Kind > SchuleBewegte Schule in der Schweiz: So fördert Bewegung Konzentration und Lernfreude Luisa Müller Kinder sitzen in der Schule oft stundenlang still – dabei wissen wir heute sehr gut, dass der Körper Bewegung braucht, damit das Gehirn aufmerksam bleiben kann. In der Schweiz setzen immer mehr Schulen auf «Bewegte Schule» und «bewegten Unterricht», um Lernen, Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern. Hier erfährst du, was dahintersteckt, welche konkreten Vorteile dein Kind hat und wie du diese Entwicklung an der Schule deines Kindes unterstützen kannst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Bewegung tut Schüler:innen gut © FatCamera / Getty Images Was ist eine «Bewegte Schule»? Grundidee und wissenschaftliche Hintergründe Eine «Bewegte Schule» versteht den ganzen Schulalltag als Lern- und Lebensraum, in dem sich Kinder regelmässig und vielfältig bewegen – nicht nur im Sportunterricht. Das bedeutet: Bewegung wird in den Unterricht integriert, Pausen und Schulräume sind als Bewegungsräume gestaltet und der Schulweg gehört dazu. Dahinter stehen drei wissenschaftlich gut abgesicherte Begründungslinien: 1. Entwicklung und Lernen: Kinder erschliessen die Welt über Bewegung. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass körperliche Aktivität die Durchblutung des Gehirns verbessert, die Bildung von Synapsen und Botenstoffen wie Dopamin und Noradrenalin fördert und so Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Lernleistung unterstützen kann. Laut einer Übersicht der Universität Zürich von 2022 verbessern regelmässige Bewegungsphasen im Schulalltag insbesondere die Exekutivfunktionen – also Fähigkeiten wie Konzentration, Planen und Impulskontrolle. 2. Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und nationale Fachgesellschaften empfehlen für Schulkinder mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag, davon ein Teil mit höherer Intensität. Studien aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, dass Kinder mit mehr Alltagsbewegung seltener übergewichtig sind, eine bessere Herz-Kreislauf-Fitness und eine stabilere psychische Gesundheit aufweisen. Schweizer Kinder erreichen diese Empfehlung häufig nicht – die Schule ist deshalb ein wichtiger Ort, um Bewegung für alle Kinder zugänglich zu machen. 3. Schulqualität: Bewegte Schulen berichten von ruhigerem Klassenzimmerklima, weniger Disziplinproblemen und höherer Lernfreude. Evaluationsstudien der Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz zeigen, dass bewegter Unterricht nicht zulasten der Lernzeit geht, sondern das Lernen sogar effizienter machen kann: Kinder arbeiten konzentrierter, kommen schneller wieder «in den Stoff» und prägen sich Inhalte nachhaltiger ein. Weil Bewegung nicht nur im Turnen, sondern überall stattfindet, versteht eine «Bewegte Schule» den ganzen Lern- und Lebensraum Schule als Bewegungsraum: Schulzimmer, Gänge, Pausenhof und Schulweg werden gezielt genutzt, damit Kinder sitzen, stehen, gehen, rennen, balancieren, klettern, spielen – und dabei lernen. Die Schweizer Modelle im Überblick In der Schweiz gibt es verschiedene Programme, die Schulen auf dem Weg zur Bewegten Schule unterstützen: «Schule bewegt»: Dieses nationale Programm (u.a. von Gesundheitsförderung Schweiz mitgetragen) stellt Lehrpersonen praxistaugliche Ideen für kurze Bewegungseinheiten im Unterricht zur Verfügung. Ziel ist, dass Kinder immer wieder für 2–10 Minuten in Bewegung kommen – zum Beispiel mit aktivierenden Spielen, Dehnübungen oder kleinen Koordinationsaufgaben, die den Unterrichtsinhalt aufgreifen. «Schule in Bewegung – Purzelbaum für Primarschulen»: «Purzelbaum» ist in der Schweiz vor allem aus Kitas und Kindergärten bekannt. Es gibt aber auch Angebote für Primarschulen. Sie unterstützen Schulen dabei, Innenräume bewegungsfreundlich zu gestalten (z.B. Kletter- und Balanciermöglichkeiten, flexible Sitzgelegenheiten), Bewegungsstationen im Klassenzimmer einzurichten und Bewegung bewusst in den Unterricht einzubauen. Kantonale Programme: Viele Kantone, zum Beispiel Graubünden oder Bern, haben eigene Initiativen zur Bewegten Schule und zur Gesundheitsförderung. Diese bieten Schulen Materialien, Beratung und teilweise finanzielle Unterstützung, um Pausenhöfe bewegungsfreundlicher zu gestalten, Bewegungsprojekte umzusetzen oder Lehrpersonen weiterzubilden. Pädagogische Hochschulen: Pädagogische Hochschulen in der Schweiz, etwa die PH Luzern oder die PH Bern, bieten Weiterbildungen zu bewegtem Unterricht und Bewegter Schule an. Dort lernen Lehrpersonen, wie sie mit einfachen Mitteln bewegte Sequenzen einbauen können, ohne dass der Organisationsaufwand zu gross wird. Evaluationsprojekte – zum Beispiel das Luzerner Projekt zu «bewegter Schule» – zeigen, dass solche Fortbildungen die Umsetzung im Alltag deutlich erleichtern. Was eine Schule zur «Bewegten Schule» macht Eine Schule ist nicht automatisch eine Bewegte Schule, nur weil es Sportunterricht gibt. Typische Elemente sind: Bewegte Einstiege in Lektionen: Anstatt sofort still zu sitzen, starten Kinder mit einer kurzen Aktivierung: einem Bewegungslied, einem «Klatsch-Spiel», einer Balancieraufgabe oder einer kurzen Yoga-Sequenz. Das hilft, nach Pausen wieder anzukommen und überschüssige Energie zu kanalisieren. Bewegungsstationen im Klassenzimmer: Im Raum gibt es zum Beispiel: Stehtische oder erhöhte Pulte, an denen Kinder zeitweise im Stehen arbeiten können Sitzkissen, Wackelhocker oder Sitzbälle für bewegtes Sitzen Eine «Bewegungsecke» mit Balancekissen, Springseil oder kleinen Geschicklichkeitsspielen für kurze Pausen Markierungen am Boden (z.B. Hüpffelder, Linien zum Balancieren) Bewegte Pausen: Pausen sind nicht nur Erholungszeit, sondern aktive Bewegungszeit. Eine Bewegte Schule sorgt für genügend Platz, sichere Klettermöglichkeiten, Spielgeräte (Bälle, Seile, Reifen), markierte Spielfelder oder Laufstrecken und allenfalls angeleitete Pausenspiele. Bewegung als Kultur: Entscheidend ist die Haltung des Teams: Bewegung wird nicht als störend, sondern als Ressource gesehen. Kinder dürfen sich auch mal dehnen, aufstehen, Material holen, im Stehen lesen oder kurz herumgehen – eingebettet in klare Regeln, die allen helfen, sich wohlzufühlen. So sieht Bewegte Schule im Alltag aus Bewegter Unterricht in Mathe, Deutsch & Co. Bewegter Unterricht bedeutet nicht, dass Kinder ständig wild durcheinander rennen. Es geht um gezielte, strukturierte Bewegungsphasen, die mit dem Lernstoff verknüpft sind oder als «Energie-Kick» dienen. Einige Beispiele: Mathematik: Kinder lösen Aufgaben, indem sie sich bewegen: Rechenlauf: Im Zimmer oder auf dem Gang hängen Aufgabenblätter. Die Kinder laufen zu einer Station, rechnen die Aufgabe, merken sich das Ergebnis und bringen es zurück an ihren Platz. Zahlenlinie am Boden: Eine grosse Skala ist am Boden markiert. Kinder springen oder gehen auf die richtige Zahl, wenn eine Aufgabe gestellt wird (z.B. «3 + 4» – sie springen auf die 7). Multiplikations-Staffeln: Beim Aufsagen der Einmaleins-Reihe wird geklatscht, gehüpft oder getippt – so wird das Auswendiglernen rhythmisch unterstützt. Deutsch und Fremdsprachen: Auch Sprachenlernen profitiert von Bewegung: Kinder müssen zum Beispiel zu Wortkarten im Zimmer laufen und passende Paare finden (Singular – Plural, Verb – Nomen), kleine Rollenspiele im Stehen spielen oder beim Lesen von Dialogen die Plätze wechseln. Bei Vokabeln können sie zu Bildern an der Wand gehen, die das Wort darstellen, oder mit Gesten arbeiten, die sie mit Begriffen verbinden. «Energizer» und Konzentrationsinseln: Kurze 2–5-minütige Bewegungspausen, auch «Energizer» genannt, haben nachweislich positive Effekte auf die Konzentration. Studien, unter anderem ein Projekt der Universität Zürich 2022, zeigen, dass bereits einfache Übungen – etwa Hampelmänner, Dehnspiele, Gleichgewichtsspiele oder Koordinationsaufgaben mit Überkreuzen der Arme und Beine – die Aufmerksamkeit für die nächste Lernphase verbessern können. «Seit wir regelmässig kurze Bewegungspausen einbauen, brauchen die Kinder weniger Zeit, um wieder bei der Sache zu sein. Besonders Kinder, die sich sonst schwer konzentrieren können, profitieren enorm.» – Primarlehrerin aus dem Kanton Bern Bewegte Pausen und Schulräume Damit Kinder sich in den Pausen wirklich erholen und bewegen können, brauchen sie passende Räume und Materialien. Eine Bewegte Schule achtet zum Beispiel auf: Pausenhof: Unterschiedliche Zonen – ruhige Ecken und aktivere Bereiche – helfen, dass alle Kinder ihren Platz finden. Kletternetze, Balancierbalken, Hüpfkästchen, Seile, Bälle, Reifen oder ein markierter «Parcours» regen zum Klettern, Springen und Rennen an. Korridore und Innenräume: Gänge sind nicht nur Durchgang, sondern können – wo es die Sicherheit erlaubt – mit Bodenmarkierungen, Balancierlinien oder kleinen Bewegungsaufgaben genutzt werden (z.B. «Hier im Slalom gehen», «Auf dieser Linie rückwärts balancieren»). In der Klasse können flexible Sitzordnungen, Stehtische und kleine Bewegungsinseln entstehen. Material und Regeln: Ausleihsysteme für Spielmaterial (z.B. «Pausenkiste») erleichtern Kindern den Zugang. Klare Regeln – zum Beispiel, welche Bereiche fürs Rennen geeignet sind und wie mit Material umgegangen wird – geben Sicherheit und verhindern Konflikte. Schulweg, Pedibus und Pausenhof als Trainingsfeld Bewegte Schule endet nicht am Schultor. Der Schulweg ist ein ideales «Trainingsfeld» für Aufmerksamkeit, Orientierung, Selbstständigkeit und soziale Kompetenzen. Wenn Kinder zu Fuss, mit dem Velo oder dem Trottinett in die Schule kommen, sammeln sie: Bewegungsminuten: Der Schulweg trägt wesentlich zur empfohlenen täglichen Aktivität bei. Orientierung und Aufmerksamkeit: Kinder lernen, Verkehrssituationen einzuschätzen, auf andere zu achten und sich im Quartier zurechtzufinden. Selbstständigkeit: Schrittweise können sie den Weg alleine oder mit Kolleg:innen bewältigen – dies stärkt Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl. Viele Gemeinden setzen auf den Pedibus: Eine Gruppe von Kindern legt den Schulweg gemeinsam zu Fuss zurück, begleitet von Erwachsenen. Das ist besonders für jüngere Kinder oder stark befahrene Gebiete sinnvoll. Der Pedibus verbindet Sicherheit, Bewegung und soziale Kontakte – Kinder kommen bereits «eingelaufen» und oft entspannter in der Schule an. Auch der Pausenhof wird so zum täglichen «Trainingsfeld» für Motorik, Rücksichtnahme, Konfliktlösung und Kooperation. Wenn Kinder verhandeln, wer welches Spielgerät nutzt, oder gemeinsam neue Spiele erfinden, trainieren sie soziale Kompetenzen fast nebenbei. Was bringt Bewegte Schule konkret? Konzentration, Leistung und Verhalten Viele Eltern fragen sich: «Verhindert so viel Bewegung nicht, dass die Kinder ruhig arbeiten?» Die Forschung zeigt eher das Gegenteil. Eine Zusammenstellung von Studien zur Bewegten Schule im deutschsprachigen Raum, unter anderem von der Universität Zürich (2022), kommt zu folgenden Ergebnissen: Bessere Konzentration: Kinder, die regelmässig kurze Bewegungsphasen im Unterricht haben, können danach aufmerksamer arbeiten. Besonders profitieren Kinder mit Aufmerksamkeitsproblemen, weil Bewegung überschüssige Energie abbaut und das Gehirn besser versorgt. Keine Einbussen, eher Vorteile bei der Schulleistung: International und im DACH-Raum zeigen mehrere Studien, dass bewegter Unterricht die Leistungen in Mathe und Sprache nicht verschlechtert, häufig sogar leicht verbessert. Gründe sind unter anderem höhere Motivation, bessere Merkfähigkeit und die emotionale Verknüpfung von Lerninhalten mit Bewegungserfahrungen. Weniger Verhaltensprobleme: Schulen berichten von weniger Unruhe, weniger Konflikten und einem angenehmeren Klassenklima. Strukturiert eingesetzte Bewegung hilft Kindern, ihre Impulse zu regulieren. Laut einer Übersichtsarbeit im «Deutschen Ärzteblatt» 2021 sind körperlich aktive Kinder im Schnitt weniger aggressiv und zeigen seltener auffälliges Sozialverhalten. Gesundheit und Wohlbefinden Bewegte Schule ist auch Gesundheitsförderung – und damit eine Investition in die Zukunft deines Kindes. Gewicht und Stoffwechsel: Kinder, die sich im Alltag mehr bewegen, haben ein geringeres Risiko für Übergewicht und damit verbundene Folgeprobleme wie Bluthochdruck oder frühe Stoffwechselstörungen. Pädiatrische Fachgesellschaften in der Schweiz betonen, dass Alltagsbewegung – also genau das, was Bewegte Schule fördert – mindestens so wichtig ist wie organisierter Sport. Körperhaltung und Motorik: Langes Sitzen belastet Rücken und Nacken, besonders wenn Möbel nicht optimal angepasst sind. Dynamisches Sitzen, Stehen, Klettern, Balancieren und Rennen stärken Rumpfmuskulatur, Gleichgewichtssinn und Koordination. Studien aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, dass Programme zur Bewegten Schule motorische Grundfertigkeiten (springen, fangen, balancieren) deutlich verbessern können. Schlaf und psychische Gesundheit: Körperlich aktive Kinder schlafen häufig besser ein und durch. Aus Untersuchungen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Zürich (2021) geht hervor, dass körperliche Aktivität depressive Symptome und Angstsymptome bei Kindern mindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern kann. Bewegung dient vielen Kindern als Ventil für Stress und belastende Gefühle – gerade im Schulalltag wichtig. Soziale Kompetenzen und Integration Bewegung in der Schule wirkt auch auf das soziale Miteinander. Gemeinsame Spiele, Gruppenaufgaben und Bewegungschallenges: stärken den Klassenzusammenhalt, weil Kinder voneinander abhängig sind (z.B. im Staffellauf, bei Partnerübungen), sich gegenseitig anfeuern oder helfen, fördern Empathie und Rücksichtnahme, wenn Kinder lernen, aufeinander zu achten, Regeln einzuhalten und Konflikte zu lösen, unterstützen die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen oder anderen Erstsprachen, weil in Bewegungssituationen weniger Sprache und mehr Handeln zählt. Gemeinsame Erfolgserlebnisse auf dem Pausenhof oder im bewegten Unterricht können Barrieren abbauen und neue Freundschaften ermöglichen. Was Eltern tun können Im Gespräch mit der Schule Als Mutter oder Vater hast du mehr Einfluss, als du vielleicht denkst. Du kannst das Thema Bewegte Schule behutsam und konstruktiv einbringen – an Elternabenden, im Gespräch mit der Lehrperson oder in der Schulkommission. Hilfreich ist eine wertschätzende Haltung: Nicht fordern, sondern interessiert nachfragen und anbieten, zu unterstützen. Mögliche Fragen, die du stellen kannst: «Wie wird in der Klasse meines Kindes Bewegung in den Unterricht integriert?» «Gibt es an unserer Schule bereits Konzepte oder Projekte zur Bewegten Schule, z.B. ‹Schule bewegt› oder ‹Purzelbaum›?» «Wie sind die Pausen gestaltet? Haben die Kinder ausreichend Platz und Material, um sich zu bewegen?» «Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Schulweg zu Fuss oder mit Pedibus noch besser zu fördern?» «Gibt es Fortbildungen für Lehrpersonen zum Thema bewegter Unterricht? Wie könnte die Schule dabei unterstützt werden?» Du kannst auch anbieten, dich in einer Projektgruppe zu engagieren, beim Organisieren einer Bewegungswoche zu helfen oder beim Elternrat ein entsprechendes Thema einzubringen. Wichtig ist, die Grenzen der Schule zu respektieren: Räume, Sicherheit, personelle Ressourcen und Vorgaben der Gemeinde spielen eine grosse Rolle. Bewegter Alltag zu Hause als Ergänzung Selbst die bewegteste Schule kann nicht alles leisten. Was du zu Hause gestaltest, ist ebenso wichtig – und ergänzt die Bemühungen der Schule ideal. Bewegung selbstverständlich machen: Plane Bewegung so selbstverständlich ein wie Zähneputzen: zu Fuss einkaufen, nach dem Znacht ein kurzer Spaziergang, am Wochenende ein Ausflug in den Wald oder auf einen Spielplatz. Kinder brauchen kein kompliziertes Fitnessprogramm – sie brauchen Gelegenheiten zum Spielen, Rennen, Klettern, Werfen, Balancieren. Hausaufgaben und Medien in Balance: Es hilft, Hausaufgaben in Blöcke zu teilen und dazwischen kurze Bewegungspausen einzubauen: ein paar Sprünge auf der Matte, drei Runden ums Haus, ein bisschen Seilspringen. Wenn dein Kind viel Zeit an Bildschirmmedien verbringt, kann eine klare Abmachung helfen: Erst Bewegung, dann Bildschirm – oder umgekehrt, aber mit bewussten Zeitfenstern. Gemeinsame Rituale: Familienrituale mit Bewegung – etwa ein fixer «Bewegungsabend» pro Woche, eine kleine Velorunde am Sonntag oder ein Wohnzimmer-Parcours bei Regen – stärken nicht nur die Fitness, sondern auch die Beziehung. Viele Kinder sind motivierter, wenn die ganze Familie mitmacht. Wenn das Kind Bewegung (noch) ablehnt Nicht jedes Kind rennt gerne über den Pausenhof. Manche Kinder sind unsicher, schüchtern, schnell ausser Atem, haben schlechte Erfahrungen gemacht oder mögen Wettkampf nicht. Das ist völlig in Ordnung – Druck und Vergleiche helfen hier nicht. Behutsam motivieren: Versuche herauszufinden, warum dein Kind ungern in Bewegung ist. Fühlt es sich im Sportunterricht überfordert? Hat es Angst, ausgelacht zu werden? Wird es schnell müde? Nimm diese Sorgen ernst. Biete kleine, überschaubare Schritte an: vielleicht zuerst ein ruhiger Spaziergang, ein gemeinsamer Hundespaziergang mit Bekannten, ein Yoga- oder Tanzvideo zu Hause. Passende Formen finden: Bewegung muss nicht immer laut und wild sein. Viele Kinder mögen: ruhiges Klettern im Wald, Balancieren, Schwimmen, Velofahren, Tanz, Trampolin, Inlineskaten oder auch Spaziergänge mit «Suchaufträgen» (z.B. «Finde fünf verschiedene Blätter»). Wichtig ist, dass sich dein Kind nicht ständig vergleichen muss und Erfolgserlebnisse hat. Rücksicht auf körperliche Einschränkungen oder Ängste: Hat dein Kind körperliche Einschränkungen, chronische Erkrankungen oder grosse Ängste, sprich mit der Kinderärzt:in und der Lehrperson. Oft lassen sich individuelle Lösungen finden: angepasste Übungen, alternative Sportarten (z.B. Wasserangebote, Reiten, spezielle Bewegungsgruppen), mehr Pausen oder eine andere Rolle im Spiel (z.B. als Schiedsrichter:in, Materialverantwortliche:r). Ziel ist nicht, dass alle Kinder das Gleiche machen, sondern dass jedes Kind in seinem Rahmen positive Bewegungserfahrungen machen kann. Falls du den Eindruck hast, dass dein Kind sich aus Angst, Scham oder depressiver Verstimmung grundsätzlich zurückzieht, ist es sinnvoll, frühzeitig fachliche Unterstützung zu suchen – zum Beispiel bei der Kinderärzt:in oder einer Kinder- und Jugendpsycholog:in. Bewegung kann dann Teil eines umfassenderen Unterstützungsplans sein.