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Eltern und Lehrpersonen als Team: Zusammenarbeit in der Schweizer Schule

Schule prägt den Alltag deines Kindes – und damit auch deinen. Ob dein Kind sich sicher fühlt, gerne lernt und bei Schwierigkeiten Unterstützung erlebt, hängt stark davon ab, wie gut du und die Lehrpersonen zusammenarbeiten. Dieser Artikel zeigt dir, wie du in der Schweizer Volksschule eine vertrauensvolle Beziehung zur Schule aufbauen kannst, welche Rechte und Pflichten du hast und was du tun kannst, wenn die Zusammenarbeit schwierig wird.

Eltern und Lehrerin sprechen miteinander
Wenn Eltern und Lehrer zusammen spannen kommt es gut © skynesher / Getty Images

Warum eine gute Beziehung zwischen Eltern und Lehrpersonen so wichtig ist

Einfluss auf Lernen und Wohlbefinden deines Kindes

Eine stabile, wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen ist kein «Nice-to-have», sondern ein wichtiger Schutzfaktor für dein Kind. Bildungs- und Entwicklungsforschung aus der Schweiz und dem deutschsprachigen Raum zeigt immer wieder: Wenn Schule und Elternhaus an einem Strang ziehen, profitieren Kinder in mehrfacher Hinsicht.

Kinder, deren Eltern mit der Schule im Gespräch sind und sich ernst genommen fühlen, zeigen häufiger:

  • mehr Freude am Lernen und grössere Motivation, sich anzustrengen,
  • weniger Schulstress und weniger Angst vor Prüfungen,
  • bessere Anpassung an neue Situationen, etwa beim Kindergarten- oder Schulwechsel,
  • ein stärkeres Gefühl von Selbstwirksamkeit: «Ich kann etwas bewirken, wenn ich mich anstrenge.»

Eine gute Eltern-Lehrpersonen-Beziehung wirkt zudem wie ein «Frühwarnsystem». Wenn es deinem Kind plötzlich schlechter geht, es öfter Bauchweh hat, nicht mehr in die Schule will oder Sozialkontakte meidet, können Schule und Elternhaus gemeinsam schneller reagieren. Studien aus der Schulforschung zeigen, dass frühe, kooperative Gespräche das Risiko verringern, dass Konflikte eskalieren oder sich Lernschwierigkeiten verfestigen.

Was Schweizer Forschung und Praxis zeigen

In der Schweiz ist die Zusammenarbeit mit Eltern ein fester Bestandteil des Auftrags der Volksschule. Leitlinien der Pädagogischen Hochschulen und kantonalen Bildungsdirektionen betonen, dass eine systematische Elternarbeit die Chancengerechtigkeit verbessert. Besonders Kinder aus sozial oder sprachlich benachteiligten Familien profitieren, wenn:

  • Informationen verständlich und mehrsprachig vermittelt werden,
  • Eltern aktiv eingeladen werden, Fragen zu stellen,
  • Eltern ermutigt werden, ihre Beobachtungen und Sorgen einzubringen.

Forschungsübersichten der Universität Zürich und der Pädagogischen Hochschule Zürich weisen darauf hin, dass eine gute Beziehung zwischen Schule und Elternhaus das Risiko für Schulabbrüche, häufige Absenzen und längerfristige psychische Belastungen senken kann. Vor allem an Übergängen – z.B. vom Kindergarten in die Primarschule oder von der Primar- in die Sekundarstufe – ist eine enge Zusammenarbeit besonders wirkungsvoll.

Rechtlicher Rahmen und Rollen in der Schweiz

Verantwortung der Eltern in der Volksschule

In allen Kantonen der Schweiz gilt eine Schulpflicht. Das bedeutet: Du bist verantwortlich dafür, dass dein Kind regelmässig und pünktlich am Unterricht teilnimmt. Dazu gehört auch, dass du Absenzen meldest und – je nach kantonaler Regelung – ein Arztzeugnis organisierst, wenn dein Kind länger krank ist.

Als Elternteil hast du ausserdem die Aufgabe:

  • an wichtigen Gesprächen (z.B. Standortgesprächen, Elternabenden) teilzunehmen oder dich abzumelden, wenn du verhindert bist,
  • dein Kind beim Lernen zu Hause zu unterstützen, ohne ihm die Aufgaben abzunehmen,
  • auf einen geregelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf, Medienzeiten und Pausen zu achten,
  • respektvoll mit Lehrpersonen und anderen Eltern zu kommunizieren.

Rein rechtlich bleibt die Erziehungsverantwortung bei dir als Elternteil. Die Schule übernimmt einen Bildungs- und Mit­erziehungsauftrag. Am besten funktioniert es, wenn ihr euch als «geteilte Verantwortung» versteht: Du kennst dein Kind in seinem familiären und persönlichen Umfeld, die Lehrperson kennt es im schulischen und sozialen Rahmen der Klasse.

Auftrag der Schule und der Lehrpersonen

Die Volksschule hat gemäss kantonalen Schulgesetzen und Lehrplänen den Auftrag, alle Kinder zu bilden und in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Lehrpersonen sind Fachpersonen für Unterricht und Förderung. Typische Aufgaben von Lehrpersonen sind:

  • den Unterricht zu planen und an den Lehrplan 21 anzupassen,
  • Leistungen zu beobachten und fair zu beurteilen,
  • Förderangebote zu koordinieren (z.B. integrative Förderung, Therapie),
  • Eltern regelmässig und verständlich über Lernstand und Verhalten zu informieren,
  • bei Auffälligkeiten frühzeitig das Gespräch mit dir zu suchen.

Wichtig ist: Lehrpersonen sollen Entscheidungen nachvollziehbar begründen und transparent machen, welche Ziele sie mit deinem Kind verfolgen. Umgekehrt hilft es, wenn du offen sagst, welche Erwartungen und Fragen du hast. Auch wenn ihr nicht immer gleicher Meinung sein werdet, ist die Basis eine professionelle Zusammenarbeit mit gegenseitigem Respekt.

Elternmitwirkung, Elterndelegierte und Elternrat

In den meisten Kantonen gibt es Formen der organisierten Elternmitwirkung – zum Beispiel Elternräte oder Elterndelegierte. Diese Gefässe sind nicht dazu da, individuelle Konflikte einzelner Familien mit Lehrpersonen zu verhandeln. Sie haben andere Aufgaben, etwa:

  • Mitorganisation von Schulfesten, Klassenanlässen oder Projektwochen,
  • Mitwirkung bei Schulweg- und Verkehrssicherheitsprojekten,
  • Unterstützung von Präventions- und Gesundheitsförderungsprojekten (z.B. Medienkompetenz, Bewegung, Ernährung),
  • Stärkung des Austauschs zwischen Eltern und der Schulleitung auf übergeordneter Ebene.

Wenn du konkrete Sorgen zu deinem Kind oder einer Lehrperson hast, solltest du dich immer zuerst direkt an die zuständige Lehrperson oder – falls nötig – an die Schulleitung wenden. Der Elternrat kann dich moralisch unterstützen, ersetzt aber nie das persönliche Gespräch.

Formen der Zusammenarbeit im Schulalltag

Alltagskommunikation und kurze Rückmeldungen

Im Kindergarten und in der Unterstufe findet viel Kommunikation «zwischen Tür und Angel» statt: beim Bringen oder Abholen deines Kindes. Diese kurzen Momente eignen sich gut für praktische Absprachen (z.B. «Er war heute müde, bitte etwas Rücksicht» oder «Sie hat noch Medikamente im Rucksack»), aber weniger für komplexe Anliegen.

Für ausführlichere Themen braucht es ein eigenes Gespräch. Du kannst jederzeit um einen Termin bitten – per Mitteilungsheft, Hausaufgabenheft, E-Mail oder über eine Schul-App, falls deine Schule eine nutzt. Hilfreich ist, wenn du dabei kurz dein Anliegen beschreibst, zum Beispiel:

«Ich mache mir Sorgen, weil Lea seit einigen Wochen nicht mehr gerne zur Schule geht. Können wir einen Gesprächstermin vereinbaren?»

Digitale Kanäle wie E-Mails oder Apps erleichtern den Austausch, bergen aber auch Risiken: schriftliche Nachrichten können schnell missverstanden werden, vor allem wenn es um Kritik geht. Für sensible Themen ist ein persönliches Gespräch – vor Ort oder telefonisch – fast immer besser.

Elternabende und Informationsveranstaltungen

Elternabende sind wichtige Orientierungspunkte im Schuljahr. Typische Anlässe sind:

  • Elternabende zum Schul- oder Kindergartenstart,
  • Informationsveranstaltungen zu Übergängen (z.B. in die Sekundarstufe),
  • Projektpräsentationen oder Themenabende (z.B. Mediennutzung, Berufsorientierung).

An Elternabenden erfährst du, wie die Lehrperson arbeitet, welche Schwerpunkte sie setzt und welche Regeln in der Klasse gelten. Du bekommst einen Überblick über Leistungsbeurteilung, Hausaufgabenpraxis, Ausflüge und Projekte. Gleichzeitig lernst du andere Eltern kennen – ein wichtiger Faktor, damit auch dein Kind soziale Kontakte pflegen kann.

So kannst du Elternabende gut nutzen:

  • Notiere dir im Vorfeld Fragen (z.B. «Wie werden Hausaufgaben kontrolliert?» oder «Wie wird mit Handys umgegangen?»).
  • Höre zu, wie andere Eltern die Situation erleben – oft merkst du, dass du mit deinen Fragen nicht allein bist.
  • Halte dir stichwortartig fest, was für dein Kind besonders wichtig ist.
  • Vereinbare bei persönlichen Themen (z.B. Lernschwierigkeiten deines Kindes) einen separaten Termin – Elternabende sind dafür nicht geeignet.

Standortgespräche und Förderplan-Gespräche

Standortgespräche sind strukturierte Gespräche über den Lern- und Entwicklungsstand deines Kindes. Sie finden in der Regel mindestens einmal pro Schuljahr statt, bei Kindern mit besonderem Förderbedarf häufiger. Oft nehmen neben der Klassenlehrperson auch Fachlehrpersonen oder schulische Heilpädagog:innen teil.

Bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen wird häufig ein individueller Förderplan erstellt. Darin wird festgehalten:

  • welche Stärken dein Kind hat,
  • welche Schwierigkeiten bestehen,
  • welche Ziele in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen,
  • womit Schule und Eltern diese Ziele unterstützen.

Zur Vorbereitung auf ein Standort- oder Förderplan-Gespräch kannst du:

  • zu Hause beobachten, was deinem Kind leicht oder schwer fällt (z.B. Hausaufgaben, soziale Situationen, Konzentration),
  • dein Kind – je nach Alter – fragen, wie es die Schule erlebt und was es sich wünscht,
  • Fragen und Anliegen stichwortartig aufschreiben.

In der Oberstufe sind Schüler:innen oft selbst bei den Gesprächen dabei, teilweise führen sie diese auch mit. Das stärkt ihre Eigenverantwortung und entspricht entwicklungspsychologischen Empfehlungen: Jugendliche sollen zunehmend mitentscheiden und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Du bleibst aber wichtige:r Begleiter:in und kannst deinem Kind helfen, seine Sicht einzubringen.

Gelingensfaktoren: So entsteht Vertrauen

Auf Augenhöhe und mit klaren Erwartungen

Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen – es wächst aus wiederholten, verlässlichen Erfahrungen. Ein paar Grundhaltungen helfen, damit die Beziehung zwischen dir und den Lehrpersonen tragfähig wird:

  • Rollen anerkennen: Du bist Expert:in für dein Kind und seine Lebenssituation, die Lehrperson ist Fachperson für Unterricht und schulische Förderung. Beide Perspektiven sind wichtig.
  • Wertschätzend sprechen: Formuliere Kritik möglichst konkret («Mir fällt auf, dass …») statt allgemein («Die Schule macht immer …»).
  • Klar abmachen, wer was tut: Nach einem Gespräch sollte klar sein, welche nächsten Schritte die Schule übernimmt und was du zu Hause unterstützen kannst.
  • Nachfragen, wenn etwas unklar ist: Fachbegriffe (z.B. «integrative Förderung», «SHP», «Übergangsangebote») dürfen und sollen erklärt werden.

Viele Missverständnisse entstehen, wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben. Sage offen, was dir wichtig ist (z.B. «Mir ist wichtig, dass mein Kind bei Schwierigkeiten nicht blossgestellt wird») und frage umgekehrt nach, was die Lehrperson von dir erwartet (z.B. «Wie soll ich bei den Hausaufgaben unterstützen?»).

Kommunikationsregeln – analog und digital

In einer Zeit von E-Mails, Chats und Schul-Apps braucht es klare Absprachen. Hilfreiche «Dos & Don’ts»:

  • Dos: Nutze E-Mails oder Apps für organisatorische Infos, kurze Rückmeldungen oder Terminabsprachen. Schreibe möglichst sachlich und respektvoll.
  • Don’ts: Versende keine langen Beschwerdetexte spätabends oder am Wochenende. Schreibe nicht in Eltern-WhatsApp-Gruppen über einzelne Lehrpersonen oder Kinder herabsetzend – das schadet dem Vertrauensklima.
  • Bei Kritik: Vereinbare ein Gespräch und schildere deine Beobachtungen («Mein Kind kommt oft traurig nach Hause»), nicht nur deine Bewertungen («Sie sind unfair»).

Wenn ein Problem nicht gelöst werden kann, ist eine Eskalation in der Schweiz klar geregelt: zuerst das direkte Gespräch mit der Lehrperson, dann – falls nötig – mit der Schulleitung und erst danach mit der Schulbehörde oder externen Stellen. Diese Schrittfolge ist auch in vielen kantonalen Schulordnungen so vorgesehen.

Kulturelle und sprachliche Unterschiede überbrücken

Die Schweiz ist vielfältig – in Sprachen, Kulturen und Bildungshintergründen. Gerade dann ist es wichtig, dass niemand aus Unsicherheit oder Sprachbarrieren aus der Zusammenarbeit herausfällt. Viele Gemeinden bieten Möglichkeiten der Unterstützung:

  • Dolmetschdienste für Elterngespräche,
  • zweisprachige Informationsmaterialien,
  • Elternbildungskurse oder Elterncafés,
  • Schulsozialarbeit oder Elterncoaches, die beim Übersetzen von Erwartungen helfen.

Du darfst und sollst nach Unterstützung fragen, wenn du dich unsicher fühlst – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. Wenn du bestimmte Begriffe oder Abläufe nicht verstehst, bitte die Lehrperson, diese einfacher oder in einer anderen Sprache zu erklären. Eine offene Nachfrage ist immer besser als ein Rückzug aus Scham.

Wenn die Zusammenarbeit ins Stocken gerät

Signale ernst nehmen

Manchmal spürst du als Erste:r, dass etwas in der Schule nicht stimmt. Typische Signale können sein:

  • Dein Kind will plötzlich nicht mehr in die Schule oder in bestimmte Stunden.
  • Es klagt häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen, ohne dass eine körperliche Ursache gefunden wird.
  • Es wirkt ängstlich vor Prüfungen oder bestimmten Lehrpersonen.
  • Es zieht sich zurück, wirkt gereizt oder erzählt gar nichts mehr vom Schultag.

Solche Zeichen bedeuten nicht automatisch, dass «die Schule schuld» ist. Sie sind aber ein Hinweis, genauer hinzuschauen. Entwicklungspsychologische Studien und Empfehlungen von Fachgesellschaften betonen, dass frühe Gespräche mit der Schule helfen, Belastungen abzufedern, bevor sie chronisch werden oder sich in psychischen Erkrankungen verfestigen.

Schrittweise vorgehen – der Schweizer Weg

Wenn du dir Sorgen machst oder unzufrieden bist, hat es sich bewährt, in klaren Schritten vorzugehen:

  1. Gespräch mit der zuständigen Lehrperson bzw. Klassenlehrperson: Schildere deine Beobachtungen und frage nach der Sicht der Lehrperson. Versucht gemeinsam, konkrete nächste Schritte zu vereinbaren und einen Zeitpunkt, um diese zu überprüfen.
  2. Einbezug der Schulleitung: Wenn trotz mehrerer Gespräche keine Verbesserung eintritt oder der Konflikt sehr belastend ist, kannst du die Schulleitung kontaktieren. Sie hat die Verantwortung für die Qualität der Schule und kann vermitteln, Strukturen anpassen oder weitere Fachpersonen einbeziehen.
  3. Weitere Stellen bei Bedarf: In einem nächsten Schritt können – je nach Situation – Schulsozialarbeit, Schulpsychologischer Dienst oder Erziehungsberatung hinzugezogen werden. Bei gravierenden und anhaltenden Konflikten ist in manchen Kantonen auch die Schulpflege oder Schulbehörde involviert.

Dieser Weg kann sich manchmal lang anfühlen, ist aber wichtig, damit alle Beteiligten gehört werden und Lösungen tragfähig sind. Dokumentiere für dich wichtige Vorkommnisse und Absprachen schriftlich – sachlich, ohne Schuldzuweisungen. Das hilft dir, den Überblick zu behalten.

Wenn Vertrauen dauerhaft beschädigt ist

Trotz aller Bemühungen kann es vorkommen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dir, deinem Kind und einer Lehrperson oder einer Schule so belastet ist, dass eine konstruktive Zusammenarbeit kaum mehr möglich scheint. Dann stellen sich schwierige Fragen:

  • Ist ein Klassenwechsel innerhalb der Schule möglich und für dein Kind sinnvoll?
  • Könnte ein Schulwechsel – im Rahmen der kantonalen Bestimmungen – eine Entlastung bringen?
  • Welche Risiken (z.B. neue soziale Anpassung, längerer Schulweg) sind damit verbunden?

Solche Schritte sollten stets gut abgewogen und möglichst mit Fachpersonen (z.B. Schulpsychologischer Dienst, Erziehungsberatung) besprochen werden. Forschung und Praxis zeigen, dass ein Wechsel dann hilfreich sein kann, wenn:

  • die aktuelle Situation über längere Zeit stark belastend ist,
  • mehrere Lösungsversuche ausgeschöpft wurden,
  • dein Kind klar unter der Situation leidet (z.B. Schlafstörungen, starke Schulangst).

Wichtig ist, dein Kind in altersangemessener Weise einzubeziehen und ihm zu erklären, was passiert und warum. Ein Schul- oder Klassenwechsel ist kein «Versagen», sondern kann ein Schritt sein, um die Belastung zu reduzieren. Trotzdem sollte immer zuerst geprüft werden, ob eine Verbesserung in der bestehenden Situation möglich ist.

Checkliste: Was du als Elternteil konkret tun kannst

Vor dem Schulstart oder Schulwechsel

Übergänge sind sensible Phasen. Du kannst viel dazu beitragen, dass dein Kind sich sicher fühlt – und dass die Zusammenarbeit mit der Schule von Anfang an gut startet:

  • Nimm Kennenlernanlässe wahr (z.B. Schnuppermorgen, Elterninfo-Abende). Sie bieten eine gute Gelegenheit, die Lehrperson und die Räumlichkeiten kennenzulernen.
  • Überlege dir, welche Informationen für die Schule hilfreich sein könnten: Besondere Stärken, Hobbys, gesundheitliche Besonderheiten, familiäre Situation (z.B. Patchwork, Trennung).
  • Sprich mit deinem Kind über seine Gefühle: Worauf freut es sich? Wovor hat es Angst? Versichere ihm, dass es okay ist, aufgeregt oder verunsichert zu sein.
  • Klärt gemeinsam praktische Dinge: Schulweg, Znüni, Material. Verlässliche Routinen geben Sicherheit.

Während des Schuljahres

Auch im laufenden Schuljahr kannst du aktiv zu einer guten Zusammenarbeit beitragen – und zwar nicht nur dann, wenn es Probleme gibt:

  • Halte in angemessenem Rahmen Kontakt: kurze Rückmeldungen, wenn dir etwas positiv auffällt («Mein Sohn kam heute begeistert von der Exkursion heim»).
  • Nutze Elternabende und Standortgespräche, um offene Fragen zu klären, und notiere Abmachungen.
  • Gib Bescheid, wenn sich bei euch zu Hause etwas ändert, was die Schule wissen sollte (z.B. neue Bezugsperson, geänderter Betreuungsplan).
  • Ermutige dein Kind, eigene Anliegen anzusprechen – je älter es ist, desto wichtiger wird die direkte Kommunikation zwischen ihm und der Lehrperson.

In belastenden Phasen

Familien durchlaufen manchmal schwierige Zeiten – Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit, psychische Belastungen. Die Schule kann solche Situationen nicht lösen, aber sie kann entlasten, wenn sie informiert ist. Gerade neuere Leitlinien aus Pädiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Familie, Schule und Fachstellen für die psychische Gesundheit von Kindern ist.

In herausfordernden Phasen kannst du:

  • frühzeitig das Gespräch suchen und – soweit möglich – schildern, was gerade los ist,
  • gemeinsam mit der Schule überlegen, welche Anpassungen vorübergehend helfen könnten (z.B. reduzierte Hausaufgaben, Lernziele anpassen, zusätzliche Unterstützung),
  • bei Bedarf externe Hilfe nutzen (z.B. Erziehungsberatung, Kinder- und Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie),
  • deinem Kind erklären, dass es okay ist, Hilfe anzunehmen – von dir, von Lehrpersonen und von Fachpersonen.

Ein offener Austausch mit der Schule bedeutet nicht, dass du «alles» preisgeben musst. Du entscheidest, welche Informationen nötig sind, damit Lehrpersonen dein Kind verstehen und angemessen reagieren können. Je besser sie die Situation einordnen können, desto eher können sie Belastungen auffangen – zum Beispiel mit mehr Verständnis, klaren Strukturen oder einem geschützten Rahmen.

Am Ende geht es immer um dasselbe Ziel: dass dein Kind sich in der Schule sicher, gesehen und ernst genommen fühlt. Wenn du und die Lehrpersonen als Team zusammenarbeiten, steigen die Chancen dafür deutlich – gerade dann, wenn es schwierig wird.

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