Aktionen am Nationalen Zukunftstag

Die traditionelle Berufswahl bestimmen verschiedene Faktoren: Rollenbilder von Frau und Mann in der Gesellschaft, Erziehung, soziale Herkunft, Vorbilder und das Ansehen gewisser Berufe. Isabelle Santamaria-Bucher, die Projektleiterin des Nationalen Zukunftstages, an dem Mädchen und Jungen für die breite Palette der Berufe sensibilisiert werden, weiss zudem: «Der Mann gilt immer noch als Haupternährer, und für viele Mädchen ist die Vorstellung, ein Leben lang berufstätig zu sein, keineswegs selbstverständlich.» Das hätten Umfragen im Rahmen des Zukunftstages gezeigt. Der Glauben, dass eine Frau nach der Geburt eines Kindes zuhause zu sein hat, ist demnach noch stark verankert, obwohl die grosse Mehrheit der Mütter heute – wenn auch in Teilzeitpensen – erwerbstätig ist.

Isabelle Santamaria-Bucher, Projektleiterin des Nationalen Zukunftstages

Isabelle Santamaria, Projektleiterin des Nationalen Zukunftstages.

Während gleichstellungsaktive Kreise schon lange auf die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt hinweisen, schafft es das grosse Heer an unterbeschäftigen Frauen erst mit der wachsenden Sorge um qualifizierte Arbeitskräfte für Branchen wie Technik und Informatik ins Rampenlicht. Immer mehr Firmen und Ausbildungsstätten organisieren Schnuppertage mit Extra-Programmen für Mädchen. Die grösste Initiative ist der Nationale Zukunftstag, der mit der finanziellen Unterstützung des Bundesamtes für Bildung und Technologie im November, in diesem Jahr am 8. November stattfindet.

Dann begleiten tausende Mädchen und Buben zwischen 10 und 13 Jahren einen Elternteil zur Arbeit oder besuchen die Aktionstage von hunderten bekannten und weniger bekannten Betrieben. Der Tag, vor zwölf Jahren als Nationaler Tochtertag ins Leben gerufen, hat in immer mehr Firmen einen festen Platz. Ziel des Nationalen Zukunftstags sei es, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen. Mädchen und Jungen sollten ihre Berufswahl unabhängig von Geschlechterstereotypen treffen können und dabei ihre Talente und Neigungen in den Vordergrund stellen. Davon profitierten sowohl die jungen Menschen als auch die Wirtschaft, die talentierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen könne, heisst es in einer Medienmitteilung.

Mit im Boot sind auch die Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen, die Organisation Ingch Engineers Shape our Future sowie der Informatikerverband Swiss ITC, die Projekte anbieten, an denen Mädchen Ingenieurinnen und Informatikerinnen über die Schulter schauen können. Buben diskutieren im Schulzimmer mit rollenteilenden Vätern oder erleben den Berufsalltag im Pflegeheim oder in einer Kindertagesstätte.

Ob die Aktionen etwas bringen werden? Die Projektleiterin des Zukunftstages weist darauf hin, dass sich der Erfolg oder Nichterfolg erst in einigen Jahren in den Berufsstatistiken widerspiegeln wird. «Wir spüren auf jeden Fall das wachsende Interesse nicht nur von Mädchen sondern auch von Seiten der Schulen und Betriebe.»

Informationen zum Nationalen Zukunftstag: www.nationalerzukunftstag.ch

 

Aktionen am Nationalen Zukunftstag

  • Seitenwechsel für Mädchen und Jungen: Kinder können einen Elternteil oder eine Bezugsperson zur Arbeit begleiten.
  • Zusatzprojekte für Mädchen: Viele Betriebe, Hochschulen und Organisationen bieten am Zukunftstag besondere Projekte an, bei denen Mädchen Berufe im technischen Bereich und in der Informatik entdecken können.
  • Zusatzprojekte für Jungen: Jungen können in einem Altersheim oder einer Kinderkrippe Profibetreuer bei der Arbeit begleiten oder in der Schule mit einem rollenteilenden Vater über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutieren.

 


Text: Anouk Holthuizen im November 2009, aktualisiert von Angela Zimmerling im November 2012

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