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Wie ungesund sind Energy Drinks und Süssgetränke?

Mit coolen Sprüchen macht die Werbung Energy Drinks und Süssgetränke vor allem Jugendlichen schmackhaft. Doch Ernährungsexpert:innen warnen vor dem hohen Zucker- und Koffeingehalt.

Für Jugendliche sehr anziehend, aber mit sehr viel Kristallzucker versetzt: Süssgetränke wie Cola, Fanta, Rivella & Co.
Werbung und farbenfrohe Dosen verstecken die Gefahr: Süssgetränke haben einen erschreckend hohen Zucker- und Koffeingehalt. (Bild: Daniel Dunca/Hamera, Thinkstock)

Sie versprechen «endless power», «monster energy» und «Flügel», wann immer sie gebraucht werden. Energy Drinks boomen. Durchschnittlich trinkt jede Person in der Schweiz pro Jahr mehrere Liter, berichtete der Verband «Energy Drinks Europe». Vor allem Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren und junge Erwachsene finden die handlichen Dosengetränke cool. Doch die  Energy Drinks – ob mit oder ohne Zucker – sind keine empfehlenswerten Getränke für Kinder und Jugendliche.

Was Süssgetränke und Energy Drinks enthalten

Zucker:
Süssgetränke wie Limonaden, Cola und Energy Drinks sind echte Zuckerfallen. Sie liefern ungefähr zehn bis zwölf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Eine durchschnittliche Dose à 250 Milliliter enthält 25 bis 30 Gramm Zucker – das sind ungefähr neun Stück Würfelzucker. Süssgetränke mal eben schnell zwischendurch zu trinken, macht also genauso schnell dick. Ein hoher Konsum von Süssgetränken geht in Studien mit einer erhöhten Gesamtenergiezufuhr und damit mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht einher. Zucker ist auch schädlich für die Zähne. Karies heisst die Folge.

Koffein und Co.:
Süssgetränke wie Eistee und Cola enthalten Koffein – Energy Drinks noch weit mehr. «Im Durchschnitt enthalten Energy Drinks 32 Milligramm Koffein pro 100 Milliliter, was vergleichbar mit Kaffee ist», informiert die SGE. Wer eine Dose Energy Drink mit 250 Millilitern trinkt, führt dem Körper also in kurzer Zeit so viel Koffein zu, wie in zweieinhalb Tassen Kaffee stecken kann. Gerade Jugendliche sollten aber vorsichtig mit Koffein sein. Denn Koffein regt an. Nervosität, Magen-Darm-Beschwerden, Schlaflosigkeit und eine Beschleunigung des Herzrhythmus können die Folgen sein. Besonders heikel: Wenn Koffein regelmässig spät am Tag konsumiert wird, leidet der Schlaf – und Schlaf ist in der Pubertät zentral für Lernen, Stimmung und Entwicklung.

Taurin, L-Carnitin, Glucuronolacton:
Energy Drinks beinhalten auch Stoffe mit weniger bekannten Namen wie Taurin, L-Carnitin und Glucuronolacton. Die SGE warnt: «Leider gibt es weder bei Erwachsenen noch bei Kindern genügend Studien, welche die Wirkung der einzelnen Substanzen und deren Konsum in Kombination ausreichend untersucht haben.»

 

Koffein im Alltag: Energy, Cola, Kaffee, Pre-Workout – was zählt zusammen?

Viele Eltern unterschätzen nicht den Zucker, sondern die Gesamtmenge Koffein über den Tag: Ein Energy Drink am Nachmittag, dazu Cola zum Znacht und vielleicht (im Fitness-Kontext) ein «Pre-Workout»-Booster vor dem Training – das läppert sich. Für den Körper zählt am Ende die Summe: Koffein aus Energy Drinks, Cola, Eistee, Kaffee, Matcha, «Shots», Koffein-Kaugummis oder Nahrungsergänzungen wirkt zusammen. Und: Je kleiner und jünger dein Kind ist, desto stärker kann die Wirkung ausfallen.

Kennzeichnung, Orientierung und typische Koffeinmengen 

In der Schweiz müssen Getränke mit höherem Koffeingehalt entsprechend gekennzeichnet werden (z. B. Hinweis wie «Erhöhter Koffeingehalt» und dass das Produkt für Kinder sowie Schwangere nicht empfohlen ist). Diese Labels helfen beim schnellen Einordnen – ersetzen aber nicht den Blick auf die Menge.

Zur Orientierung (typische Grössenordnungen, je nach Marke und Portion): Ein klassischer Energy Drink enthält oft rund 32 mg Koffein pro 100 ml. Das bedeutet: 250 ml liefern ungefähr 80 mg Koffein, 500 ml ungefähr 160 mg. Cola und Eistee können ebenfalls Koffein enthalten, meist deutlich weniger als Energy Drinks – aber bei grossen Portionen kommt trotzdem einiges zusammen. Bei Kaffee schwankt der Koffeingehalt stark nach Zubereitung (Espresso, Café Crème, Cold Brew) und Bechergrösse: Auch hier lohnt sich, auf Portionsgrössen zu achten.

Wenn dein Teenager im Fitness-Kontext zu «Pre-Workout»-Produkten greift, wird es besonders unübersichtlich: Manche liefern pro Portion ähnlich viel Koffein wie mehrere Tassen Kaffee. Und weil solche Produkte oft schnell getrunken werden, kann die anregende Wirkung sehr abrupt einsetzen.

Kombinationen, die riskant sind

Ein einzelnes koffeinhaltiges Getränk ist nicht automatisch ein Drama. Kritisch wird es häufig durch Situationen, in denen der Körper ohnehin belastet ist – oder wenn Koffein genutzt wird, um ein Grundproblem zu überdecken (Müdigkeit, Stress, Leistungsdruck).

Energy + Alkohol / Sport / wenig Schlaf

Energy + Alkohol: Diese Mischung ist besonders problematisch. Koffein kann das Gefühl von Müdigkeit überdecken, obwohl der Alkohol die Reaktionsfähigkeit und das Urteilsvermögen beeinträchtigt. Dadurch steigt das Risiko, mehr Alkohol zu trinken als geplant oder riskanter zu handeln. Sucht Schweiz weist in aktuellen Informationsmaterialien darauf hin, dass Energy Drinks in Kombination mit Alkohol das Risiko für gefährliches Konsumverhalten erhöhen können.

Energy vor oder während dem Sport: Im Training (oder beim Sporttag) wirkt Koffein anregend – gleichzeitig schwitzt man, der Puls steigt und der Körper braucht Flüssigkeit. Energy Drinks sind dafür schlecht geeignet: Sie sind oft sehr süss oder sehr sauer, liegen «schwer», und die Kombination aus Anregung, Belastung und möglicher Dehydrierung kann zu Unwohlsein führen. Bei einzelnen Jugendlichen können Herzklopfen und Schwindel auftreten. Für Sport gilt darum: Durst löscht man am besten mit Wasser.

Energy bei wenig Schlaf: Jugendliche brauchen Schlaf – und viele haben ohnehin zu wenig. Koffein kann kurzfristig «wach» machen, aber es behebt kein Schlafdefizit. SRF Wissen ordnet in aktuellen Q&A-Beiträgen zu Energy Drinks ein, dass Koffein Schlaf und Erholung deutlich stören kann, gerade wenn es später am Tag konsumiert wird. Das führt leicht in eine Spirale: wenig Schlaf → Energy Drink → noch schlechterer Schlaf → noch mehr Koffein.

Als Elternteil kannst du hier wirksam ansetzen, ohne zu moralisieren: Frag konkret nach dem «Warum» (Müdigkeit? Lernen? Gruppendruck? Sport?) und hilf, das eigentliche Bedürfnis zu lösen (Pausen, Schlafrhythmus, Snack, Zeitmanagement, Stressreduktion).

Light-Produkte sind keine Alternative

Angesichts des vielen Zuckers in Süssgetränken scheint der Griff zu Light- oder Zero-Getränken sinnvoll zu sein. Doch sie sind keine gute Alternative, denn auch diese Produkte enthalten Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Weil auch sie besonders süss schmecken, entwöhnen sich Jugendliche nicht vom extremen Süss-Appetit. Darüber hinaus bleiben in Energy Drinks auch ohne Zucker genügend kritische Stoffe – vor allem Koffein.

Energy Drinks bergen Gewohnheits- und Abhängigkeitsrisiken

Das Trinken von Energy Drinks kann zur Gewohnheit werden. «Das Risiko besteht, dass sie als Aufputschmittel einen festen Platz im Alltag bekommen, so dass in Leistungssituationen «automatisch» zu Energy Drinks gegriffen wird, weil es ohne vermeintlich nicht mehr geht», erklärt Präventionsexpertin Louisa Sayad von Sucht Schweiz. «Sie können jedoch weder ein Frühstück ersetzen noch ein Schlafmanko beheben.»

Für Eltern hilfreich: Achte weniger auf «Verbote», sondern auf Muster. Wird Koffein genutzt, um morgens überhaupt in die Gänge zu kommen? Gibt es Reizbarkeit ohne Energy Drink? Wird am Abend noch Koffein getrunken? Dann lohnt sich ein Gespräch über Schlaf, Stress und Alternativen.

Werbung für Süssgetränke und Energy Drinks durchschauen

Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass sie mit Süssgetränken und Energy Drinks ihrer Gesundheit schaden können. Im Gegenteil, viele Teenager glauben der Werbung, die diese Getränke als gesundheitsförderlich darstellt. So vertrauen sie Botschaften, denen zufolge zugesetzte Vitamine fit machen. Doch künstlich hergestellte Nahrungsmittel mit zugesetzten Vitaminen haben nicht die Kraft natürlicher Lebensmittel. Ein Apfel enthält zum Beispiel viele verschiedene Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe – und liefert gleichzeitig Ballaststoffe, die länger sättigen. Andere Werbebotschaften sollen glauben machen, dass bestimmte Inhaltsstoffe die Fettverbrennung anregen. Doch tatsächlich sind Süssgetränke und Energy Drinks Produkte, die dick machen können.

Wasser ist das beste Getränk

Gut ist, was schon immer gut war: Wasser. «Wasser ist und bleibt das Getränk der Wahl», betont entsprechend die SGE. Um den Flüssigkeitsbedarf zu stillen, ist Hahnenwasser genauso empfehlenswert wie Mineralwasser sowie Früchte- und Kräutertee.

Alternativen, die Teenager akzeptieren

Viele Eltern kennen den Konflikt: «Wasser wäre besser» – aber dein Teenager will «etwas mit Geschmack». Du musst nicht gewinnen, du brauchst alltagstaugliche Kompromisse. Oft hilft es, gemeinsam zu testen, was schmeckt, und eine «Standard-Option» zu Hause zu haben, die schnell verfügbar ist.

«Geschmack ohne Zucker» – Infused Water, Tee, Schorle

Infused Water: Leitungswasser mit Zitronenscheiben, Gurke, Beeren, Minze oder Ingwer. Das wirkt «erwachsener» als Wasser pur, ist aber praktisch zuckerfrei. Tipp: Eine Karaffe am Abend vorbereiten, dann ist es morgens griffbereit.

Ungesüsster Tee (kalt oder warm): Kräuter- oder Früchtetees sind unkompliziert und zahnfreundlicher als Softdrinks. Wenn dein Kind Eistee mag: Tee kochen, abkühlen lassen, mit Zitronensaft und (falls nötig) nur leicht süssen – und die Süsse schrittweise reduzieren.

Schorle: Fruchtsaft stark verdünnen (z. B. 1 Teil Saft auf 3–5 Teile Wasser). So bleibt Geschmack, aber die Zuckerlast sinkt deutlich.

Für den «Energy»-Moment: Wenn es um Müdigkeit geht, helfen oft Basics besser als Koffein: ein Snack mit Eiweiss und komplexen Kohlenhydraten (z. B. Naturjoghurt, Nüsse, Vollkornbrot), frische Luft, kurze Bewegungspause, Powernap (wenn möglich) – oder einfach früher ins Bett. Das ist weniger «cool», wirkt aber zuverlässig.

Süssgetränke selber machen

Jugendliche können Süssgetränke selber machen. Der Vorteil besteht vor allem darin, dass sie dabei selbst die Inhaltsstoffe bestimmen. Das geht locker lässig im Handumdrehen und schmeckt richtig spritzig.

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