Dieses neue Memory rechnet mit alten Rollenbildern ab

«Deck auf! Das Berufespiel» ist kein normales Memory. Auf den zusammengehörigen Bildpaaren sind jeweils ein Mann und eine Frau im gleichen Beruf abgebildet. So sollen alte Rollenbilder überdenkt werden.

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Ein Memory stellt Rollenbilder in Frage

«Deck auf! Das Berufespiel» will spielerisch gegen eingesessene Rollenbilder vorgehen.

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Ein Keinkinderzieher und eine Ingenieurin? In Sache Berufe sind die Geschlechterrollen in der Schweiz noch tief verankert. Dort will das neue Memory der Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau des Kantons Zürich und des Lehrmittelverlags Zürich ansetzen. Kinder sollen sich schon früh an Frauen und Männer in atypischen Berufen gewöhnen und so frei von Rollenbildern in die Berufswahl starten.

Männer am Bügelbrett und Frauen in der Fahrradwerkstatt

Jacqueline Fehr, Regierungsrätin des Kantons Zürich, und André Monhart, Leiter der kantonalen Berufsberatung haben das Spiel am Dienstagnachmittag im zürcherischen Schulhaus Im Gut vorgestellt. Eine 1. Klasse durfte das Memory testen und gegen die beiden antreten. Während sich die Kinder vor allem über das Memory freuen, ist das Spiel für Jacqueline Fehr auch eine Herzensangelegenheit: «Ich wünsche mir eine Generation, die ihre Ausbildung immer mehr nach individuellen Interessen und Fähigkeiten wählt.» Nicht nur im Beruf, auch in der Freizeit seien Rollenbilder noch stark verankert, deshalb fordert Fehr: «Es braucht Frauen, die Fahrradlichter reparieren und Männer, die am Bügelbrett stehen.»

Fussballer und Lehrerin sind immer noch Traumberufe

Die meisten Erstklässler der Schule Im Gut wissen schon genau was sie werden wollen. Die Wünsche unterschieden sich auch hier. Bei den Jungen stehen Fussballer und Polizist hoch im Kurs. Die Mädchen sind noch etwas unschlüssiger, doch Lehrerin finden viele toll. André Monhart von der Berufsberatung weiss, dass sich diese Wünsche im Laufe des Lebens meistens noch verändern werden. Neben der Geschlechterrolle wird die Berufswahl aber auch von anderen Faktoren beeinflusst. Das familiäre Umfeld, das bestehende Angebot an Lehrstellen und die Verdienstaussichten sind nur einige davon.

Das neue liebevoll illustrierte Spiel soll helfen alte Rollenbilder abzubauen. Ob dies dem Memory wirklich gelingen wird, bleibt zu hoffen. Doch mit einem Spiel allein ist es wohl noch nicht getan.

Geschlechterverteilung bei den Lehrstellen in der Schweiz

Jungen Menschen stehen in der Schweiz 230 Berufe offen. Da fällt die Wahl nicht leicht. Statistiken beweisen deutlich, dass die Berufswahl durch das Geschlecht beeinflusst wird. So machen die meisten Mädchen nach der Schule entweder das KV, eine Lehre als Fachangestellte Gesundheit oder als Fachangestellte Betreuung. 75 % der Mädchen wählt nur zwischen 14 Berufen aus. Bei den Jungen sind die Berufe unterschiedlicher, denn 75% der Lernenden verteilen sich auf 31 Berufe. Hier sind technische und handwerkliche Berufe traditionell ganz weit vorne.

Neben Lehrern können auch interessierte Eltern das Spiel «Deck auf! Das Berufespiel» beim Lehrmittelverlag Zürich erwerben.

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