Mit dem Kind das Gespräch suchen

Stellen Sie offene Fragen und teilen Sie Ihre Beobachtungen mit.

Nehmen Sie sich bewusst Zeit für ein beruhigendes Gespräch mit Ihrem Kind.

Wenn Kinder etwas bedrückt, brauchen sie jemanden, der sie wahrnimmt, sich interessiert und bereit ist, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Für viele Kinder ist es nicht einfach, ihre Sorgen richtig zu benennen und sich mitzuteilen. Suchen Sie daher von sich aus das Gespräch mit Ihrem Kind und nehmen Sie sich bewusst Zeit dafür. Betrachten Sie die Sorgen Ihres Kindes nicht als eine Sache, die am Familientisch nebenbei erledigt werden kann. Vielleicht möchte es nicht vor andern, wie beispielsweise vor seinen Geschwistern, darüber reden und bevorzugt ein Gespräch unter vier Augen.

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen sein Wohl am Herzen liegt. Versuchen Sie den Grund für sein Unbehagen heraus zu finden. Damit Sie auf Ihre Fragen nicht nur ein JA oder NEIN als Antwort erhalten, ist es wichtig, dass Sie offene Fragen stellen. Offene Fragen sind Fragen, die das Kind einladen zu erzählen (z.B. W-Fragen: Wie, Welche, Was, Wer, Wo, Wann?), z.B. «Wie verstehst du dich mit den anderen Kindern in der Schule?»

Nehmen Sie sich Zeit, zuzuhören und nachzufragen. Bringen Sie dann auch Ihre eigenen Beobachtungen zur Sprache: «Ich sehe seit längerem, dass du oft bedrückt bist, was ist los?» oder «du scheinst gar keinen Spass mehr zu haben, in die Schule zu gehen und zu lernen.» «Eltern sollten ruhig auch Bezug auf die Symptome nehmen. Wenn man schon beim Doktor war und der nichts gefunden hat, dann können sie klar sagen, dass sie den Grund fürs Unwohlsein irgendwo anders vermuten», rät die Schulpsychologin. Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Kind, beschwichtigen Sie die Ängste Ihres Kindes aber nicht als Nebensächlichkeit. Genauso sollten Sie die Situation auch nicht dramatisieren.

Mit der Lehrperson sprechen

In einem weiteren Schritt, lohnt es sich mit der Lehrperson zu sprechen. Diese kennt die Situation aus einem anderen Blickwinkel. Ihr können zusätzliche Dinge aufgefallen sein. Sollte die Ursache beim Plagen liegen, dann liegt es auch im Wesen der Sache, dass die Lehrperson vielleicht noch nichts hat wahrnehmen können. Es lohnt sich zu versuchen, mit ihr zusammen die Situation sachlich zu klären und nach neuen Handlungsmöglichkeiten zu suchen.

In schwierigen Situationen gibt es auch Fachleute wie SchulpsychologInnen, die zu Rate gezogen werden können. Diese haben zusätzliche Möglichkeiten, mit Ihnen und Ihrem Kind nach den Ursachen für die Schulangst zu forschen, Sie zu beraten und je nach Ergebnis mit Ihnen die geeignetsten Massnahmen zu besprechen.

Wird das Problem Schulangst nicht angegangen, hat dies für die betroffenen Schüler längerfristig negative Folgen. Neben den schulischen Lücken durch das Fernbleiben vom Unterricht, hat das Kind vermehrt Probleme im sozialen Umgang und entwickelt eine mangelhafte Fähigkeit zur Bewältigung von Konfliktsituationen. Bei der Behandlung von Schulangst ist Schulpsychologin Etienne Klemm jedoch optimistisch: «In meiner Berufserfahrung haben Gespräche und das Anpacken und Ernstnehmen des Problems bisher immer dazu geführt, dass die Gründe entdeckt und später auch Lösungen gefunden wurden.»

Text: Marco Stocker



Tipps für Eltern bei Schulangst:

  • Nehmen Sie sich Zeit für ein ruhiges und beruhigendes Gespräch unter vier Augen.
  • Stellen Sie offene Fragen: W-Fragen (Wie, Wer, Was, Wo, Wann), Bsp. «Wie geht es dir in der Schule?», «Wie verstehst du dich mit der Lehrperson?»
  • Teilen Sie Ihre eigenen Beobachtungen mit, nehmen Sie Bezug zu den Symptomen, zeigen Sie Ihr Interesse am Wohlergehen Ihres Kindes.
  • Suchen Sie das Gespräch mit der Lehrperson
  • Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach einer guten neuen Lösung
  • Kontaktieren Sie gegebenenfalls eine Fachperson, den Schulpsychologischen Dienst. Hier finden Sie den schulpsychologischen Dienst in Ihrem Kanton: schulpsychologie.ch

 

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter