Kind > KindergartenKomm, spiel mit mir: die beste Spielgruppe finden Angela Zimmerling Neue Gspänli und Spiele kennen lernen – das können alle Spielgruppen Kleinkindern bieten. Doch für genügend Personal oder ideale Räume fehlt oft das Geld. Verbindliche Qualitätskriterien gibt es nur in wenigen Kantonen und Gemeinden. Trotzdem kannst du eine gute Spielgruppe finden. Wir zeigen dir, worauf es ankommt – inklusive Entscheidungshilfe für Natur- und Waldspielgruppen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken In einer guten Spielgruppe haben Kinder genügend Zeit für das freie Spiel. Foto: boggy22, iStock, Thinkstock Die meisten Spielgruppenleiterinnen haben eine Ausbildung. Doch verlangt wird sie von vielen Kantonen nicht. Jede Person kann eine Spielgruppe gründen. Dafür braucht es häufig keine Ausbildung und keine Bewilligung. Solche fehlenden verbindlichen Richtlinien für Spielgruppen sind ein Problem. Das hat der Schweizerische Spielgruppen-LeiterInnen-Verband SSLV erkannt und fordert «eine Bewilligungsplicht – oder mindestens eine Meldepflicht (...), damit eine Unterstützung (...) umgesetzt werden kann», wie es in einer Mitteilung des Verbandes von Anfang August 2014 heisst. Was ist eine Spielgruppe? Etwa sechs bis zehn Kinder ab drei Jahren bis zum Kindergartenalter treffen sich regelmässig zum Spielen. Eine Spielgruppenleiterin betreut die Kinder während zwei bis drei Stunden ein- bis dreimal pro Woche. Quelle: Schweizerischer Spielgruppen-LeiterInnen-Verband Naturspielgruppe, Waldspielgruppe, Indoor-Spielgruppe: Wo liegen die Unterschiede? Spielgruppen können sehr unterschiedlich aussehen. Für dein Kind zählt weniger das Label als der Alltag: Wie wird gespielt, wie wird begleitet, wie sicher ist das Setting, und passt es zu euch als Familie? Indoor-Spielgruppe findet hauptsächlich in Innenräumen statt (Spielgruppenraum, Quartierraum, Kita-nahe Räume). Vorteile sind eine gut planbare Umgebung, konstante Temperaturen, oft mehr Material (Bücher, Basteln, Rollenspiel). Gerade für Kinder, die Zeit brauchen, um in ein neues Setting zu finden, kann die Verlässlichkeit eines Raums entlastend sein. Naturspielgruppe ist eine Mischform: Ein Teil ist draussen (Garten, Quartier, Park, Naturplätze), ein Teil je nach Konzept drinnen. Das kann ideal sein, wenn du dir Naturerlebnisse wünschst, dein Kind aber bei Wetterwechseln oder Übergängen noch Unterstützung braucht. Waldspielgruppe verbringt den grössten Teil der Zeit draussen, häufig im Wald oder auf fixen Naturplätzen. Der Schwerpunkt liegt oft auf Bewegung, freiem Spiel mit Naturmaterialien und Erkundung. Viele Kinder profitieren von der Vielfalt an Sinnesreizen und Bewegungsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist es anspruchsvoller in Bezug auf Kleidung, Nässe/Kälte, Zecken, Allergien oder das Mitführen von Ersatzmaterial. Für die Entwicklung kann Spiel in der Natur sehr wertvoll sein: Regelmässige Bewegung und vielfältige Sinneserfahrungen unterstützen Motorik und Selbstwirksamkeit. Auch draussen gilt aber: Kinder brauchen verlässliche Bezugspersonen, klare Regeln und eine Umgebung, in der sie sich sicher fühlen. Orientierung bieten fachliche Empfehlungen zu Bewegung und Aktivität bei Kindern, etwa die Bewegungsempfehlungen von Gesundheitsförderung Schweiz. Für welche Kinder passt was? Die «richtige» Spielgruppe hängt stark von deinem Kind ab – und davon, wie euer Familienalltag aussieht. Outdoor-Angebote können besonders gut passen, wenn dein Kind … viel Bewegungsdrang hat und draussen sichtbar entspannter ist als drinnen, gerne entdeckt, klettert, balanciert und mit «echten Dingen» spielt (Stöcke, Steine, Matsch), Übergänge gut schafft und sich von Regen, Wind und Kälte nicht schnell entmutigen lässt, bei vielen Innenraum-Reizen (Lärm, Enge) schneller überfordert ist. Ein Indoor-Setting kann besonders gut passen, wenn dein Kind … stark auf Routine und einen vertrauten Raum angewiesen ist, schnell friert oder sehr sensibel auf Nässe reagiert, bei Asthma, wiederkehrenden Atemwegsproblemen oder Allergien (zum Beispiel Pollen) draussen zeitweise stärker belastet ist, bei unbekannten Geräuschen oder unübersichtlichem Gelände (Wald) schneller ängstlich wird. Wichtig bei Allergien und Asthma: Entscheidend ist nicht «drinnen oder draussen», sondern wie gut die Spielgruppe vorbereitet ist (zum Beispiel Notfallplan, Medikamente, Kommunikation) und wie realistisch die Belastung in der Saison ist. Wenn dein Kind ärztlich verordnete Notfallmedikation hat, muss klar sein, wer sie wie mitführt und wann sie eingesetzt wird. Wettertoleranz ist trainierbar – aber nicht erzwingbar: Manche Kinder brauchen Wochen, bis sie Regenkleidung akzeptieren oder mit nassen Handschuhen zurechtkommen. Eine gute Natur- oder Waldspielgruppe plant deshalb Übergänge liebevoll, hat Routinen fürs Ankommen und sorgt für echte Aufwärm- und Trockenmöglichkeiten (auch organisatorisch, nicht nur «wir machen dann Feuer»). Was kostet es – und was kommt an Material dazu? Die Elternbeiträge unterscheiden sich regional und je nach Angebot. Zusätzlich zu den Kurskosten können bei Natur- und Waldspielgruppen realistisch weitere Ausgaben dazukommen: Kleidung im Zwiebelsystem: wetterfeste Jacke/Hose, wärmende Schichten, Mütze/Handschuhe; je nach Saison auch UV-Schutz (Hut, Sonnencrème). Robuste Schuhe: je nach Konzept gute Regenstiefel und/oder wasserdichte Outdoor-Schuhe. Ersatz-Set: trockene Socken, Handschuhe, Leggings/Hose, Unterwäsche. Rucksack/Trinkflasche: bei einigen Angeboten bringen Kinder ihr Material selbst mit. Zeckenschutz: je nach Region/Saison (Kleidung, Kontrolle nach dem Angebot; in Absprache mit Kinderärzt:in auch Repellent). Frag konkret nach, was obligatorisch ist und was «nice to have». Ein transparentes Konzept hilft dir, Überraschungen zu vermeiden – und verhindert, dass Kinder wegen fehlender Ausrüstung ausgeschlossen werden. Ein Qualitätslabel ohne weitreichende Bedeutung Seit 2001 gibt der Verband bereits ein Qualitätslabel heraus. Danach sollte beispielsweise eine Spielgruppenleiterin eine vom SSLV anerkannte Ausbildung haben inklusive Praxiserfahrung. In der Gruppe dürfen nicht mehr als zwölf Kinder sein. Es wird empfohlen, dass eine zweite Person die Gruppe betreut. Die Räume sollten rund 60 Quadratmeter gross sein, genügend Tageslicht herein lassen und kindersicher sein. «Wir wären sehr froh, die Kantone würden die Richtlinien übernehmen. Das ist bis jetzt nicht der Fall», sagt Anna Lustenberger, Co-Präsidentin des SSLV, «dann bekäme auch das Label eine grössere Bedeutung.» Oft scheitere das Erlangen des Labels an den Finanzen: Die Spielgruppe könne sich keine idealeren Räumlichkeiten leisten oder keine zweite Person bezahlen. Kein Wunder, dass daher auch eine im Jahr 2013 vom Verband in Auftrag gegebene Studie zeigen konnte, wie unterschiedlich die Qualität ist. Daran erkennst du eine gute Spielgruppe Trotzdem kannst du eine gute Spielgruppe in der Schweiz finden. Anna Lustenberger empfiehlt, die Spielgruppe zu besuchen und mit der Leiterin zu reden: «Dabei können sie sich gut auf ihr Bauchgefühl verlassen.» Tausche dich auch mit anderen Eltern aus, die ihr Kind bereits in diese Betreuung geben. «Die Mund zu Mund Propaganda ist sehr ausschlaggebend.» Eine schlechte Spielgruppe hat Mühe, genügend Kinder zu finden. Zu Beginn sollte es eine Eingewöhnungszeit geben, bei der du dein Kind begleiten kannst. Auch während des Jahres sollten Besuche möglich sein, wenn es mit der Leiterin vorher abgesprochen ist. In einigen Spielgruppen ist regelmässig eine Mutter oder ein Vater als zweite Person dabei. Das wird sehr geschätzt, weil du Spielideen mit nach Hause nehmen kannst. Achte auf die Gruppengrösse. Es sollten nicht mehr als zwölf Kinder sein. Meist sind es zehn. Ganz wichtig sei, dass die Gruppe konstant ist, nur so gebe es eine gute Gruppendynamik, sagt Anna Lustenberger. Frag die Spielgruppenleiterin nach ihrer Ausbildung. Der SSLV erkennt neun Ausbildungsinstitutionen an. Zu den Richtlinien gehört, dass die Leiterinnen mindestens eine Ausbildung von 160 Stunden sowie ein Praktikum absolvieren. Die meisten Spielgruppenleiterinnen haben einen Erstberuf, viele sind Mutter. Zusätzlich zu Ausbildung und Gruppenklima lohnt sich ein Blick auf den Alltag: Gibt es klare Regeln (zum Beispiel Ankommen, Abschied, Konflikte), aber genug Freiraum fürs freie Spiel? Wird kindliches Verhalten entwicklungsangemessen begleitet (nicht beschämt, nicht «wegorganisiert», sondern verstanden und in sichere Bahnen gelenkt)? Gerade in diesem Alter profitieren Kinder von verlässlichen Beziehungen und feinfühliger Begleitung – das ist ein zentraler Qualitätsfaktor, unabhängig davon, ob drinnen oder draussen gespielt wird. Checkliste: Diese Fragen solltest du bei Natur-/Outdoor-Angeboten stellen Wenn du eine Natur- oder Waldspielgruppe anschaust, helfen dir gezielte Fragen, die Qualität besser einzuschätzen. Nimm dir dafür ruhig Zeit – gute Anbieter erklären ihr Konzept gern transparent. Sicherheit, Aufsicht und Notfall Wie ist der Betreuungsschlüssel draussen geregelt (insbesondere bei Wegen, Wasserstellen, Feuerstellen, Werkzeugeinsatz)? Welche Grenzen und Regeln gelten im Gelände (Sammelpunkt, Sichtkontakt, «Stopp»-Regel)? Gibt es ein Notfallkonzept (Erste Hilfe, Handyempfang/Standort, nächster Treffpunkt für Rettung, Vorgehen bei Sturm/Hitze)? Wie wird mit Zecken umgegangen (Information an Eltern, Zeckenkontrollen, Vorgehen bei Bissen)? Wie werden Allergien/Asthma berücksichtigt (Mitführen von Notfallmedikation, Zuständigkeiten, Dokumentation)? Wetter, Ausrüstung und Organisation Findet die Spielgruppe bei jedem Wetter statt – und was heisst das konkret (Grenzen bei Sturmwarnung, Gewitter, extremer Kälte/Hitze)? Gibt es eine Aufwärm- oder Unterstellmöglichkeit (Unterstand, Bauwagen, Innenraum als Backup) – oder wie wird ein Kind warm/trocken, wenn es friert? Welche Ausrüstung ist Pflicht (Kleidung, Rucksack, Ersatzkleider) und was wird gestellt? Wie laufen Toilettengänge ab und wie wird Hygiene draussen praktisch gelöst? Pädagogisches Konzept Wie wird freies Spiel draussen begleitet (Beobachten, Impulse geben, Konflikte moderieren)? Wie wird mit Risiko umgegangen (Klettern, Schnitzen): verbieten, fördern, absichern? Wie wird Integration/Sprachförderung im Outdoor-Setting umgesetzt (Rituale, Lieder, Geschichten, Wortschatz im Alltag)? Wie werden Kinder eingewöhnt – speziell draussen (Übergangsobjekt, Eltern dabei, schrittweises Trennen)? Praktisches für euren Alltag Wie läuft Bring-/Abholsituation (Treffpunkt, Pünktlichkeit, Parkplatz/ÖV)? Was passiert, wenn dein Kind krank ist oder ihr verhindert seid (Kosten, Nachholen, Abmeldung)? Welche Zusatzkosten können entstehen (Material, Ausflüge, Saison-Ausrüstung)? Spielen, singen und werken in der Spielgruppe Die Aufgabe der Leiterin ist es, den Kindern ein anregendes Lernumfeld bereit zu stellen. Sie wird während zwei bis drei Stunden Geschichten erzählen, singen, musizieren oder mit den Kindern spielen. Oft wird auch gemalt, gewerkelt und gebastelt. Im Vordergrund der Spielgruppe steht, wie der Name sagt, das freie Spiel. «Dort lernt das Kind eigene Ideen einzubringen, sich zu behaupten, Konflikte zu lösen, mit anderen zusammen zu spielen», sagt Anna Lustenberger. Spielgruppen fördern die soziale Kompetenz. Fremdsprachige Kinder lernen die deutsche Sprache besser kennen. Das sind wichtige Voraussetzungen für den Kindergarteneintritt. Auch aus entwicklungspsychologischer Sicht ist freies Spiel zentral: Kinder üben dabei Selbstregulation, Perspektivenübernahme, Problemlösen und soziale Aushandlung. Besonders wirksam wird das, wenn Erwachsene präsent sind, Sicherheit geben und bei Bedarf sprachlich oder emotional «übersetzen», statt das Spiel zu steuern. Von den Spielgruppen wird heute immer mehr erwartet, dass sie gezielt in Sprachförderung und Integration investieren. Dies sei nur mit zusätzlicher, finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand, für die Entschädigung der Zweitleitung, möglich, heisst es beim SSLV. Zur Zeit finanzieren sich die Gruppen hauptsächlich durch Elternbeiträge. Eine Stunde kostet etwa zwischen zehn bis fünfzehn Franken.