Was Eltern gegen Mobbing in der Schule tun können

Kinder leiden stark unter Mobbing in der Schule

Seien Sie ein guter Zuhörer, wenn Ihr Kind in der Schule gemobbt wird! Foto: iStockphoto - Thinkstock

Sicher, Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig lernen, Konflikte und Probleme selber zu regeln. «Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht einmischen soll», betont die Fachhochschule Nordwestschweiz in ihrem «Merkblatt zum Thema Mobbing und Ausgrenzung unter Schülerinnen und Schülern». «Mobbing vergeht nicht von alleine, schon gar nicht bei Kindern und Jugendlichen.» Der Grund: Mobbingopfer sind immer unterlegen. Je mehr Menschen weg sehen, umso mehr kommt Mobbing in Schwung.

Mobbing entsteht aus einer Konfliktsituation, die sich weiter entwickelt und an Eigendynamik gewinnt. Durch die Herabsetzung des Opfers fühlen sich die Täter stark und mutig. Ein Kind, das einmal gemobbt wird, kann tun, was es will – es kommt aus der verfahrenen Situation kaum heraus. Sucht es Hilfe, wird es als Petze verschrien. Läuft es weg, ist es ein Feigling. Und wer der Aggression mit Freundlichkeit begegnen will, gilt als Schleimer.

Sie haben Angst, das eigene Kind könne ein Mobbing-Opfer sein? In diesem Fall ist es sinnvoll, das Kind in einem ruhigen Moment mit grossem Fingerspitzengefühl darauf anzusprechen. Oft ist es schwierig, ins Gespräch zu kommen. Wer gemobbt wird, ist voller Ärger, Wut und Scham. Am meisten erfahren Eltern, die gute Zuhörer sind.

Auf keinen Fall sollten Eltern die Schuld beim Kind suchen und dem Kind Vorwürfe machen. Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung davon, dass Mobbing-Opfer an ihrem Schicksal selber Schuld hätten. Das stimmt aber nicht. Viele Kinder und Jugendliche werden zu Mobbing-Opfern, weil die Peiniger sie zufällig oder aus einem vorgeschobenen Grund ausgesucht haben.

Mobbing in der Schule: Was nicht hilfreich ist

  • Mit den Eltern der Täter reden. Die meisten Eltern schützen ihr Kind und billigen so sein aggressives Verhalten.
  • Mit den Tätern reden. Eltern, die ein Gespräch suchen, signalisieren den Mobbenden, dass sich ihr Kind nicht wehren kann. Sie schwächen damit die Position ihres Kindes.
  • Das Kind zum ersten Lehrergespräch mitnehmen. Abhängig von der Einstellung des Lehrers könnte die Begegnung für das Kind belastend sein und seine Schuldgefühle weiter stärken.

(Quelle: Infoblatt für Eltern «Gemeinsam gegen Mobbing in der Schule» der Berner Gesundheit.)

 

Unumgänglich ist ein Gespräch mit dem Klassenlehrer. Das Gespräch sollte allerdings gut vorbereitet werden. Was genau wünschen sich die Eltern vom Lehrer? Wie soll die Schule vorgehen? Was soll das Gespräch erreichen? Ist der Termin für das Gespräch gekommen, gilt es, gemeinsam mit dem Lehrer eine konkrete Strategie zu erarbeiten, wie dem Kind geholfen werden kann. Toll, wenn Eltern sich bemühen, möglichst sachlich zu bleiben! Schuldzuweisungen nutzen nichts, vergiften die Atmosphäre und verhindern ein konstruktives Ergebnis.

In den nächsten Tagen und Wochen bleibt abzuwarten, ob die Strategie den gewünschten Erfolg bringt. Ist das nicht der Fall, steht ein weiteres Gespräch mit dem Lehrer an. Sinnvoll kann es sein, den Vertrauenslehrer oder die Schulleitung hinzu zu ziehen. Auch die Elternvertreter, Beratungslehrer und Schulpsychologen sind geeignete Anlaufstellen. Gute Erfahrungen haben Lehrer mit dem «No Blame Approach» gemacht, einem neuen Ansatz, der von einer lösungsorientierten Vorgehensweise geprägt ist. Auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen wird verzichtet. Vielmehr vertraut der Ansatz auf die Ressourcen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, wirksame Lösungen herbeizuführen.

Weiterführende Links zum Thema Mobbing in der Schule

Autor: Sigrid Schulze

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