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Berliner Modell: Eine schrittweise Eingewöhnung in die Kita

Die meisten Krippen arbeiten mit dem Berliner Modell, um dem Kind eine sanfte Eingewöhnung in die Betreuung zu ermöglichen. Wie der Eingewöhnungsprozess heute in der Schweiz abläuft und was Eltern für einen gelungenen Kitastart tun können. Das Berliner Modell begleitet Kinder Schritt für Schritt in den Kita-Alltag. Die Eingewöhnung dauert meist ein bis drei Wochen, kann aber je nach Kind kürzer oder länger sein. In den ersten Tagen bleibt ein Elternteil mit dem Kind in der Kita. Erst wenn das Kind etwas Vertrauen zur neuen Umgebung und zur Betreuungsperson gefasst hat, folgt die erste kurze Trennung.

InhaltsverzeichnisUrsprungGrundsätzeEingewöhnungszeitSchritteRolle der ElternVor- und NachteileZürcher Modell

Wichtig für Eltern:

  • Das Kind bestimmt mit seinem Verhalten das Tempo.
  • Eine feste Bezugsperson in der Kita begleitet die Eingewöhnung.
  • Tränen beim Abschied sind nicht automatisch ein schlechtes Zeichen.
  • Entscheidend ist, ob sich das Kind von der Betreuungspperson beruhigen lässt.
  • Eltern sollten sich immer bewusst verabschieden und nicht heimlich gehen.
  • Für die Eingewöhnung sollte genügend Zeit eingeplant werden.

 

Kinder spielen in der Kita
Während der Krippen-Eingewöhnung muss sich das Kind ganz neu orientieren. Bild: Fatcamera - E+

Euer Kind kommt bald in die Krippe. Und ihr fragt euch: «Wird sich unser Kind von uns trennen können?» «Wird es sich in der Krippe wohl fühlen?» «Werden wir auch loslassen können?» Mit diesen Fragen dürft und solltet ihr euch sogar unbedingt vor dem ersten Tag an die Erzieherinnen wenden. Denn eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit die Kita-Eingewöhnung gut gelingt. 

Vielleicht fragt ihr euch auch: Was ist, wenn mein Kind weint? Wie lange darf eine Eingewöhnung dauern? Woran merke ich, dass mein Kind wirklich angekommen ist? Und was kann ich tun, wenn mir selbst der Abschied schwerfällt?

Solche Fragen sind ganz normal. Eine gute Eingewöhnung bedeutet nicht, dass alles reibungslos läuft. Sie bedeutet, dass Kind, Eltern und Kita genügend Zeit bekommen, Vertrauen aufzubauen.

Die meisten Schweizer Kinderkrippen gestalten den Übergang von der häuslichen in die Fremd-Betreuung nach dem sogenannten «Berliner Modell», einem der ältesten, aber auch erprobtesten Eingewöhnungsmodelle.

So entstand das Berliner Modell

Das «Berliner Eingewöhnungsmodell» ist ein Leitfaden zur sanften Schritt-für-Schritt-Eingewöhnung in die Kita. Entwickelt wurde es in den 1980er Jahren am Berliner INFANS Institut für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V.  von Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervari-Heller. Die Pädagogen hatten im Rahmen eines Forschungsprojekts herausgefunden, dass Kinder, die sich ohne Elternbegleitung eingewöhnen mussten, in den ersten Monaten sieben Mal länger krank waren, mehr Ängste hatten und weniger von Möglichkeiten der Kita profitierten. Sie konnten so die Vorteile einer begleiteten Eingewöhnungsphase belegen.

Die zwei Grundsätze des Berliner Eingewöhnungsmodells

Die sanfte Eingewöhnung ruht auf zwei Säulen: Bezugspersonen und Behutsamkeit. 
Das Kind wird zur Eingewöhnung immer von einer seiner wichtigsten Bezugspersonen begleitet, in der Regel also Mutter oder Vater. Im Beisein der vertrauten Personen fällt es ihm leichter, sich in der Kita einzuleben und tragfähige Beziehungen zu den Erziehern und den anderen Kindern aufzubauen.
Zudem findet die Eingewöhnung langsam statt. Das Kind wird nicht überfordert oder unter Druck gesetzt. Dadurch fühlt es sich auch langfristig wohler in der Gruppe und kann sich besser entwickeln und besser lernen. 

Wie lange die Eingewöhnung dauert, hängt vom Kind ab

Das Berliner Eingewöhnungsmodell sieht in der Regel ein bis ca. drei Wochen für die Eingewöhnung eines Kindes vor. Das Tempo bestimmt am Ende aber das Kind: «Die Eingewöhnungszeit sollte individuell angepasst sein, aber niemals drei Tage unterschreiten. (...) Je nach Temperament, bisherigen Bindungserfahrungen und individuellem kindlichem Verhalten dauert eine Eingewöhnung unterschiedlich lang», schreiben die Pädagoginnen Katja Braukhane und Janina Knobeloch in der Fachbroschüre für Erzieherinnen. 

So bereitet ihr euch auf die Kita-Eingewöhnung vor

Die Eingewöhnung beginnt nicht erst am ersten Kita-Tag. Schon vorher können Eltern viel dafür tun, dass ihr Kind sich sicherer fühlt. Dabei geht es nicht darum, das Kind «kita-fit» zu machen. Viel wichtiger ist, dass Eltern selbst gut vorbereitet sind und dem Kind Ruhe vermitteln können.

Zwei bis drei Wochen vor dem Kita-Start

Nehmt euch bewusst Zeit, um den neuen Alltag zu planen. Klärt mit der Kita, wie viele Tage für die Eingewöhnung vorgesehen sind und wer das Kind begleitet. Idealerweise übernimmt immer dieselbe Person die Eingewöhnung, zum Beispiel Mama oder Papa. Ein häufiger Wechsel kann das Kind zusätzlich verunsichern.

Hilfreich ist auch, den bisherigen Tagesablauf aufzuschreiben: Wann schläft das Kind? Was isst es gern? Wie lässt es sich beruhigen? Welche Rituale kennt es beim Wickeln, Einschlafen oder Trösten? Diese Informationen helfen der Betreuungsperson, schneller einen Zugang zum Kind zu finden.

Eine Woche vor dem Kita-Start

Jetzt kann die Kita im Alltag langsam Thema werden. Erzählt eurem Kind in einfachen Worten, was passieren wird: «Bald gehst du in die Kita. Dort gibt es andere Kinder, Spielsachen und eine Person, die gut auf dich aufpasst.» Kleine Kinder brauchen keine langen Erklärungen. Wiederholung und ein ruhiger Ton sind wichtiger.

Auch ein Übergangsobjekt kann helfen: ein Nuschi, ein Kuscheltier, ein Tuch oder ein kleiner Gegenstand von zu Hause. Es gibt dem Kind in der neuen Umgebung etwas Vertrautes.

Am Abend vor dem ersten Kita-Tag

Packt die Tasche gemeinsam oder sichtbar für das Kind. So wird der neue Schritt greifbarer. Wichtig sind bequeme Kleider, Ersatzkleidung, Hausschuhe, Windeln falls nötig, Nuggi oder Kuscheltier und alles, was die Kita zusätzlich verlangt.

Plant den Morgen möglichst ruhig. Ein hektischer Start überträgt sich schnell auf das Kind.

Ablauf des Berliner Modells: Die Schritte der Eingewöhnung

Schritt 1: Information der Eltern

Der erste Teil der Eingewöhnung richtet sich an die Eltern. Sie werden vom Fachpersonal der Kita über den Ablauf der Eingewöhnung informiert – in einem Gespräch, aber auch schriftlich. Aber auch die Erzieher benötigen Informationen. Zum Beispiel: Womit spielt das Kind oft, was isst es gern, was mag es nicht? Welche Worte und Gesten benutzt es, um sich verständlich zu machen?

Diese Fragen könnt ihr der Kita stellen

Ein gutes Eintrittsgespräch gibt Eltern Sicherheit. Es hilft auch der Kita, euer Kind besser kennenzulernen. Je klarer der Ablauf ist, desto leichter fällt es, dem Kind Sicherheit zu vermitteln.

Fragen zum Ablauf

  • Wie läuft die Eingewöhnung bei euch konkret ab?
  • Arbeitet ihr nach dem Berliner Modell oder nach einem angepassten Modell?
  • Wie viele Tage sollten wir mindestens einplanen?
  • Wann findet normalerweise die erste Trennung statt?
  • Wer entscheidet, ob der nächste Schritt möglich ist?
  • Was passiert, wenn mein Kind stark weint?
  • Wie lange wartet ihr, bevor ihr mich zurückholt?

Fragen zur Bezugsperson

  • Wer begleitet mein Kind während der Eingewöhnung?
  • Gibt es eine zweite Bezugsperson als Vertretung?
  • Wie baut die Betreuungsperson Kontakt zu meinem Kind auf?
  • Wie erfahre ich, wie sich mein Kind nach meinem Weggehen beruhigt hat?

Fragen zum Alltag

  • Darf mein Kind ein Kuscheltier, Nuschi oder Nuggi mitbringen?
  • Wie läuft das Essen während der Eingewöhnung?
  • Was passiert, wenn mein Kind nicht schlafen kann?
  • Wie werden Wickeln oder Toilettengänge begleitet?
  • Gibt es feste Rituale beim Ankommen und Verabschieden?

Schritt 2: Grundphase

In den ersten drei Tagen der Eingewöhnung besucht das Kind die Kita nur mit einem Elternteil zusammen und nur für kurze Zeit. In der Regel startet man mit ein bis zwei Stunden. Die Erzieher laden das Kind bereits ein, an Aktivitäten teilzunehmen und versuchen vorsichtig, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Die Eltern verhalten sich eher passiv, abwartend und schauen zu, übernehmen aber noch das Wickeln und Füttern. Fachleute nennen diese Phase «Grundphase».

Checkliste: Vor dem ersten Kita-Tag

Organisatorisches

  • Eingewöhnungsplan mit der Kita besprechen
  • genügend Zeit im Kalender blockieren
  • Arbeitgeber über die Eingewöhnungsphase informieren
  • Abhol- und Bringzeiten klären
  • Notfallkontakte hinterlegen
  • Ferien, Umzug oder grössere Veränderungen möglichst vermeiden

Informationen für die Kita

  • Schlafgewohnheiten des Kindes
  • Essensvorlieben und Allergien
  • Wickel- oder Toilettenroutine
  • Beruhigungsstrategien
  • Lieblingsspielzeug oder Übergangsobjekt
  • Besonderheiten bei Sprache, Gesundheit oder Entwicklung

Für die Kita-Tasche

  • Ersatzkleider
  • Hausschuhe oder Antirutschsocken
  • wettergerechte Kleidung
  • Windeln und Feuchttücher, falls nötig
  • Nuggi, Nuschi oder Kuscheltier
  • Trinkflasche, falls von der Kita gewünscht
  • beschriftete persönliche Gegenstände

Schritt 3: Erster Trennungsversuch

Das Berliner Modell sieht erst für den vierten oder fünften Tag einen ersten Trennungsversuch vor. Dieser ist wichtig, um einzuschätzen, wie viel Zeit für die weitere Eingewöhnung eingeplant werden muss. Dabei verabschiedet sich die Mutter oder der Vater im Raum vom Kind. Die Reaktion eures Kindes entscheidet über den weiteren Verlauf der Eingewöhnung.
Spielt es weiter? Weint es gar nicht oder nur kurz? Das spricht für eine weitere Eingewöhnungszeit von ca. einer Woche. Lässt sich das Kind aber nicht von den Erziehern beruhigen, kehrt die Mutter oder der Vater schnell wieder in den Raum zurück. Nun ist davon auszugehen, dass die Eingewöhnung zwei bis drei Wochen dauern wird.

Was Eltern beim Abschied sagen können

Vielen Eltern fällt der erste Abschied schwer. Das ist völlig normal. Wichtig ist aber, dass Eltern klar, ruhig und ehrlich bleiben. Ein kurzer, liebevoller Abschied hilft mehr als langes Zögern.

Gute Abschiedssätze

  • «Ich gehe jetzt. Nach dem Znüni hole ich dich wieder ab.»
  • «Du bleibst jetzt bei Anna. Sie passt gut auf dich auf.»
  • «Ich sehe, dass du traurig bist. Das ist okay. Ich komme wieder.»
  • «Ich verabschiede mich jetzt mit einem Kuss und dann gehe ich.»
  • «Du darfst weinen. Anna ist bei dir und tröstet dich.»
  • «Ich freue mich, dich nachher wiederzusehen.»

Wichtig ist, dass die Aussage stimmt. Wer sagt «Ich bin gleich wieder da», aber mehrere Stunden wegbleibt, verunsichert das Kind. Besser ist eine Orientierung am Tagesablauf: «nach dem Mittagessen», «nach dem Schlafen» oder «nach dem Zvieri».

Das sollten Eltern vermeiden

  • heimlich aus dem Raum gehen
  • mehrfach zurückkommen
  • lange am Fenster winken, obwohl das Kind schon weint
  • das Kind mit Süssigkeiten oder Geschenken ablenken
  • sagen: «Du musst nicht traurig sein»
  • sagen: «Grosse Kinder weinen nicht»
  • selbst sichtbar in Tränen ausbrechen

Schritt 4: Stabilisierungsphase

In der nächsten Phase, der sogenannten Stabilisierungsphase, steht der Aufbau einer guten Beziehung zwischen Erziehern und Kind im Vordergrund. Die Erzieher übernehmen mehr und mehr die Pflege und binden das Kind ins Spiel mit ein, während sich Mutter oder Vater langsam zurückziehen. Bei Kindern, die leicht mit der Situation umgehen, werden die Trennungen von Mutter oder Vater – ausgehend von einer halben Stunde – weiter verlängert. Sie können bereits am fünften Tag in der Kita schlafen. Bei den anderen Kindern gibt es erst in der zweiten Woche einen neuen Trennungsversuch.

Schritt 5: Schlussphase

In dieser Phase ist das Kind bereits ohne Mutter oder Vater einige Stunden in der Kita, wo es immer besser die Abläufe und Regeln kennenlernt. Ein Elternteil muss aber immer erreichbar sein. Noch muss das Kind seinen festen Platz in der Gruppe finden – die Erzieher helfen dabei.

Schritt 6: Eingewöhnt!

Die Eingewöhnung ist jetzt abgeschlossen. Das Kind kommt nun gern in die Kita und lässt sich – falls notwendig – zuverlässig von den Erziehern trösten. 

Daran erkennt ihr, dass euer Kind angekommen ist

Eine Eingewöhnung ist nicht erst dann gelungen, wenn das Kind beim Abschied nie mehr weint. Manche Kinder weinen kurz, obwohl sie sich in der Kita grundsätzlich wohlfühlen. Entscheidend ist, wie sich das Kind nach dem Abschied verhält und ob es in der Kita Sicherheit findet.

Gute Zeichen sind:

  • Das Kind lässt sich von der Bezugsperson trösten.
  • Es nimmt Blickkontakt oder Körperkontakt zur Betreuungsperson auf.
  • Es beginnt zu spielen oder die Umgebung zu erkunden.
  • Es isst oder trinkt in der Kita.
  • Es kann in der Kita zur Ruhe kommen oder schlafen.
  • Es kennt erste Rituale und Abläufe.
  • Es reagiert auf andere Kinder.
  • Es wirkt beim Abholen nicht dauerhaft erschöpft oder überfordert.
  • Auch die Eltern haben Vertrauen zur Kita aufgebaut.

Ist das Verhalten meines Kindes normal?

Verhalten des Kindes Einordnung Was Eltern tun können
Das Kind weint beim Abschied, lässt sich aber nach kurzer Zeit trösten häufig normal Abschied kurz halten, Vertrauen in die Betreuungsperson zeigen
Das Kind klammert sich morgens stark an Mama oder Papa besonders am Anfang normal ruhig bleiben, Abschiedsritual wiederholen
Das Kind schläft schlechter als sonst kann durch neue Eindrücke passieren Abende ruhiger gestalten, früher ins Bett bringen
Das Kind ist nach der Kita sehr müde häufig normal nach der Kita keine zusätzlichen Termine planen
Das Kind isst in der Kita kaum kann vorkommen der Kita bekannte Lieblingsspeisen und Rituale mitteilen
Das Kind weint auch nach längerer Zeit untröstlich mögliches Warnsignal mit der Kita das Tempo der Eingewöhnung anpassen
Das Kind macht Rückschritte, etwa beim Schlafen oder Trockenwerden kann vorkommen nicht schimpfen, Sicherheit und Routine geben
Das Kind wirkt beim Abholen abweisend kommt vor nicht persönlich nehmen, Nähe anbieten ohne Druck
Das Kind lässt sich von der Bezugsperson trösten gutes Zeichen Eingewöhnung kann weiter ausgebaut werden

Das können Eltern tun, um ihrem Kind die Eingewöhnung zu erleichtern

Die meisten Eltern wünschen sich, dass sich ihr Kind schnell in die Kita einlebt, weil sie es als besonders selbstständig und selbstsicher erleben wollen. Gut zu wissen ist in dieser Situation, dass gerade Kinder, die mehr Zeit für die Eingewöhnung benötigten, sich oft besonders sicher in der Beziehung zu den Eltern fühlen. Sie sind – so die Fachsprache - «sicher gebunden». Das bedeutet, dass sie offen ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Diese Sicherheit wirkt sich positiv auf ihr weiteres Leben aus. Wichtig ist deshalb, dass Eltern ausreichend Zeit für die Eingewöhnung einplanen und der Alltag möglichst stabil für das Kind verläuft. Erst wenn ihr ihnen vertrauen, könnt ihr dem Kind die Trennung zumuten.


Darüber hinaus helfen Eltern bei der Kita-Eingewöhnung am meisten, wenn sie einen klaren Standpunkt, Optimismus und Zuversicht ausstrahlen. Wenn ihr zweifelt und euch fürchtet, wird es euer Kind auch tun. Wenn ihr eure Zweifel nicht zerstreuen könnt, solltet ihr unbedingt mit den Erziehern sprechen. Erst wenn ihr ihnen vertrauen, könnt ihr dem Kind die Trennung zumuten.

Auch Eltern dürfen traurig sein

Die Kita-Eingewöhnung ist nicht nur für Kinder ein grosser Schritt. Auch Eltern müssen loslassen. Viele fragen sich: Wird mein Kind mich vermissen? Wird es gut getröstet? Habe ich zu früh mit der Betreuung begonnen? Solche Gedanken sind normal.

Wichtig ist, dass Eltern ihre eigenen Gefühle ernst nehmen, sie aber nicht ungefiltert auf das Kind übertragen. Ein Kind braucht nicht perfekte Eltern, sondern Erwachsene, die ihm zutrauen: «Du schaffst das, und ich komme wieder.»

Das kann Eltern helfen:

  • mit der Kita über Sorgen sprechen
  • nach der ersten Trennung erreichbar bleiben
  • eine kurze Rückmeldung vereinbaren
  • sich nach dem Abschied bewusst ablenken
  • nicht vor der Kita warten, wenn es die eigene Unsicherheit verstärkt
  • sich mit anderen Eltern austauschen
  • sich daran erinnern: Bindung geht durch Kita nicht verloren

 

Wenn die Eingewöhnung nicht rund läuft

Nicht jede Eingewöhnung verläuft nach Plan. Manche Kinder starten neugierig und reagieren erst nach einigen Tagen mit Tränen. Andere weinen am Anfang stark und finden später gut in den Kita-Alltag. Auch Krankheit, Ferien, ein Wochenende oder eine längere Pause können dazu führen, dass die Eingewöhnung wieder schwieriger wird.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Kita nicht passt oder dass Eltern etwas falsch gemacht haben. Kinder verarbeiten Veränderungen unterschiedlich. Wichtig ist, die Signale ernst zu nehmen und das Tempo gemeinsam mit der Kita anzupassen.

Mögliche Gründe für Schwierigkeiten:

  • Das Kind ist müde oder überreizt.
  • Die Trennung wurde zu schnell verlängert.
  • Es gab zu viele wechselnde Bezugspersonen.
  • Das Kind war krank oder hatte eine längere Pause.
  • Zu Hause gibt es gerade zusätzliche Veränderungen.
  • Die Eltern selbst sind sehr angespannt.
  • Das Kind braucht mehr Zeit, um Vertrauen aufzubauen.

Was helfen kann:

  • Trennungszeiten wieder verkürzen
  • einige Tage auf demselben Schritt bleiben
  • Abschiedsritual klarer gestalten
  • Bezugsperson in der Kita stärker einbeziehen
  • Lieblingsgegenstand mitgeben
  • Abholzeit vorübergehend früher ansetzen
  • nach der Kita mehr Ruhe einplanen
  • regelmässige kurze Gespräche mit der Kita führen

Die Vorteile und die Nachteile des Berliner Modells

Der Berliner Eingewöhnungsprozess sorgt für Übersicht. Wenn Eltern wissen, in welchen Schritten die Eingewöhnung voran geht, fühlen sie sich sicherer – eine Sicherheit, die sie dem Kind weiter geben können. Da das Berliner Modell zu den ältesten Eingewöhnungsmodellen gehört, gilt es als gut erprobtes und verlässliches Konzept.

Aber es gibt auch Kritik. Das Berliner Modell richtet sich vor allem an Kinder, die drei und mehr Tage in der Woche in die Krippe gehen. «Wenn eine Kita vorwiegend Kinder betreut, die zwei Tage pro Woche die Kita besuchen, müssen bedeutend mehr Eingewöhnungen gemacht werden. Dadurch dauert die Eingewöhnungszeit bedeutend länger …», gibt die Stadt Zürich zu bedenken.

Zürich hat ein eigenes Modell für die Krippeneingewöhnung

Das bewährte Berliner Modell geht auf die Teilzeitthematik kaum ein. Deshalb wurde das «Stadtzürcher Eingewöhnungsmodell» entwickelt.
Dieses besteht aus einzelnen Modulen, die Kitas je nach Bedarf zusammenstellen können. Während einige Module immer vorkommen müssen, lassen sich andere optional anwenden. Zum Beispiel ist in der Vorbereitung auf den Kitastart des Kindes immer ein Eintrittsgespräch vorgesehen. 

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