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Besondere Lebenslagen in Kita und Kindergarten: So gelingt die Zusammenarbeit 

Dein Kind startet in die Kita oder in den Kindergarten – und eure Situation ist nicht «ganz 08/15»? Vielleicht lebt dein Kind mit einer Behinderung, einer chronischen Krankheit, hat Fluchterfahrung oder erlebt gerade Trennung und Trauer. Dieser Artikel zeigt dir, wie du mit Kita und Kindergarten gut zusammenarbeiten kannst: mit konkreten Gesprächsleitfäden, Checklisten im Text und Hinweisen auf Schweizer Anlaufstellen – für mehr Sicherheit, Teilhabe und Entlastung, ohne dass du alles allein tragen musst.

Ein behindertes Kind ist an einem Klettergestell
Ein behindertes Kind braucht oft etwas mehr Aufmerksamkeit © Drs Producoes / Getty Images

Was mit «besonderen Lebenslagen» gemeint ist – und warum Kitas und Kindergarten so wichtig sind

«Besondere Lebenslage» meint Situationen, in denen Kinder im Alltag mehr Unterstützung, Schutz oder Anpassung brauchen als andere Kinder in ihrem Alter. Es geht nicht nur um klare Diagnosen, sondern um alles, was den Alltag deines Kindes stark prägt.

Häufige Beispiele sind:

Entwicklung, Gesundheit und Neurodiversität: Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung, mit Entwicklungsverzögerung, Autismus-Spektrum-Störung (ASS), ADHS oder anderen Besonderheiten der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Forschung zeigt, dass frühe, gut abgestimmte Förderung in Kita und Kindergarten die Entwicklung dieser Kinder langfristig positiv beeinflussen kann, gerade wenn strukturiert, vorhersehbar und wertschätzend gearbeitet wird.

Chronische Krankheiten: Kinder mit Allergien (z.B. Erdnussallergie), Asthma, Diabetes oder Epilepsie. Sie brauchen Sicherheitsmassnahmen, Notfallpläne und oft auch Anpassungen im Tagesablauf, zum Beispiel bei Essen, Bewegung oder Medikamentengabe. Pädiatrische Fachgesellschaften betonen, wie wichtig klare Absprachen zwischen Eltern, Betreuungspersonen und Ärzt:innen sind, damit Kinder möglichst normal am Alltag teilhaben können.

Psychosoziale Belastungen: Fluchterfahrung, Krieg oder Gewalt, ein Todesfall in der Familie, eine Trennung mit starken Konflikten, psychische Erkrankung oder Sucht in der Familie, Pflegekind- oder Heimbiografie. Solche Erfahrungen können das Verhalten, den Schlaf, die Aufmerksamkeit und die Emotionen eines Kindes stark beeinflussen. Fachleute aus Psychologie und Kinderschutz betonen, dass stabile Beziehungen ausserhalb der Herkunftsfamilie – also auch in Kita und Kindergarten – Kinder deutlich schützen und stärken können.

Identität und Diversität: Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache, kulturelle und religiöse Vielfalt, trans oder genderdiverse Kinder. Hier geht es um Anerkennung, Schutz vor Diskriminierung und darum, dass dein Kind sich gesehen und zugehörig erlebt.

Wichtig ist die Abgrenzung zwischen Diagnose und Beobachtung:

Manchmal liegt eine medizinische oder psychologische Diagnose vor. Manchmal ist einfach auffällig, dass dein Kind «irgendwie anders» reagiert: schneller überreizt, besonders sensibel, motorisch etwas langsamer oder in der Sprache verzögert. Für die Kita oder den Kindergarten zählt in erster Linie:

  • Was braucht dein Kind, damit es sich sicher fühlt?
  • Was braucht es, damit es mitmachen kann?
  • Was braucht es, damit Gesundheitsrisiken minimiert werden?

Es geht nicht darum, dein Kind zu stigmatisieren oder auf eine Diagnose zu reduzieren. Sondern darum, die Umgebung so zu gestalten, dass dein Kind seine Stärken zeigen kann – ein Ansatz, der auch in der modernen Entwicklungspsychologie und Inklusionsforschung betont wird.

Der Start: Welche Informationen sind hilfreich – und wie schützt du die Privatsphäre?

Was die Kita oder Lehrperson wissen muss

Du musst nicht «alles» erzählen. Aber einige Informationen sind entscheidend – für Sicherheit, Teilhabe und einen möglichst entspannten Alltag. Eine gute Orientierung sind drei Bereiche:

1. Sicherheit und Gesundheit

Dazu gehört alles, was im Notfall wichtig ist oder im Alltag besondere Aufmerksamkeit braucht, zum Beispiel:

  • Allergien, Asthma, Diabetes, Epilepsie oder andere chronische Krankheiten
  • Medikamente, die dein Kind regelmässig braucht (wer darf sie verabreichen, wie, wann?)
  • Was in einem Notfall konkret zu tun ist, inklusive Notfallkontakte
  • Besondere Risiken: z.B. Neigung zum Weglaufen, starke Essensselectivität, Anfälle

2. Teilhabe am Alltag

Hier geht es darum, was dein Kind braucht, um möglichst gleichberechtigt am Alltag teilnehmen zu können:

– Braucht es mehr Zeit für Übergänge (Morgenbegrüssung, Garderobe, Ausflüge)?
– Reagiert es sehr empfindlich auf Lärm, Berührung oder bestimmte Situationen?
– Hilft ihm eine klare Struktur, Bildkarten oder kurze, einfache Sätze?
– Gibt es Hilfsmittel (Hörgerät, Rollstuhl, Insulinpumpe, Kommunikationsapp)?
– Gibt es Situationen, die dein Kind stark verunsichern oder triggern können (z.B. laute Sirenen, bestimmte Spiele, die an frühere Gewalt erinnern)?

3. Emotionale Sicherheit

Auch seelische Themen sind relevant, wenn sie das Verhalten deines Kindes beeinflussen:

– Hat dein Kind kürzlich einen grossen Verlust erlebt (Trennung, Tod, Wegzug)?
– Gibt es Besuchsregelungen (Pflegekind, Eltern getrennt), die beim Abholen wichtig sind?
– Was hilft deinem Kind, sich zu beruhigen (Übergangsobjekt, Rituale, Lieblingsbuch)?

Was nicht zwingend nötig ist

Du musst nicht deine ganze Familiengeschichte offenlegen. Das Kita-Team oder die Lehrperson braucht keine detaillierten Informationen zu:

– Konflikten zwischen Erwachsenen, die nichts mit der Betreuung zu tun haben
– Bewertungen anderer Personen («Der Vater ist immer …», «Die Grossmutter ist schuld, weil …»)
– Diagnosen oder früheren Abklärungen, die du selbst nicht teilen möchtest, solange sie für Sicherheit und Teilhabe keine Rolle spielen

Konzentriere dich darauf, was für dein Kind in der Gruppe konkret relevant ist. Du darfst jederzeit sagen:

«Es gibt private Hintergründe, über die ich nicht im Detail sprechen möchte. Wichtig ist für die Betreuung vor allem Folgendes …»

Datenschutz & «Wer weiss was?»

In der Schweiz unterliegen Kitas, Schulen und Kindergärten dem Datenschutz. Das bedeutet:

– Informationen über die Gesundheit oder Familiensituation deines Kindes dürfen nur an Personen weitergegeben werden, die sie für ihre Arbeit mit deinem Kind benötigen (z.B. Gruppenleitung, Stellvertretungen).
– Grundsätzlich werden persönliche Informationen nicht mit anderen Eltern oder Kindern geteilt.
– Du kannst nachfragen, wer im Team welche Informationen erhält und wie sie dokumentiert und aufbewahrt werden.

Du kannst zum Beispiel sagen:

– «Mir ist wichtig, dass nur die direkt betreuenden Personen von der Diagnose wissen.»
– «Wie stellen Sie sicher, dass Vertretungen über den Notfallplan informiert sind?»
– «Wie gehen Sie mit sensiblen Informationen um, wenn andere Eltern nachfragen?»

Es ist völlig legitim, darüber zu sprechen, wie viel das Kind selbst weiss. Einige Kinder kennen ihre Diagnose oder besondere Situation, andere nicht. Du kannst mit der Kita absprechen, welche Worte verwendet werden und was dein Kind selbst erzählen darf oder möchte.

Das Erstgespräch: Leitfaden und Checkliste

Vorbereitung: Ziele, Sorgen und Stärken deines Kindes

Ein gut vorbereitetes Erstgespräch nimmt viel Druck aus dem Start. Hilfreich ist, wenn du dir vorher kurz notierst:

Was wünsche ich mir für mein Kind in Kita oder Kindergarten (z.B. soziale Kontakte, Sprachanregung, sichere Struktur, Entlastung für die Familie)?
Was sind meine grössten Sorgen (z.B. Notfallsituation, Überreizung, Ausgrenzung)?
Was sind die Stärken meines Kindes (z.B. Humor, Ausdauer, Kreativität, Interesse an Technik, grosse Empathie)?
Was hat bisher gut funktioniert – zu Hause, in der Spielgruppe, bei Grosseltern, bei Therapien?

Notiere dir Schlüsselinfos stichwortartig auf 1 Seite. So behältst du im Gespräch den Überblick, auch wenn du emotional berührt bist.

Konkrete Fragen an Kita oder Kindergarten

Viele Eltern sind unsicher, was sie im Erstgespräch fragen dürfen. Du darfst alles fragen, was für Sicherheit, Teilhabe und dein Vertrauen wichtig ist. Eine orientierende «Checkliste im Kopf» kann so aussehen:

1. Erfahrung und Haltung

– Haben Sie Erfahrung mit Kindern in ähnlichen Situationen (z.B. Autismus, Diabetes, Fluchterfahrung)?
– Wie ist Ihre Haltung zu Inklusion und Vielfalt?
– Wie gehen Sie mit schwierigen Situationen oder Krisen im Alltag um?

2. Struktur und Rahmen

– Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?
– Gibt es feste Bezugspersonen für mein Kind?
– Wie werden Übergänge gestaltet (Morgen, Abholen, Ausflüge)?
– Gibt es Ruheorte oder Rückzugsmöglichkeiten?

3. Essen, Medikamente, Pflege

– Wie gehen Sie mit Allergien und Lebensmittelverboten um?
– Wer darf Medikamente geben? Wie wird das dokumentiert?
– Wie planen Sie Geburtstage und Feste, damit alle Kinder mitmachen können?

4. Zusammenarbeit und Kommunikation

– Wie und wie oft informieren Sie mich über den Alltag meines Kindes?
– Was mache ich, wenn ich eine Sorge habe oder mich etwas stört?
– Wie gehen Sie damit um, wenn andere Kinder Fragen zur Situation meines Kindes stellen?

Ergebnis: Einen Betreuungs- und Teilhabeplan schriftlich festhalten

Am Ende des Erstgesprächs sollte klar sein, wer was bis wann macht. Es lohnt sich, dies schriftlich festzuhalten – als einfacher «Betreuungs- und Teilhabeplan». Zum Beispiel mit folgenden Punkten:

Profil des Kindes: Stärken, Interessen, wichtige Bedürfnisse
Gesundheit: Diagnosen, Medikamente, Notfallplan, Kontakte von Ärzt:innen
Alltag in der Gruppe: Anpassungen, Hilfsmittel, Unterstützung in bestimmten Situationen (z.B. Garderobe, Essen, Ausflüge)
Absprachen zur Kommunikation: Wie oft Austausch, in welcher Form (Tür-und-Angel, Telefon, E-Mail, Elterngespräch)?
Verantwortlichkeiten: Wer im Team ist zuständig? Wer informiert Stellvertretungen?
Überprüfung: Wann schauen wir gemeinsam, ob der Plan noch passt (z.B. nach 4–6 Wochen)?

Ein solcher Plan ist kein starres Dokument, sondern ein lebendiger Fahrplan. Er kann angepasst werden, wenn dein Kind mehr Sicherheit gewonnen hat – oder wenn neue Bedürfnisse auftauchen.

Häufige Situationen – und was konkret helfen kann

Behinderung oder Entwicklungsverzögerung

Wenn dein Kind mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung oder einer klaren Entwicklungsverzögerung lebt, steht oft die Frage im Raum: «Reicht die normale Betreuung aus?» In der Schweiz gibt es verschiedene Unterstützungsangebote, zum Beispiel die Heilpädagogische Früherziehung (HFE). Die Forschung zeigt, dass frühe, alltagsnahe Förderung besonders wirksam ist – idealerweise im gewohnten Umfeld des Kindes, also auch in Kita oder Kindergarten.

Du kannst im Gespräch ansprechen:

– Ob und wie die Kita mit HFE-Fachpersonen zusammenarbeitet.
– Ob es Zusatzressourcen oder spezielle Programme (z.B. KITAplus über kibesuisse) in deiner Region gibt.
– Wie Hilfsmittel im Alltag eingesetzt werden (z.B. Stehhilfen, Kommunikationskarten).
– Wie dein Kind bei Ausflügen, im Freispiel und bei Ritualen konkret unterstützt wird, ohne ausgegrenzt zu werden.

Wichtig ist, dass dein Kind nicht auf seine Einschränkung reduziert wird. Halte die Stärken immer wieder bewusst im Blick – und ermutige das Team, dies ebenfalls zu tun.

Autismus und ADHS

Kinder im Autismus-Spektrum oder mit ADHS nehmen ihre Umwelt oft intensiver, manchmal chaotisch oder bruchstückhaft wahr. Sie profitieren von Struktur, Klarheit und Reizreduktion. Studien aus der entwicklungspsychologischen Forschung zeigen, dass kurze, vorhersehbare Regeln, visuelle Unterstützung und gut begleitete Übergänge sehr entlastend wirken können.

Konkrete Ansatzpunkte im Alltag können sein:

– Visualisierte Tagesabläufe mit Bildern oder Piktogrammen.
– Kurze, klare Anweisungen statt langer Erklärungen.
– Geplante Rückzugsorte, wenn es zu laut oder zu viel wird.
– Vorankündigungen bei Übergängen («In fünf Minuten räumen wir auf …»).
– Absprachen, wie mit Impulsivität umgegangen wird (z.B. kurze Pausen, alternative Angebote).

Kläre mit Kita oder Lehrperson, ob sie mit Fachstellen wie HFE oder Kinder- und Jugendpsychiatrie zusammenarbeiten und wie Informationen zwischen allen Beteiligten fliessen – immer unter Beachtung des Datenschutzes.

Sprache, Migration und Fluchterfahrung

Wenn dein Kind Deutsch als Zweitsprache lernt oder Fluchterfahrung hat, ist Kita oder Kindergarten ein zentraler Ort für Spracherwerb und soziale Integration. Forschung der Bildungs- und Sprachwissenschaft zeigt, dass Kinder besonders profitieren, wenn ihre erste Sprache wertgeschätzt wird und sie gleichzeitig reichhaltige, spielerische Sprachangebote in Deutsch erhalten.

Du kannst ansprechen:

– Wie DaZ (Deutsch als Zweitsprache) gefördert wird.
– Ob die Mehrsprachigkeit deines Kindes als Ressource eingebunden wird (Lieder, Bücher, kurze Begriffe in der Familiensprache).
– Ob bei wichtigen Gesprächen Dolmetsch-Angebote genutzt werden können.
– Wie das Team mit möglichen Traumafolgen (z.B. Nächtliches Erwachen, Ängste, starke Reaktionen auf Lärm) umgeht.

Es ist hilfreich, wenn du Kita oder Lehrperson sagst, welche Worte dein Kind in seiner ersten Sprache für «aufs WC», «Durst», «Schmerz» oder «Hilfe» verwendet – das erleichtert den Start.

Allergien, Diabetes und Asthma

Für Kinder mit Allergien, Diabetes oder Asthma ist ein klarer Notfall- und Alltagsplan entscheidend. Pädiatrische Fachgesellschaften in der Schweiz betonen, dass Kinder trotz chronischer Erkrankungen möglichst normal mitmachen sollen – unter der Voraussetzung, dass das Umfeld gut informiert und vorbereitet ist.

Besprich mit der Kita oder dem Kindergarten:

– Ein schriftliches Notfallblatt mit Foto deines Kindes, Diagnose, typischen Symptomen, klaren Schritten im Notfall, Notfallmedikamenten und Kontakten.
– Wer im Team geschult ist im Umgang mit dem Notfallset (z.B. Adrenalin-Autoinjektor, Asthmaspray, Glukagon).
– Wie Essen geplant wird (Menüs, Geburtstage, spontane Angebote).
– Wie Ausflüge vorbereitet werden (Medikamente, Notfallwege, Begleitpersonen).

Frage konkret:

– «Gibt es eine Person im Team, die die Verantwortung für den Notfallplan übernimmt?»
– «Wie stellen Sie sicher, dass Stellvertretungen informiert sind?»
– «Wie wird verhindert, dass mein Kind beschämt wird, wenn es etwas nicht essen darf oder etwas Spezielles braucht?»

Trennung, Scheidung und Trauer

Trennungen, Scheidungen oder Todesfälle sind für Kinder grosse Einschnitte. Die Forschung zur kindlichen Resilienz zeigt, dass verlässliche Bezugspersonen, klare Strukturen und die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken, Kinder in solchen Zeiten besonders schützen.

In Kita und Kindergarten sind dabei wichtig:

Klare Abholregeln: Wer darf das Kind wann abholen? Gibt es gerichtliche Regelungen?
Rituale: Begrüssungs- und Abschiedsrituale, mit denen dein Kind Sicherheit gewinnt.
Offenheit über Veränderungen, ohne Details: «Die Eltern leben jetzt in zwei Wohnungen, das ist für das Kind gerade schwierig.»
– Absprachen, wie mit Feiertagen, Geburtstagen oder Gedenktagen umgegangen wird, die besonders emotional sein können.

Du kannst bewusst darum bitten, dass das Kind nicht zwischen den Erwachsenen steht und Konflikte der Eltern nicht in der Garderobe ausgetragen werden. Wenn es sehr belastend ist, kann ein «runder Tisch» mit Fachstellen (z.B. Schulpsychologischer Dienst, Kinderarzt, Beratungsstellen) Entlastung bringen.

Pflegekind- oder Heimbiografie

Pflege- und Heimkinder bringen oft eine komplexe Geschichte mit, die nicht in der Kita-Garderobe diskutiert werden muss. Gleichzeitig brauchen sie oft besonders verlässliche Beziehungen und sensible Antworten auf Fragen anderer Kinder.

Sprich mit dem Team darüber:

– Welche Informationen für den Alltag wichtig sind (z.B. Besuchskontakte, Abholberechtigungen, mögliche Trigger).
– Wie über die Situation gesprochen wird, wenn andere Kinder fragen («Dieses Kind lebt in einer Pflegefamilie, weil Erwachsene sich gut um es kümmern wollen.»).
– Wie Stigmatisierung vermieden wird – auch durch Sprache.

Du darfst klar festlegen, welche Details privat bleiben und wie etwa die KESB in Absprachen eingebunden ist.

Trans- und genderdiverse Kinder

Wenn dein Kind sich nicht (oder nicht nur) im bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht wiederfindet, ist es auf eine unterstützende, nicht wertende Umgebung angewiesen. Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum betonen, dass Zuwendung, Respekt und Schutz vor Diskriminierung zentrale Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit genderdiverser Kinder sind.

In Kita und Kindergarten sind besonders wichtig:

– Verwendung des gewünschten Namens und der gewünschten Pronomen.
– Flexible Lösungen bei Toiletten und Garderoben, die das Kind nicht exponieren oder beschämen.
– Ein klares Vorgehen bei Mobbing oder abwertenden Kommentaren.
– Eine offene, altersangemessene Sprache gegenüber der Gruppe, in der Vielfalt von Geschlechtern und Familienformen normalisiert wird.

Du kannst fragen:

– «Wie stehen Sie grundsätzlich zu Genderdiversität?»
– «Welche Regeln haben Sie gegen Diskriminierung und wie setzen Sie diese um?»
– «Wie erklären wir den anderen Kindern die Situation so, dass mein Kind geschützt ist?»

Wenn es schwierig wird: Warnsignale, Konflikte, Unterstützung

Warnsignale für Überforderung – beim Kind und im Team

Auch mit guter Planung kann es Phasen geben, in denen dein Kind oder das Betreuungsteam überfordert ist. Warnsignale beim Kind können sein:

– plötzliche starke Verhaltensänderungen (Rückzug, Aggression, häufiges Weinen)
– Schlafstörungen, Regression (z.B. wieder einnässen), häufige Bauch- oder Kopfschmerzen ohne körperliche Ursache
– starke Angst vor der Kita oder dem Kindergarten, häufiges Krankmelden ohne klaren Grund

Beim Team können sich Überforderung und Grenzen zeigen durch:

– wiederholte Rückmeldungen, dass dein Kind «zu schwierig» sei, ohne gemeinsam nach Lösungen zu suchen
– fehlende Vorbereitung bei bekannten Notfallrisiken
– Abwertungen deines Kindes oder deiner Familie

In solchen Situationen ist es hilfreich, frühzeitig das Gespräch zu suchen und nicht abzuwarten, bis die Lage eskaliert.

«Runder Tisch»: Wer sollte dabei sein?

Wenn einfache Gespräche nicht reichen, kann ein «runder Tisch» mit mehreren Beteiligten Klarheit und Entlastung bringen. Beteiligt sein können je nach Situation:

– Eltern oder Pflegeeltern
– Kita-Leitung oder Kindergartenlehrperson
– Fachpersonen der Heilpädagogischen Früherziehung (HFE)
– Kinderarzt oder Kinderärztin
– Schulpsychologischer Dienst (SPD) oder andere Beratungsstellen
– bei Bedarf auch Vertreter:innen von Kinderschutzdiensten oder Behörden

Ziel ist nicht, Schuldige zu suchen, sondern realistische, tragbare Lösungen zu vereinbaren: Anpassung der Betreuungszeiten, zusätzliche Unterstützung, andere Gruppenstruktur oder zusätzliche Abklärungen.

Kindeswohl: Wann und wie man Hilfe holt

Manchmal zeigen sich in der Kita oder im Kindergarten Belastungen, die das Kindeswohl gefährden könnten – zum Beispiel Gewalt, Vernachlässigung oder schwere psychische Krisen. In der Schweiz gibt es dafür klar geregelte Wege, etwa über Kinderschutz-Fachstellen oder die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB).

Es ist wichtig zu wissen:

– Der Fokus dieser Stellen liegt auf dem Schutz und der Unterstützung des Kindes, nicht auf Strafe.
– Oft geht es zuerst um Beratung, Entlastung und Hilfen für die Familie.
– Kitas und Schulen haben eine Verantwortung, bei gewichtigen Anzeichen von Gefährdung nicht wegzuschauen.

Wenn du selbst unsicher bist, ob die Situation deines Kindes oder die Reaktionen der Umgebung noch tragbar sind, kannst du dich anonym bei spezialisierten Beratungsstellen informieren. Viele Organisationen in der Schweiz – etwa Kinderschutz- oder Jugendberatungsstellen – bieten solche Erstberatungen an.

Schweizer Anlaufstellen & weiterführende Hinweise

In der Schweiz gibt es eine Reihe von Fachorganisationen, die dich und dein Kind unterstützen können. Welche Stellen genau zuständig sind, hängt oft vom Kanton und von der Gemeinde ab. Viele Kantone und Städte veröffentlichen auf ihren Webseiten Übersichten zu Angeboten wie HFE, Schulpsychologische Dienste, Frühförderung, DaZ-Angebote, KITAplus oder Beratungsstellen – es lohnt sich, dort gezielt nach «Frühe Förderung», «Kindes- und Jugendschutz» oder «Spezielle Bildungsbedürfnisse» zu suchen.

Einige schweizweit tätige oder überregionale Organisationen (teils mit kantonalen Unterorganisationen) sind beispielsweise:

– Organisationen, die Kitas und Tagesfamilien unterstützen und Programme wie KITAplus fördern (für Kinder mit besonderen Bedürfnissen in der Betreuung).
– Angebote der Heilpädagogischen Früherziehung (HFE), die in vielen Kantonen über spezialisierte Fachstellen abrufbar sind und häufig im häuslichen Umfeld oder in der Kita arbeiten.
– Fachorganisationen für Autismus, die Informationen und teilweise Elternberatung zu Diagnostik, Alltag und Schule anbieten.
– Allergie- und Asthma-Fachstellen, die Schulungen zu Notfallplänen und Umgang mit Allergien im Alltag anbieten.
– Organisationen rund um Diabetes bei Kindern, die Material und Schulungsangebote für Familien und Betreuungseinrichtungen bereithalten.
– Die Lungenliga, die bei Atemwegserkrankungen wie Asthma informiert und unterstützt.
– Organisationen für trans und genderdiverse Menschen, die Elternberatung, Informationsmaterial und teilweise Schulungen für Schulen und Kitas anbieten.
– Kinder- und Jugendberatungen, die bei Erziehungsfragen, Trennung, psychischer Belastung und Kindesschutzthemen beratend zur Seite stehen.
– Fachstellen für Migration und Gesundheit, die mehrsprachige Materialien und teilweise Dolmetschdienste anbieten.
– Kinderschutzorganisationen, die Informationen zu Rechten von Kindern, Gewaltprävention und Vorgehen bei Verdacht auf Gefährdung anbieten.

Wenn du unsicher bist, wo du anfangen sollst, kann deine Kinderärztin oder dein Kinderarzt ein guter erster Ansprechpunkt sein. Sie kennen in der Regel die regionalen Fachstellen und können dich auch medizinisch fundiert beraten, welche Unterstützung für dein Kind im Moment am wichtigsten ist.

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