Jungautor Stefan Bachmann: Kein Genie, sondern ein verkanntes Arbeitstier

Vier Bücher hatte Stefan Bachmann bereits geschrieben, bevor er mit sechzehn mit seinem Bestseller «The Peculiar» beginnt. Ausserdem spielt der Jungautor fünf Instrumente. Als Genie würde sich der geerdete junge Mann aber nie bezeichnen. Er schreibt den Erfolg eher seinem Fleiss und seiner Mutter, die auch als Lehrerin fungierte, zu.

Stefan Bachmann an der Limmat

Stefan Bachmann an der heimischen Limmat. Bekannt ist er aber bis nach Übersee.
Foto: Ronnie Zumbühl

Im Alter von etwa sechs Jahren beginnt Stefan Bachmann mit den ersten Schreibversuchen. Zehn Jahre und vier Bücher später setzt er sich an «The Peculiar», der sich später als Bestseller entpuppt. Nun ist er 21 und seinen Fantasyroman gibt es seit Anfang dieses Jahres in der deutschen Version «Die Seltsamen» vom Diogenes-Verlag. Und obwohl das, angesichts seines Alters, doch sehr sonderbar anmutet, ist er ein sehr zugänglicher junger Mann. Auffallen würde er höchstens insofern, als er entgegen dem Zeitgeist seiner Altersgenossen – zum Termin mit mir – äusserlich eben nicht auffällt: blaues Hemd, kurze Hose und eine Mütze.

Stefan Bachmann der Homeschooler

Angepasst war Bachmann noch nie. Auch in der Schule musste er sich nicht verbiegen, damit er einer Gruppe angehört. Denn seine Gruppe war die Familie – er wurde zuhause unterrichtet. Damit ist er einer von wenigen Homeschool unterrichteten Kindern in der Schweiz. Beim Homeschooling werden die Kinder zuhause unterrichtet – oftmals von den Eltern – aber unter Obhut der Schulbehörde. So waren auch die Eltern von Stefan Bachmann dazu verpflichtet, jährlich die Adliswiler Schulbehörde über das Curriculum, den Lehrplan, in Kenntnis zu setzen. Bachmann sass aber nicht den ganzen Tag in seinem Zimmer, den Kopf in Büchern vertieft. «Es wird oft gedacht, dass Homeschoolers nur zuhause sind. So ist das aber nicht», so Bachmann. Am Morgen wurde er jeweils von seiner Mutter nach einem festen Stundenplan unterrichtet. Auch Rechenkenntnisse musste sich der Mathematikmuffel erwerben. Nachmittags verliess er das Zuhause im zürcherischen Adliswil und besuchte den Musik- und Sportunterricht an der öffentlichen Schule.

Stefan Bachmann der Multiinstrumentalist

Von der nachmittäglichen Ausbildung hat es ihm vor allem der Musikunterricht angetan – Bachmann spielt fünf Instrumente, unter anderem die Orgel, die er heute mit Komposition am Zürcher Konservatorium studiert. Aber so weit wäre es nicht gekommen, wenn seine Mutter nicht darauf gedrängt hätte, es zu lernen. «Ich mochte das Klavier spielen zu Beginn gar nicht, erst nach zwei Jahren entdeckte ich es für mich», so Bachmann. Wenn er selber hätte wählen können, hätte er vermutlich nach der zweiten Stunde damit aufgehört, scherzt der aufgestellte Jungautor. Aber seine Mutter erkannte sein Talent.

Stefan Bachmann das Arbeitstier

Für Stefan Bachmann ist klar: In jedem Menschen schlummerten versteckte Talente, jedoch würden sie in den öffentlichen Schulen nicht immer erkannt oder nicht sonderlich gefördert. Er sei froh, zuhause unterrichtet worden zu sein. Auf die Frage, ob er dank Homeschooling mehr Zeit für das Schreiben hatte, reagiert er aber nicht entschieden mit Ja. Zumal er nicht weiss, wie es gewesen wäre, wenn er die öffentliche Schule besucht hätte, «wir konnten unsere Zeit aber gezielter einsetzen». Talent allein war auf jeden Fall nicht die Triebfeder für seine literarischen Erfolge. Allem voran war es sein Faible für Geschichten, sein Fleiss sowie die Unterstützung der Familie.

Der Übertritt ans Konservatorium mit elf Jahren war für ihn keine grosse Umstellung, da er nicht nur zuhause unterrichtet wurde. Die Umstellung war eher kultureller Natur: Bachmann – geboren und bis zum dritten Lebensjahr in den USA – war bis zum Eintritt ins Konservatorium fast nur von anderen Amerikanern umgeben.

Folglich sind auch seine Bücher in englischer Sprache geschrieben. Obwohl er auch der deutschen Sprache mächtig ist – Bachmann ist zweisprachig aufgewachsen – schleichen sich immer wieder englische Ausdrücke ins Gespräch. Nun ist sein Debüt und Bestseller im März dieses Jahres auch auf Deutsch erschienen. «Die Seltsamen. Doch seltsam sei das für ihn nicht, kokettiert er. Auch in vielen anderen Kindern würden grosse Geschichten schlummern.

Die Seltsamen

Inhaltsangabe «Die Seltsamen»

Bartholomew Kettle ist ein Mischling – halb Mensch, halb Feenwesen. Besonders wohl fühlt er sich dabei nicht in seiner Haut. Lieber wäre er ein ganz normaler Junge, anstatt ein Seltsamer. Denn Seltsame werden verachtet und verschwinden immer wieder auf mysteriöse Art und Weise. Einmal wird er sogar Zeuge davon: Verstohlen beobachtet er durchs Fenster, wie eine geheimnisvolle Dame auftaucht, urplötzlich Federn aufwirbelt und mit einem weiteren Mischlingskind verschwindet. Ab da ist ihm klar: Ich bin der Nächste. Und der einzige, der ihm helfen will, ist ein tollpatschiger, junger Politiker.

Mehr zum Buch «Die Seltsamen» finden Sie hier bei Diogenes Verlag.

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