Traditionelle Rollenvorstellungen schaden Jungen

Mädchen und Jungen zeigen unterschiedliche Leistungen in der Schule.

Mädchen haben eine positivere Einstellung zur Schule als Jungen. Foto: © Ilka-erika Szasz-fabian | Dreamstime.com

Solche stereotypen Denkmuster führen zu «Wahrnehmungs- und Lerneinschränkungen», sagt Elisabeth Grünewald-Huber (Lesen Sie dazu auch das Interview mit der Professorin zum Thema Jungen in der Schule). Die Kinder mit traditionellen Rollenvorstellungen glauben, dass sie im Erwachsenenleben nur eine Aufgabe haben werden. Jungen sehen sich als Haupternährer, aber nicht als Hausmann. Sie gehen davon aus, dass diese Rollen klar vorgegeben sind, was offensichtlich ihre Lernmotivation für die Schule senkt. Ausserdem führt das stereotype Rollenverständnis dazu, dass sie sich nicht für alle Fächer interessieren und die «weiblichen» Sprachfächer (Jungen) beziehungsweise die «männlichen» Fächer wie Mathematik (Mädchen) vernachlässigen.

Die Studie zeigte ausserdem, dass neben den traditionellen Geschlechterrollenvorstellungen andere Faktoren für den Schulerfolg entscheidend sind. So spielt die Einstellung zu Schule und zum Lernen eine entscheidende Rolle. In der Untersuchung war sie bei Mädchen positiver als bei den Buben. Viel stärker auf die Schulleistungen wirke sich zudem die familiäre Herkunft aus. Das kulturelle Milieu und der Bildungsstand der Eltern beeinflussen den Lernerfolg des Kindes.

Zwischen dem Geschlecht der Lehrperson und dem Schulerfolg bei Jungen gibt es übrigens gemäss aller bisherigen Untersuchungen keinen Zusammenhang. Nicht das Geschlecht der Lehrperson ist entscheidend, sondern der Unterrichtsstil. «Unsere Studie hat gezeigt, dass die Leistungen besser sind, wenn Eltern und Lehrpersonen einen autoritativen Umgangsstil mit Kindern und Jugendlichen pflegen», sagt Grünewald-Huber. Dieser würde sich durch eine klare Führung in Kombination mit Einfühlungsvermögen und Unterstützung auszeichnen.

Elisabeth Grünewald-Huber betont zudem, dass die Debatte um das schlechte Abschneiden der Knaben sehr unsachlich geführt werde. Denn die Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt es nur auf der Sekundarstufe. In der Primarstufe oder in der späteren Ausbildung sind Buben genauso gut oder sogar besser als die Mädchen. Schaut man sich die Masterdiplome an den Universitäten an, werden rund 54 Prozent an Männer vergeben, 46 Prozent an Frauen. Bei den Absolventen mit Doktortitel sind rund 58 Prozent Männer und nur 42 Prozent Frauen.

Text: Angela Zimmerling

Weitere Informationen zum Thema Schulleistungen bei Jungen und Mädchen

  • Mehr zur Studie «Faule Jungs - strebsame Mädchen?» der Pädagogischen Hochschule Bern finden Sie unter www.faulejungs.ch
  • Den Artikel «Böse Buben. Weshalb vor allem Knaben in der Schule Probleme machen» von Allan Guggenbühl in NZZ/Folio finden Sie unter www.nzzfolio.ch
  • Bücher zum Thema: «Schülerjahre. Wie Kinder besser lernen» von Remo Largo und «Der gute Schüler war auch früher ein Mädchen» von Katharina Kellerhals

 

 

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