Kind > SchuleSpielend Sprachen lernen in der Sprachschule Sigrid Schulze Wer mehrere Sprachen spricht, kann sich leichter in der mehrsprachigen Schweiz und in einer vernetzten Welt bewegen. Kindern fällt es im Vergleich zu Erwachsenen oft leichter, eine neue Sprache aufzunehmen – vor allem, wenn sie sie regelmässig hören und ohne Druck anwenden können. Doch vielen Eltern reichen die Angebote der staatlichen Schulen nicht. Sinnvoll kann deshalb der Besuch einer privaten Sprachschule sein. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken «Kinder im Vorschulalter lernen ausgesprochen schnell und einfach.» Foto: petrograd99, iStock, Thinkstock «Jede neue Sprache ist wie ein offenes Fenster, das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet und die Lebensauffassung weitet», sagte einst der amerikanische Schriftsteller Frank Harris (1856-1931). Dieser Satz, der vor langer Zeit fiel, ist heute aktueller und bedeutungsvoller denn je. Sprachen zählen in unserer zunehmend globalisierten Welt längst zu den Schlüsselqualifikationen – und sie eröffnen deinem Kind Kontakte, Medien und Lernerfahrungen. Kinder lernen Sprachen leicht «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr». Zwar ist dieses Sprichwort in Bezug auf das Erlernen von Sprachen übertrieben, denn auch Erwachsene können sich noch in einer Sprachschule Sprachen aneignen. Doch fest steht, dass es ihnen schwerer als Kindern fällt. «Wir haben festgestellt, dass Kinder im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren am einfachsten eine Fremdsprache aufnehmen», berichtet Debby Germann-Yang, Leiterin der Sprachschule Yang in Zürich. «In diesem Alter sind sie sehr offen für Informationen und lernen Sprache beim Spielen.» Marc Schuurman von der Chinesischen Schule Luzern-Huang bestätigt das: «Kinder im Vorschulalter lernen ausgesprochen schnell und einfach.» Für dich als Elternteil ist wichtig: «früh anfangen» ist nicht automatisch «besser um jeden Preis». Entscheidend ist, dass dein Kind regelmässig verständlichen Input bekommt (also Sprache, die es inhaltlich mitverfolgen kann), dass es selbst sprechen darf und dass die Atmosphäre sicher und spielerisch ist. Ein Kurs kann dabei helfen – muss aber nicht. Gerade bei jüngeren Kindern ist der Alltag oft schon Sprachtraining genug: durch Geschichten, Rollen- und Bewegungsspiele, gemeinsames Singen und den Kontakt mit anderen Kindern. Wann eine Sprachschule sinnvoll ist – und wann nicht Zusätzliche Fremdsprache oder zuerst Deutsch stärken? Eine Sprachschule ist meist dann sinnvoll, wenn dein Kind grundsätzlich stabil im Schulalltag steht, neugierig auf die neue Sprache ist und der Kurs als Ergänzung zu Schule, Freizeit und Erholung passt. Wenn dein Kind hingegen deutliche Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben auf Deutsch hat (oder in der jeweiligen Schulsprache), lohnt es sich oft, zuerst dort die Basiskompetenzen zu stärken. Denn eine sichere Schriftsprachbasis unterstützt auch das Lernen weiterer Sprachen: Wortschatz, Textverständnis und Lernstrategien lassen sich dann besser übertragen. Das heisst nicht, dass Mehrsprachigkeit «schuld» an Schwierigkeiten ist – im Gegenteil: Mehrsprachigkeit ist in der Schweiz normal und kann eine Ressource sein. Aber: Wenn ein Kind im Lesen/Schreiben deutlich kämpft, ist ein zusätzlicher Kurs mit Hausaufgaben manchmal eher Druck als Unterstützung. Dann ist eine Absprache mit der Klassenlehrer:in, schulischen Heilpädagogik oder Logopädie oft der beste nächste Schritt. Sprachschule kann ergänzen, aber eine solide Schulbasis nicht ersetzen. Fragen vor der Anmeldung Diese Fragen helfen dir, ein Angebot realistisch einzuschätzen: Motivation: Will dein Kind den Kurs (oder zumindest: ist es offen dafür)? Oder kommt der Wunsch vor allem von Erwachsenen? Gerade bei Vorschulkindern ist Freude der wichtigste Motor. Zeitliche Belastung: Wie voll ist eure Woche schon? Bedenke auch Wegzeit, Umziehen, Essen, Erholung. Manchmal ist weniger mehr. Qualität der Lehrpersonen: Frage nach pädagogischer/didaktischer Ausbildung und Erfahrung mit Kindern. Muttersprachlichkeit allein garantiert noch keinen kindgerechten Unterricht. Gruppengrösse und Sprechanteil: Kleine Gruppen bedeuten mehr echte Sprachpraxis. Achte darauf, ob jedes Kind regelmässig zu Wort kommt. Methoden: Für Kinder funktionieren Alltagssprache, Spiele, Geschichten, Bewegung, Rituale und wiederkehrende Redemittel meist besser als «Vokabeln büffeln». So kannst du merken, ob dein Kind überfordert ist: Es klagt wiederholt vor dem Kurs über Bauch- oder Kopfschmerzen, wirkt dauerhaft gereizt oder traurig, schläft schlechter, zieht sich zurück, hat plötzlich Angst vor Fehlern oder der Spass kippt in Widerstand. Dann hilft oft ein klares Gespräch mit der Lehrperson, eine Kurs-Pause oder ein Wechsel zu einem passenderen Angebot (z.B. weniger häufig, spielerischer, kleinere Gruppe). Sprachförderung ohne Kurs Du kannst sehr viel im Alltag tun – kostenlos und oft wirkungsvoller als gedacht. Wichtig ist Regelmässigkeit und dass es zu euch passt: Bücher und Bilderbücher: Lies täglich kurz vor – auch wenn es immer wieder dieselbe Geschichte ist. Wiederholung stärkt Wortschatz und Satzmuster. Lieder, Reime, Hörspiele: Rhythmus unterstützt das Merken von Lauten, Wörtern und typischen Satzteilen. Spiele: «Ich sehe was, was du nicht siehst», Memory, Rollenspiele (Einkaufen, Restaurant, Arztpraxis) – ideal, um Redewendungen zu üben. Alltag als Sprachmoment: Beim Kochen, auf dem Weg, im Laden: Dinge benennen, Handlungen kommentieren, Fragen stellen («Was glaubst du, passiert als Nächstes?»). Kontakt mit anderssprachigen Kindern: Spielplatz, Quartiertreff, Verein – Sprache entsteht oft nebenbei, wenn Kinder gemeinsam etwas schaffen wollen. Sprachschule kann sinnvoll sein Mehrere Sprachen früh zu lernen – diese Möglichkeit bieten staatliche Schweizer Schulen je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich. Meist wird eine der Landessprachen als Fremdsprache unterrichtet, dazu kommt Englisch. Wer möchte, dass sein Kind früher mit dem Fremdsprachenerwerb beginnt oder mehr Sprachen lernt, kann sein Kind zu einem Sprachkurs anmelden. Davon gibt es viele. Volkshochschulen, Vereine und private Sprachschulen bieten Sprachkurse an. Ein realistischer Blick hilft: Eine Stunde pro Woche kann Interesse wecken und erste Bausteine legen – echte Sicherheit entsteht aber vor allem durch regelmässige Anwendung. Je nach Ziel (Spass, Grundlagen, Erhalt einer Sprache, Prüfungsvorbereitung) kann ein anderes Angebot passend sein. Hohe Nachfrage nach Chinesisch Angeboten werden vor allem die Schweizer Landessprachen, aber auch die Weltsprache Spanisch. Die Nachfrage nach Japanisch und Chinesisch ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. «Dies gilt nicht nur für eigene Kurse; die Anfragen von Internationalen Schulen und Privatschulen haben ebenfalls zugenommen – hier gehört gerade Chinesisch mittlerweile zum Standard», berichtet Marc Schuurman. Debby Germann-Yang unterteilt ihren Kundenkreis in zwei Gruppen: «Viele Eltern haben aus beruflichen Gründen mehrere Jahre in Hong Kong, Shanghai oder Singapur gelebt, wo ihr Kind in eine Schule oder Kindergarten ging und so Mandarin gelernt hat. Die Eltern möchten dann, dass ihr Kind hier in der Schweiz das Gelernte nicht vergisst und schicken es in den Sprachunterricht.» Die andere Gruppe bestehe aus Eltern, deren Kind hochbegabt ist und die eine Herausforderung für ihr Kind suchen. Wenn es bei euch um den Erhalt einer bereits gelernten Sprache geht (z.B. nach einem Umzug zurück in die Schweiz), ist Kontinuität wichtiger als Tempo: kurze, regelmässige Sprachmomente, Medien in der Sprache und – wenn möglich – echte Gespräche mit Bezugspersonen oder Freunden. Sprachschule muss Spass machen Viele Eltern fürchten, ihr Kind durch den Besuch einer Sprachschule zu überfordern. Am Tisch sitzen und Vokabeln büffeln? Nein, das ist kein Weg für Kinder, eine Sprache zu lernen. Sprache erschliesst sich Kindern besonders gut über sinnvolle Situationen – beim Malen, Singen, Spielen, Toben und Lachen. Wie bei allen Hobbys gilt: Voraussetzung für den Besuch einer Sprachschule ist, dass das Kind Lust hat, die neue Sprache zu lernen. Eine fröhliche und entspannte Atmosphäre und altersangemessener Unterricht sind wichtige Voraussetzungen dafür. So verläuft der Unterricht in der Sprachschule «Für Kinder im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren haben wir eine chinesische Kinderspielgruppe eingerichtet», erklärt Debby Germann-Yang. Ziel sei es, den Kindern nicht nur die Sprache, sondern auch die chinesische Kultur näher zu bringen. «Dafür stehen uns im Spielzimmer viele Kinderbücher und Spielsachen zur Verfügung. Ausserdem vermitteln wir mittels Basteln, Kalligraphie, Malen und Kochen dem Kind viele Aspekte der chinesischen Kultur.» Kinder ab sieben Jahren lernen bereits das Lesen und Schreiben der chinesischen Schriftzeichen und benutzen ein spezielles Lehrbuch für Kinder. Zur Sprachschule gehören auch Hausaufgaben. «Hausaufgaben sind eine wichtige Komponente des Unterrichts», so Marc Schuurman. «Beim Unterricht für Vorschulkinder ermutigen wir die Eltern und Kinder, zumindest die gelernten Lieder zuhause nachzusingen, was die Kinder auch mit grosser Freude tun.» Praktisch für zu Hause: Vereinbart lieber kurze, gut machbare Einheiten als lange Lernzeiten. Wenn Hausaufgaben regelmässig zu Streit führen, ist das ein Signal, dass Menge, Anspruch oder Zeitpunkt nicht passen. Dann lohnt sich ein Gespräch mit der Lehrperson: Gute Anbieter passen den Kurs an das Kind an – nicht umgekehrt. So finden Sie eine geeignete Sprachschule Wer hat bereits gute Erfahrungen mit einer Sprachschule gemacht? Am besten lässt sich eine gute Sprachschule durch Mund-zu-Mund-Propaganda entdecken. Ansonsten können Ihre Kinder zwei oder drei Angebote probeweise besuchen. Dabei gilt es, vor allem auf folgende Kriterien zu achten: Kleine Gruppen Kleine Gruppen sind wichtig für effizientes Lernen. Kleinkinder brauchen ohnehin eine intensivere Betreuung. Gute Atmosphäre Sprechen die Lehrer nett mit den Kindern? Sind die Räume hell und freundlich eingerichtet? Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl. Unterricht von Muttersprachlern Lehrer sollten möglichst Muttersprachler sein, denn niemand spricht eine Sprache so selbstverständlich, akzentfrei und richtig wie derjenige, der sie von klein auf gelernt hat. Fragen Sie auch nach der didaktischen und pädagogischen Ausbildung. Regelmässiger Unterricht Der Unterricht sollte möglichst regelmässig stattfinden, am besten mit zwei Terminen in der Woche. Das findet auch Debby Germann-Yang. «Nur ist es meistens so, dass die Kinder schon einen recht vollen Wochenplan haben mit verschiedensten Aktivitäten ausserhalb der Schule und des Kindergartens, so dass Unterricht mehrmals wöchentlich für die Eltern meist nicht möglich ist.» Sprachaufenthalt im Ausland Wo lernt sich eine Sprache besser als im Ausland? Ein Sprachaufenthalt mit Freunden ist ein Erlebnis für Teenager, an das sie sich zeitlebens erinnern werden. Hier lassen sich nicht nur Sprachkenntnisse vertiefen, sondern auch Blicke über den Tellerrand werfen. Darüber hinaus verleiht ein Sprachaufenthalt Kindern und Jugendlichen mehr Selbstständigkeit. Die Kosten richten sich genauso wie bei allen anderen Reisen nach Entfernung, Verkehrsmittel, Länge des Urlaubs, Intensität des Sprachkurses und Freizeitprogramm. Sprachreisen und Ferienkurse bieten viele Vereine und professionelle Veranstalter an. Eine Übersicht der Anbieter finden Sie hier Angebote zum Auslandaufenthalt gut prüfen! Eltern tun gut daran, sich gut über den Auslandsaufenthalt zu informieren. Wie gross ist die Klasse? Über welche Qualifikationen verfügen die Lehrer? Mit welchen Methoden wird unterrichtet? Wann und wie lange findet Unterricht statt? Auf welche Lehrmittel wird zurückgegriffen? Sind die Lehrmittel in den Kosten inbegriffen? Ist die Schule gut erreichbar? Werden die Sprachkenntnisse durch eine Unterbringung in einer Gastfamilie unterstützt?