr Erwachsene kehren wieder zu den Skiern zurück und Kinder machen ihre ersten Erfahrungen am Skilift auf zwei Brettern. Wenn man Kinder für Pistensport motivieren will, muss man diesen auch ihren Wünschen anpassen können, schreibt NZZ-Autor Walter Hagenbüchle. Dazu müsse der Schneesport digital werden: Skigebiete könnten in Fun-Parks und Video-Pisten investieren, auf welchen junge Fahrer nicht nur ihren Fahrstil mitschneiden, sondern auch ihr Tempo messen können. Helmkameras und Apps mit Aktivitäts-Armbändern werden in Zukunft sehr wahrscheinlich noch viel häufiger zu sehen sein.

Wintersport muss aber nicht immer nur Skifahren oder Snowboarden heissen. Ein sehr augenfälligerer Trend ist laut Gary Furrer im Langlauf zu verzeichnen: Vor fünf bis zehn Jahren sah man noch kaum Jugendliche und Kinder auf den Loipen, heute werden diese überrannt. Daran schuld sei nicht zuletzt Dario Cologna: «Am Dario Cologna Fun Parcours haben im letzten Jahr 10‘000 Kinder teilgenommen, die ihrem Idol nacheifern wollen. Im Langlauf machen Kinder viel schneller Fortschritte als beim Skifahren oder Snowboarden. Ausserdem ist der Sport um einiges günstiger, wenn man die Ausrüstung bereits hat», erklärt Gary Furrer.

Swiss-Ski und die Cleven Stiftung setzen sich dafür sein, dass Kinder die Möglichkeit haben, Stars wie Bernhard Russi oder Dario Cologna nachzueifern. Und wer weiss, vielleicht werden sie ja sogar selbst einmal zu solchen Idolen.

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