Wie sich Jungen in der Schule verbessern können

In Ihrer Studie kommen Sie zu dem Schluss, dass vor allem Buben Schulfächer stärker als «männlich» oder «weiblich» wahrnehmen. Was hat das für Folgen?

Wie schon gesagt, führt das bei Jungen zu Desinteresse an angeblich «weiblichen» Fächern. Als Folge hat der Abstand der Jungen auf die Mädchen beim Pisa-Test im Lesen in den letzten Jahren noch zugenommen, während die Mädchen ihren Abstand in der Mathematik verringert haben. Das hat nichts mit Begabung zu tun, aber etwas mit der entsprechenden Fachdidaktik und viel mit der Einstellung der Lernenden diesen Fächern gegenüber. Und, nicht zufällig, hat es mit der Gleichstellung der Geschlechter zu tun: In Ländern mit weit fortgeschrittener Gleichstellung schneiden Mädchen in Mathematik gleich gut ab wie Jungen.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Schule ändern, damit auch Jungen wieder besser werden?

Aufgrund unserer Studie sehen wir den Handlungsbedarf mehr bei den Eltern und in der Gesellschaft als Ganzes. Sie sollten sich gut überlegen, welche Signale sie an die heranwachsenden Jungen aussenden. Ermöglichen sie ihnen, ihr ganzes Begabungspotenzial und neue, zeitgemässe Männlichkeitsvorstellungen zu entwickeln? Daneben gibt es auch an den Schulen Verbesserungspotenzial, sowohl was die Förderung der Buben wie der Mädchen angeht. Es braucht neue didaktische Ansätze in den erwähnten Fächern zugunsten des jeweils benachteiligten Geschlechts. Und auch die Lehrpersonen sollten sich regelmässig fragen, ob die Männlichkeit beziehungsweise Weiblichkeit, die sie selbst verkörpern und praktizieren, sich günstig auf ihre Schülerinnen und Schüler auswirkt.

Was müssten Eltern konkret verbessern?

Eltern sollen ihre Kinder interessiert, verständnisvoll und möglichst unvoreingenommen begleiten und mit ihnen im Gespräch sein. Auch sie sollen die Stärken ihrer Kinder wertschätzen und gleichzeitig deren Schwächen nicht aus dem Blick verlieren. Jungen brauchen deutliche Grenzsetzungen und klare Vereinbarungen im Alltag. Vor allem brauchen sie praktische Gelegenheiten, in denen sie ihre Fähigkeiten erproben und steigern können. Kontraproduktiv ist es, Jungen zu Opfern einer angeblich weiblichen Schule zu erklären.

Interview: Angela Zimmerling im August 2011

Die wichtigsten Garanten für Schulerfolg

Elisabeth Grünewald-Huber erklärt, dass folgende Punkte die Schulleistungen verbessern können:

  • eine positive Einstellung zur Schule
  • ein breites Interesse und Neugier (was mit Geschlechterstereotypen unvereinbar ist)
  • ein solider Einsatz während der Schullektionen und bei den Hausaufgaben
  • eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung

 

 

Elisabeth Grünewald-Huber ist  Professorin an der Pädagogischen Hochschule Bern.

Elisabeth Grünewald-Huber ist Professorin am Institut Vorschulstufe und Primarstufe der Pädagogischen Hochschule Bern. Zusammen mit Prof. Dr. Andreas Hadjar und ihrem Team hat sie das Projekt «Faule Jungs und strebsame Mädchen? Zusammenhänge zwischen Geschlechterbildern und Leistungsunterschieden zwischen Schülern und Schülerinnen. Eine empirische Studie» durchgeführt.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Themenbereichen Genderthematik, geschlechterbezogene Pädagogik und Didaktik, Bildungsforschung und -entwicklung im Genderbereich.
 

Foto: privat

 

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