Internetnutzung der Kinder: zu Unrecht verteufelt

Immer wieder werden dem Internetkonsum von Kindern negative Auswirkungen nachgesagt. Deutsche Forscher haben nun herausgefunden, dass viele dieser Thesen wissenschaftlich nicht belegbar sind, trotzdem sind sie weit verbreitet.

 

Internetnutzung der Kinder: zu Unrecht verteufelt

Bereits die Kleinsten wachsen mit Tablets auf. Foto: Nadezhda1906, iStock, Thinkstock


«Digitale Demenz. Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen», so nannte der Gehirnforschers Manfred Spitzer sein Buch. Mit diversen Thesen hat er darin vor dem Internetkonsum gewarnt, so zum Beispiel: Computer machen doof und Rechner sind Lernverhinderungsmaschinen, die genauso süchtig machen wie Heroin. Nun haben die Forscher Prof. Dr. Markus Appel und die Diplom-Psychologin Constanze Schreiner von der Universität Koblenz-Landau die Thesen widerlegt.
 

Die Internetnutzung der Kinder geht mit Wissenszuwachs einher

Mit sogenannten Meta-Analysen, mit der die Forscher den durchschnittlichen Trend der wissenschaftlichen Ergebnissen ermittelt haben, kamen sie zum Ergebnis, dass sich die Internetnutzung positiv auf Kinder auswirkt. Weder der soziale Austausch noch das gesellschaftlich-politische Engagement werde dadurch eingeschränkt, berichtete das Nachrichtenportal heise.de vor einer Woche. Es gebe zwar in wenigen wissenschaftlichen Bereichen Überlappungen zwischen Studien und Spitzers Thesen, doch die Zusammenhänge zwischen der Internetnutzung von Kindern und Ausprägungen wie aggressivem Verhalten seien durchschnittlich eher schwach. Zudem zeigten experimentelle Studien, dass mit persönlich vermittelten Lehrmethoden in Kombination mit Computern der beste Wissenszuwachs generiert wurde.
 

Internetnutzung der Kinder: Spitzers Thesen weit verbreitet

Spitzers Buch wurde damals von den Massenmedien sehr gut aufgenommen, sie verbreiteten die Thesen in Windeseile. Appel und Schreiner vermuten, dass die Thesen zu wenig hinterfragt wurden, aufgrund der Überforderung «sich einen Überblick über die vielfältigen Befunde zu verschaffen». Und sie doppeln nach: «Lehrkräfte und Eltern sind für Kinder und Jugendliche keine kompetenten Gesprächspartner in Sachen Internet.»

Doch wer sind diese kompetenten Gesprächspartner dann? Vielleicht wird es ja an der Pädagogischen Hochschule in Zukunft den Lehrgang «Internetnutzung geben».
 

 

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