Velotour mit der Familie: richtige Planung gibt allen Schub

«Wann sind wir da-a?» Wohl alle Eltern kennen diese Frage, die Kinder unterwegs oft stellen und die in der Regel eine leichte bis schwere Krise einleitet. Wer den Veloausflug gut plant, kann schlechter Stimmung von Vornherein den Garaus machen.

Velofahren macht Kindern Spass

Velofahren ist ein Spass für Gross und Klein - wenn man richtig plant. Foto: iStock, Thinkstock

Die Pedale kurbeln. Die Räder rollen. Sauerstoff strömt in die Lungen. Bäume, Wiesen und Felder fliegen langsam vorbei. In der Vorstellung der Eltern sieht die Velotour nach purem Vergnügen aus. Doch oft ist die Realität beim Familienausflug eine andere. Sei es, dass der Sohn gerade dann Durst hat oder aufs WC muss, wenn man losfahren will, oder die Tochter unterwegs unentwegt nörgelt, sie möge nicht mehr treten und habe heiss: Stänkernde Kinder können den vergnüglichen Ausflug schnell zunichte machen. Doch Velofahren kann zu einem tollen Erlebnis werden, vorausgesetzt, er wird umsichtig geplant.

Zum fröhlichen Velofahren gehört ein gutes Rad

Die meisten Kindervelos sind viel zu schwer. Mit einem Gewicht von zwölf bis 14 Kilogramm bringen sie oft mehr als die Hälfte des Gewichts des Kindes auf die Waage. Ein Kind braucht also viel Kraft, um ein Fahrrad fortzubewegen. Eltern, die planen, mit dem Kind hin und wieder ein paar Kilometer zurückzulegen, sollten ihm daher eine Schaltung mit mindestens drei Gängen gönnen. «Ein Drehgriff mit Ganganzeige ist am leichtesten zu bedienen», sagt Peter Beckmann, ADFC-Fahrradberater, Landesverband Baden-Württemberg.

Damit die Kinder auf zwei Rädern sicher unterwegs sind, ist vor allem aber auch die Bremse wichtig. So soll ein gutes Fahrrad für kleine Kinder unbedingt über eine Rücktrittbremse verfügen. Denn sie haben in ihren kleinen Kinderhänden noch nicht genügend Kraft, um bei gefährlichen Situationen eine Vollbremsung hinzulegen. Zudem sollte man – auch bei grösseren Kindern – darauf achten, dass die Kinder mit den Fingern den Bremshebel auch erreichen. Der Velohändler Velofix in Zürich empfiehlt, dass man ein Velo kauft, bei dem die Handbremsen verstellbar und nicht fix am Lenker angeschweisst sind. Auch die Rahmengrösse ist für die Wahl des richtigen Kindervelos entscheidend. Anders als bei den meisten Kleidern, die man gut eine Nummer grösser kaufen kann, sollte die Rahmenhöhe des Velos passen. Hier kann man die richtige Rahmenhöhe ausrechnen. Zudem sollte der Abstand zwischen Tretlager und Boden nicht zu hoch sein, weil die Eltern sonst den Sattel zu tief runter stellen müssen und das Kind ständig mit angewinkelten Knien fahren muss. Dadurch ermüdet es zu schnell und verliert die Lust am Velofahren. Weitere wertvolle Tipps zum Thema Kinder-Bikes liefert auch das deutsche Mountainbike-Magazin «Bike».

Velofahren mit attraktiven Zielen

Eine alte Volksweisheit besagt, dass der Weg das Ziel ist. Will heissen: Während die Eltern die Landschaft mit satt grünen Wiesen und Wäldern während der Fahrt geniessen, interessiert sich der Nachwuchs möglicherweise nicht so sehr dafür. Da hilft es, die Vorfreude mit einem attraktiven Ausflugsziel anzukurbeln, denn das beflügelt müde Kinderbeine manchmal mehr als eine Strecken- oder Zeitangabe bis zur nächsten Pause. So halten die Aussicht auf ein Glacé im Lieblingsrestaurant im Nachbarort, der Wildpark oder der See, an dem man ein Pedalo mieten wird, Kinder gut auf Kurs. Ist die Strecke lang, tun Zwischenziele gut. Erst bis zum Spielplatz – dort kann getrunken und getobt werden. Danach lassen sich am Fluss die Füsse kühlen. Ein paar Kilometer weiter erfrischt ein Picknick am Waldesrand. Hier werden auch Kessel, Schaufel und Ball ausgepackt. Danach geht’s zurück nach Hause, wo ein feines Glacé im Gefrierfach auf alle Radler wartet.

Ein besonderer Reiz kann sein, die Velotour mit einer Schatzsuche zu kombinieren. Geocaching macht es möglich. Mehr als 16‘000 Caches sind in der Schweiz versteckt, die sich mit Hilfe von Koordinaten und Beschreibungen aus dem Internet finden lassen können.

Das kommt mit auf den Veloausflug

  • Velohelm: Gleichgültig, ob Kinder im Fahrradsitz, im Velo-Anhänger oder auf dem Sattel sitzen: Beim Velofahren sollte immer ein Helm vor gefährlichen Kopfverletzungen schützen! Eine Anleitung, wie ein Helm korrekt sitzt, liefert die Schweizerische Unfallversicherung Suva auf ihrer Webseite. Tipps, worauf man beim Kauf eines Kindervelohelms achten soll, finden Sie hier.
     
  • Sonnenbrille: Mit der Sonnenbrille auf der Nase muss niemand mit den Augen blinzeln, um sich vor grellem Licht zu schützen. Deshalb bleibt der Weg gut im Blick! Darüber hinaus hält eine Sonnenbrille kleine Insekten von den Augen fern.
     
  • Sonnencreme: Weil man auf dem Veloausflug weitestgehend der Sonne ausgesetzt ist, braucht die Haut zwingend Schutz. Cremen Sie sich und Ihre Kinder rechtzeitig vor der Abfahrt gut ein. Weil man während dem Velofahren eventuell ins Schwitzen kommt, empfiehlt die Krebsliga, die freien Körperstellen in regelmässigen Abständen nachzucremen, um den Schutz aufrecht zu halten.
     
  • Reiseapotheke: Vom Rad gestürzt? Gut vorgesorgt hat, wer nun Pflaster, Desinfektionsspray und Verband aus der Tasche ziehen kann!
     
  • Getränke/Snacks: Vergessen Sie nicht, für die kleinen Pausen unterwegs ausreichend Getränke (am besten Wasser oder ungesüssten Tee) einzupacken. Für den kleinen Hunger unterwegs eignet sich Obst, Dörrobst oder auch Nüsse sehr gut als Energiespender für zwischendurch.
     
  • Regenklamotten: Wie schön das Wetter bei der Abfahrt war! Doch mittlerweile brauen sich dunkle Wolken zusammen. Mit Regenkleidern im Gepäck wird die Rückfahrt kein Problem.
     
  • Reparatur-Set: Das Kind beschwert sich über einen zu tiefen Sattel? Unterwegs geht ein Pedal verloren? Der Reifen lässt Luft ab? Zum Glück lassen sich kleine Reparaturen schnell mit Hilfe von Flicken und Werkzeug erledigen.
     
  • Gepäcktaschen: «Ihre sieben Sachen verstauen Sie am besten in wasserdichten Velotaschen», rät Pro-Velo Schweiz. «Befestigen Sie Ihr Gepäck gut und achten Sie darauf, dass nichts in die Speichen geraten kann.»
     
  • Last but not least Sicherheitscheck am Velo: Überprüfen Sie die eigenen und die Kinderfahrräder vor der Abfahrt immer, ob alles noch funktioniert. Ziehen die Bremsen noch richtig? Haben die Pneus genügend Luft drin? Sind alle Sicherheitsreflektoren noch intakt? Haben die Velos Vorder- und Rücklicht? Denn nur schon ein kurzer Streckenabschnitt kann lebensgefährlich werden, wenn das Licht am Velo fehlt.
Sicherheits-Check am Velo: Diese Ausrüstung muss ein Velo haben

Sicherheits-Check am Velo: So prüfen Sie, ob Ihr Rad noch voll funktionstüchtig ist und den gesetzlichen Anforderungen entspricht. (Bild: zVg/Pro Velo Schweiz)

Zum Velofahren ausreichend Zeit einplanen

20 Kilometer haben Erwachsene leicht in einer Stunde zurückgelegt. Nicht aber Kinder. Sie fahren insgesamt langsamer. Darüber hinaus wollen sie zwischendurch Pausen einlegen und ihr Velo bei leichten Steigungen lieber schieben als ankurbeln. Wer nicht in Zeitdruck geraten möchte, sollte daher von vornherein genügend Puffer einplanen.

Weniger ist mehr! Das gilt vor allem bei Familienausflügen mit dem Velo. Machen Kinder schlapp, sinkt zwangsläufig die Stimmung. Sinnvoll ist es deshalb, gut zu überlegen, welche Strecke auch das schwächste Familienmitglied gut bewältigen kann. Faustregeln je nach Alter gibt es nicht. Manche Kinder entwickeln sich früh zu Ausdauersportlern – sie legen schon mit dem Dreirad bemerkenswerte Strecken zurück. Andere sind verspielter. Sie langweilen sich schnell beim Velofahren und empfinden das Treten in die Pedale als anstrengend. Solche Kinder fahren gut auf Anhänger-Velos mit, auch «Trailer-Bikes» genannt. Sie lassen sich am Eltern-Velo montieren. Tipps und rechtliche Aspekte zum Kindertransport im Veloanhänger oder auf sogenannten FollowMe-Bikes finden sich in der Broschüre der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu).

Praktisch ist es, im Tal in der Nähe einer Zugverbindung zu bleiben. Gefahren wird, so lange alle Spass haben. Macht einer schlapp, ist es bis zum nächsten Bahnhof nicht weit. Schon kann die Fahrt zurückgehen. Informationen zur Velo-Mitnahme im Öffentlichen Verkehr finden sich hier: www.pro-velo.ch

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