Facebook Pixel

Was bringt HarmoS genau?

  • Einschulung & obligatorische Schulzeit:
    Mit HarmoS wird der bisher freiwillige Kindergarten ein Teil der obligatorischen Schulzeit. Damit vereinheitlicht HarmoS die heutige Mehrheitslösung in der Schweiz: heute besuchen in der Schweiz rund 86% der Kinder während zwei Jahren den Kindergarten. In 14 Kantonen ist der Besuch mindestens eines Kindergartenjahres obligatorisch oder wird ein Kindergarten-Obligatorium per 2008/2009 umgesetzt. Die obligatorische Schulzeit verlängert sich damit von 9 auf 11 Jahre und beginnt nicht im Alter von 6, sondern von 4 Jahren. HarmoS ändert auch den Stichtag: Neu kommen Kinder in den Kindergarten, die vor Ende Juli ihren 4. Geburtstag feiern. Bisher war Stichtag 1. Mai. Die jüngsten Kinder im Kindergarten könnten somit höchstens drei Monate jünger sein als heute.
  • Kindergarten
    HarmoS ändert nichts an den Inhalten des bisherigen Kindergartens. Die Kantone können am traditionellen Kindergarten festhalten oder eine Basisstufe für die ersten vier Jahre oder eine Grundstufe für die ersten drei Jahre Schule einführen. Der Entscheid über die Einführung einer Grund- oder Basisstufe hat mit dem Beitritt zum HarmoS-Konkordat nichts zu tun. Wer sein Kind nicht in den Kindergarten schicken möchte, kann eine Ausnahmebewilligung einholen. Kantone können Ausnahmen individuell handhaben. Der Kanton Uri hat bereits ein unbürokratisches Verfahren angekündigt – die Eltern könnten entscheiden, das Kind ein Jahr später einschulen zu lassen.
  • Änderungen der Schule
    HarmoS bringt eine Einführung von Blockzeiten und die Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts. Die Lehrpläne werden für alle Sprachregionen vereinheitlicht. Zudem bringt HarmoS einheitliche Bildungsstandards. Darin werden Kompetenzen beschrieben, die Schülerinnen und Schüler mindestens erreichen sollen. Stichproben werden überprüfen, ob diese Standards erreicht werden.
  • Tagesschule
    HarmoS verlangt von den Kantonen, ein bedarfsgerechtes Angebot an Tagesstrukturen bereitzustellen. Ob die Kinder am Morgenempfang, am Mittagstisch oder an der Nachmittagsbetreuung teilnehmen, bleibt den Eltern überlassen. Die Tagesstrukturen werden nach Bedarf geschaffen und sind auch kostenpflichtig.
  • Lehrpersonen
    Der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer unterstützen den Beitritt zu HarmoS. Der Verband der Kindergärtnerinnen hat sich aufgelöst und wurde in den Verband der Lehrerinnen und Lehrer eingegliedert.

Was bringt HarmoS nicht?

Vieles, das zurzeit in der öffentlichen Diskussion mit HarmoS in Verbindung gebracht wird, ist eine Ideologiedebatte und hat mit den Inhalten von HarmoS gar nichts zu tun.

  • Kein Thema von HarmoS: Obligatorisch zu nutzende Tagesstrukturen oder Tagesschulen
  • Kein Thema von HarmoS: Organisation des Langzeitgymnasiums
  • Kein Thema von HarmoS: Abschaffung von Sonderklassen
  • Kein Thema von HarmoS: Einführung eines Sozialindex
  • Kein Thema von HarmoS: Sämtliche Fragen im Zusammenhang mit der Organisation des Unterrichts (Stundenplan, Anzahl der Lektionen etc). Ebenso sind alle Fragen im Zusammenhang mit der Erteilung des Unterrichts durch Klassenlehrpersonen oder Fachlehrpersonen oder deren Ausbildung kein Thema von HarmoS.
  • Kein Thema von HarmoS: Hochdeutsch als Unterrichtssprache ab Kindergarten

 

Unbestritten wird HarmoS mit Aufwänden verbunden sein. Doch wegen zusätzlichen Kosten dringend notwendige und auch von der Wirtschaft unterstützte Vereinheitlichungen der Schule zu verhindern, ist kurzfristig gedacht. Zudem: Viele der in Leserbriefen und Beiträgen vorgerechneten Mittelaufwände betreffen in vielen Kantonen bereits vor und parallel zu HarmoS laufende Schulreformen. Auch die Kantone, de HarmoS vorerst nicht beitreten werden, verfolgen dennoch ihre Schulreformen weiter.

Es ist zu erwarten, dass das HarmoS-Konkordat zu einer Beruhigung im Bereich der obligatorischen Schule führen wird. Es beruht denn auch auf einem breiten Konsens und vereinheitlicht diejenigen strukturellen Eckwerte, die heute in einer Mehrheit der kantonalen Schulsysteme bereits Anwendung finden.

Text: Kathrin Fischer

Weitere Artikel zu diesem Thema

«Mehr Pippi Langstrumpf an unseren Schulen!»
«Die Vision einer Schule der Zukunft»

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter